Urbane Tristesse: Der vordere Teil der August-Claas-Straße wurde bei der Stadtentwicklung abgehängt. Leerstand und wenig attraktive Läden und Vereinsräume beherrschen dort seit Jahren die Szenerie. - © Richard Zelenka
Urbane Tristesse: Der vordere Teil der August-Claas-Straße wurde bei der Stadtentwicklung abgehängt. Leerstand und wenig attraktive Läden und Vereinsräume beherrschen dort seit Jahren die Szenerie. | © Richard Zelenka

Harsewinkel Ordnungsabteilung in Harsewinkel hat viel zu tun

Wettbüros und Spielhallen halten die Mitarbeiter auf Trab

Richard Zelenka

Harsewinkel. Die gute Nachricht: Die Situation ist nicht wesentlich schlimmer geworden. Die schlechte: Sie ist auch nicht besser geworden. Dabei hatten Politiker aller Couleur bereits vor fast zehn Jahren aus allen Rohren gegen die vielen Vereinsräume, privaten Wettbüros, Internetcafés und Spielhallen in Harsewinkels guter Stube geschossen und dem Wildwuchs den Kampf gesagt. Die kämpferischen Töne sind verstummt. Aber: Nach wie vor prägen wenig attraktive Läden und dubiose Vereinstreffs Teile der Innenstadt. Vor allem die Entwicklung der August-Claas-Straße, praktisch in Sichtweite des Rathauses, erfüllt viele mit Unbehagen. Auf gerade 150 Metern haben sich dort gleich drei Etablissements angesiedelt, die im Rathaus und bei den Nachbarn mit Argwohn beäugt werden: Eine Sportwettenannahmestelle sowie zwei ehemalige Läden, die offiziell als Vereinstreffs deklariert sind. Eine weitere Teestube wurde erst kürzlich bei der Stadt angemeldet. Im ehemaligen Stadtcafé hat der neu gegründete "Internationale und integrative Kulturverein" sein Domizil eingerichtet. Junge Männer gehen dort ein und aus. "Wir wissen nicht genau, was dort vor sich geht", sagt Michael Bergholz von der städtischen Ordnungsabteilung. Er und seine Kollegen vom Außendienst würden zwar ab und zu nach dem Rechten schauen, regelmäßige Kontrollen seien aber schon aus Personalgründen kaum möglich. "Wenn wir kommen, liegen Karten auf dem Tisch. Ob dort wirklich gezockt wird, können wir nicht beweisen", so Bergholz. Es ist seit vielen Jahren ein ständiges Katz-und-Maus-Spiel. In den meisten Fällen müssen die Ordnungsbehörden dem Treiben tatenlos zusehen, weil die Betreiber mit immer neuen Tricks eine Schließung ihrer Läden verhindern. "Im Verfahren werden wir mit Schriftstücken von Fachanwälten bombardiert. Wenn es dann doch so weit ist, gibt es wieder einen Betreiberwechsel, und das Spiel fängt von Neuem an", so Bergholz. Ein regelmäßiger Kunde des Tipico-Wettbüros sieht es entspannter. "Wenn man etwas vom Sport versteht, kann man hier auch gewinnen. Viel schlimmer sind die Spielhallen. Dort kann man nur verlieren." Es ist eine unendliche Geschichte. Seit vielen Jahren gibt es Bestrebungen, das staatliche Glücksspielmonopol zu lockern und in geordnete Bahnen zu lenken. Michael Bergholz erinnert daran, dass bereits seit 2011 eine Novelle des Glücksspielstaatsvertrages in Vorbereitung sei, die den Markt für 20 private Anbieter öffnen sollte. Durch Klagen und sich zum Teil widersprechende Urteile zum Glückspielmonopol sei das Verfahren aber noch in der Schwebe. Das sorgt für juristisches Chaos und für Verunsicherung - nicht nur in Harsewinkel. Auch in allen Nachbarstädten, gehören Wettbüros schließlich zum Stadtbild. In Harsewinkel gibt es derzeit offiziell nur ein Internetcafé, und zwar in der Marienstraße. Dort war es in der Vergangenheit häufiger zu Beschwerden über Lärmbelästigung und Beschwerden über Öffnungszeiten bis in die Nacht gekommen. "Zur Zeit ist es dort ruhig", so Bergholz. Auch das Thema Spielhallen sorgte vor Jahren für Aufregung. Im Blickpunkt stand da das Wohn- und Geschäftshaus an der Dr.-Pieke-Straße 1, in dem ein Investor einen Spielsalon einrichten wollte. Vor den Verwaltungsgerichten wurde die Klage der Stadt gegen den Kreis Gütersloh abgewiesen, der sich weigerte, seine Genehmigung für eine Spielhalle im Obergeschoss zurückzunehmen. Die Befürchtungen, die Spielhalle könnte zur Brutstätte krimineller Energie werden, haben sich indes nicht bestätigt. Bergholz: "Es hat dort zu keinem Zeitpunkt Probleme gegeben".

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