Traum erfüllt: Auf eigene Kosten ließ der Marienfelder Textilunternehmer Heiner Bessmann einen Fußweg entlang der Lutter vom neuen Bürgerhaus bis zum Klosterhof anlegen. Von dort bietet sich ein schöner Blick auf die Abteikirche. - © Richard Zelenka
Traum erfüllt: Auf eigene Kosten ließ der Marienfelder Textilunternehmer Heiner Bessmann einen Fußweg entlang der Lutter vom neuen Bürgerhaus bis zum Klosterhof anlegen. Von dort bietet sich ein schöner Blick auf die Abteikirche. | © Richard Zelenka

Marienfeld Marienfelder lässt alten Fußweg zum Klosterhof erneuern

Modeunternehmer Heiner Bessmann trägt die Kosten dafür sogar selbst

Richard Zelenka

Marienfeld. Schon als Kind benutzte der Marienfelder Schneidermeister Anton Bessmann den kleinen Weg entlang der Lutter, um zu der am Klosterhof gelegenen Volksschule zu gelangen. "Die Brücke an der Mühle war damals die einzige Möglichkeit, über die Lutter zu kommen", erzählt Heiner Bessmann, der den Familienbetrieb über viele Jahre leitete. Nun ist der 77-Jährige nicht mehr im operativen Geschäft des Marienfelder Bekleidungsunternehmens tätig. So hat das "tapfere Scheiderlein", wie er im Klosterdorf respektvoll genannt wird, mehr Zeit für sein großes Steckenpferd: die Pflege und die Förderung des alten Brauchtums und der Heimatgeschichte. Dazu gehört das neue Marienfelder Bürgerhaus, das seit einigen Wochen an der Klosterstraße aus dem Fachwerkgerippe eines in Lintel abgebrochenen Bauernhauses errichtet wird (wir berichteten). Hinter dem Gebäude steht ein weiteres Projekt kurz vor der Vollendung, das ebenfalls die Handschrift Bessmanns trägt: Ein etwa 400 Meter langer Fußweg, der sich entlang der Lutter schlängelt und bis zum Klosterhof führt. "Die Idee habe ich schon seit ewigen Zeiten in mir getragen. Aber es hat lange gedauert, bis sie realisiert werden konnte", sagt der Heimatfreund. Der Weg habe zwar direkt nichts mit dem Bürgerhaus zu tun, er füge sich aber gut in das Gesamtkonzept ein. Wie berichtet, hatte sich der Kosterhofkreis das Ziel gesetzt, die alten Abteianlagen mit dem idyllischen Klosterhof wieder zu dem zu machen, was sie einmal waren: das wirtschaftliche und gesellschaftliche Zentrum Marienfelds und darüber hinaus. Die Zeitzeugen erinnern sich noch gut: Vor dem Zweiten Weltkrieg war der Klosterhof der Mittelpunkt des Ortes. Dort gab es zahlreiche Geschäfte, einen Friseur, die Post und die Sparkasse. Die Brücke am Friedhof existierte damals noch nicht. So war der Weg entlang der Lutter und an der alten Mühle vorbei, die heute von der Familie Engbert bewohnt wird, vor allem für die Bewohner der südwestlichen Oester eine willkommene Abkürzung. Die Arbeiten an der Lutter begannen im Spätsommer. Mehrfach ließ Bessmann das Bächlein ausbaggern, um möglichst nah an den ursprünglichen Zustand zu kommen. Die Ufer des Baches, mit dem einst die Zisterziensermönche die Mühle betrieben, waren total mit Gebüsch zugewuchert. Grundeigentümer Heiner Bessmann ließ es beseitigen und sorgte so für lichte Strukturen. Der Weg ist etwa drei Meter breit und mit feinem Schotter in mehreren Schichten belegt. Er schlängelt sich an einer Pferdewiese vorbei, teilweise auf der Trasse des alten Pättkes, entlang der aufgestauten Lutter und ist von alten Eichen gesäumt.  An der ehemaligen Klostermühle quert der Weg den Lutterteich über die reparaturbedürftige Holzbrücke. Vor der offiziellen Öffnung müsse diese noch repariert werden, so Bessmann. Weiter geht es entlang der ursprünglichen Abtei, die heute zur Klosterpforte gehört, auf den Klosterplatz. "Von dem neuen Weg aus ist der Blick frei auf den Friedhof sowie auf die Kirche und die Abtei mit dem am Teich vorgelagerten kleinen Fischerhäuschen" - so beschreibt Egon Möllenbrock in seinem Fotokalender 2016 die Szenerie.

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