Nachwuchs: Noah Bastian Wesselmann und sein Australian Shepard "Malu" üben einfache Tricks auf der Wiese am Tecklenburger Weg. - © Melanie Wigger
Nachwuchs: Noah Bastian Wesselmann und sein Australian Shepard "Malu" üben einfache Tricks auf der Wiese am Tecklenburger Weg. | © Melanie Wigger

Harsewinkel Ein Besuch in der Welpenspielstunde in Harsewinkel

In der Kita für Vierbeiner wird gelernt, getollt und gerauft. Die jungen Tiere erinnern oft an Menschenkinder, und ihre Halter werden sogar zu einem tierfreien "Elternabend" eingeladen

Melanie Wigger

Harsewinkel-Greffen. Über schmale Stege und niedrige Tische, durch Slalomgänge und kleine Tunnel versuchen die Halter ihre jungen Tiere zu locken. Ist das geschafft, wird mit milder Stimme und Streicheleinheiten gelobt. Gelingt das nicht, steht einer der drei Trainer bereit und unterstützt die Duos mit Tipps. Mit einer "Welpenspielstunde" wollen die Hundefreunde Greffen schon früh die richtigen Weichen für die Beziehung zwischen Tier und Mensch stellen. Sie ist quasi die Vorstufe für die Hundeschule. Die Kita für Hunde habe zwei Ziele, erklärt Vereinsmitglied Heinz-Jürgen Flügge. Dazu gehört die Sozialisation durch das Spiel mit Gleichaltrigen - denn darauf müssen die meisten Welpen verzichten, sobald sie mit etwa acht Wochen von ihrer Mutter und ihren Geschwistern weggenommen werden. Flügge: "Dann hat der Hund nur noch den Menschen als Sozialpartner - mit wem soll er sich dann austauschen?" Welpe Malu, der siebenjährige Noah Bastian und sein Vater Dirk Wesselmann sehen das genauso. "Malu soll sich hier an andere Hunde gewöhnen, anstatt später aggressiv auf solche Zusammentreffen zu reagieren", sagt Wesselmann. Gerade in Harsewinkel, wo es nur eine Hundewiese gebe, seien solche Treffen ohne Kurse schwer zu organisieren. Lernen ist das zweite Kursziel - jedoch weniger für die Tiere, sondern viel mehr für ihre Zweibeiner, sagt Flügge: "Es geht darum, dass der Hundeführer seinen Hund lesen kann und in der Lage ist, ihn an verschiedene Untergründe und Bewegungen heranzuführen." Die Paare üben eine Verbindung ein, die im Idealfall auch ohne Leine funktioniert. Spätestens in Alltagssituationen, beispielsweise im Straßenverkehr, können so Gefahren für Mensch und Tier verhindert werden. "Sitz" und "Platz" seien dabei die wichtigsten Befehle. Neben einfachen Übungen gehören auch Pausen und freies Herumtollen zum Programm für die Kleinen. Ähnlich wie Kindergartenkinder zeigen sie phasenweise sehr viel Energie, erklärt Flügge. Kurz darauf kann das schon ganz anders aussehen. "Welpen sind von der geistigen Kondition noch extrem begrenzt." Deshalb brauchen sie häufiger Erholungsphasen. Doch auch die Ersatzeltern der flauschigen Wirbel müssen mal verschnaufen können, sagt Günther Mohring, der mit Friedhelm Hemme und Ludger Grothusheidkamp den Kurs leitet. Deshalb gibt es als besonderen Punkt im achtstündigen Kursprogramm auch einen "Elternabend" - ohne die Begleitung der kleinen Racker. "Das ist auch eine gute Gelegenheit, um Fragen zu klären", sagt Mohring. Und selbst erfahrene Hundebesitzer können in diesem Kurs vielleicht noch etwas dazu lernen. Nämlich, dass die Körpersprache oft mehr als die Stimme zählt. Oder dass eine Piepsstimme bei den Kleinen besonders gut ankommt. Ein klassischer Fehler sei laut Flügge, sich von oben herab zu den Winzlingen herunterzubeugen, um ihre Köpfe zu streicheln - aus ihrer Sicht wird der Mensch dabei schnell zum einschüchternden Riesen. Und beim Trainieren sollte nicht zu viel Druck gemacht werden, um die Tiere nicht zu verängstigen. Druck ist auch nicht nötig: Was ein ausgewachsener Hund innerhalb von Monaten lernt, schaffen Welpen oft in wenigen Tagen. Der laufende Kurs hat erst vor einer Woche begonnen. Noch können Nachzügler sich zu den elf Paaren gesellen. Nicht selten werden Plätze für die im Halbjahresabstand startenden Kurse schon vor der Ankunft des neuen Mitbewohners gebucht, berichtet Mohring. Die bellenden Teilnehmer sind übrigens immer eine bunt gemischte Gruppe, obwohl die Hundefreunde Greffen zum Verein für Deutsche Schäferhunde gehören. Die Mehrheit gehört trotzdem nicht zu dieser Rasse. So mancher Welpe ist deshalb drei- oder viermal größer als die kleinsten. Doch beim Toben auf der Wiese scheint das keinen Unterschied für die Hundekinder zu machen - und falls es doch mal zu derb wird: Die Ersatzeltern halten wachsame Blicke auf ihren Nachwuchs.

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