Tornister mit Solarbeleuchtung: Amy-Lee Driver (v. l.), Corinna Dammann und Enrico Andres (alle 10) mit Projektbetreuerin Yvonne Röhl. - © Joe Cubick
Tornister mit Solarbeleuchtung: Amy-Lee Driver (v. l.), Corinna Dammann und Enrico Andres (alle 10) mit Projektbetreuerin Yvonne Röhl. | © Joe Cubick

Harsewinkel Kinder forschen, ob Schnecken als Fleischlieferanten geeignet sind

Schüler aus Harsewinkel nehmen am Wettbewerb "Kinder experimentieren" teil. Auch Solarzellen für Tornisterreflektoren wurden entwickelt

Joe Cubick

Harsewinkel. Das erstmalige Angebot an interessierte Schülerinnen und Schüler der Kardinal-von-Galen-Schule, möglicherweise am Wettbewerb "Kinder experimentieren" teilzunehmen, trägt erste Früchte. Letztendlich nahmen Amy-Lee Driver, Corinna Dammann und Enrico Andres sowie Falk Wannhof und sein Bruder Paul, der das Gymnasium besucht, an dem Vorläufer von "Jugend forscht" für Schüler bis 14 Jahren teil. Alle fünf haben die Ergebnisse ihrer Arbeiten vor wenigen Tagen beim Regionalwettbewerb in Herford vorgestellt und erläutert. Die Brüder Falk und Paul Wannhof haben zu Hause Achatschnecken und kamen auf die Idee der Fragestellung: "Die Schnecke - eine bessere Fleischquelle?" "Ich mag Schnecken. Sie sind unkompliziert und genügsam", sagt Falk. " Sie sind Vegetarier und fressen Bananen, Äpfel, Gurken und Salat", ergänzt der Neunjährige. Die Brüder wollten feststellen, ob Schneckenfleisch, das in vielen anderen Ländern auf der Speisenkarte steht, eine Alternative zum Rindfleisch sein könne. Selbst gegessen hätten sie es allerdings noch nicht. Für ihr Experiment setzten sie vier erwachsene und zwei kleinere, etwa ein halbes Jahr alte Achatschnecken ein. "Die Schnecken sind effizienter", fasst Paul das Ergebnis ihres spannenden Experiments zusammen. "Das Fleisch der Schnecke ist im Vergleich zum Rindfleisch in Bezug auf Futterkosten und -herstellung, Wasserbedarf sowie Stallgröße kostengünstiger und ressourcenschonender herzustellen", erklärt der zwölfjährige Gymnasiast. "Zuerst haben wir uns überlegt, nach welchen Kriterien man eine solche Fleischproduktion bewerten kann. Dazu haben wir den Futterbedarf, die verbrauchte Wassermenge, benötigte Nahrungsergänzungsmittel, Stallgröße, Fleischausbeute und Mastdauer festgelegt. Wir sind dabei von einem Kilogramm Fleisch ausgegangen", berichten die jungen Forscher. Die Brüder notierten vom 1. bis zum 30. September alle zwei Tage, wie viel Gramm Futter die Schnecken gefressen haben. "Das haben wir mit einer Briefwaage abgewogen", erzählt Falk. Die Vergleichswerte fürs Rind haben die Harsewinkeler bei der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft nachgefragt. Dr. Hubert Schuster stellte den Brüdern eine Tabelle zur Verfügung. "Damit konnten wir nachweisen, wie viel Rinder fressen und trinken", erklären die Brüder. Festgestellt haben die beiden unter anderem, dass ein Rind etwa 6,8-mal mehr Futter für die Produktion von einem Kilogramm Fleisch benötige. Dafür sei die Mastdauer bei Schnecken über fünfmal länger. "Das lässt sich aber durch die benötigte Fläche ausgleichen", meint Falk. Eines eher technischen Problems haben sich Amy-Lee, Corinna und Enrico angenommen. Die Zehnjährigen wollten mit Hilfe einer Solarzelle die Reflektoren am Tornister durch Leuchten ersetzen. "Zunächst haben wir Firmen angeschrieben, um eine Solarzelle zu bekommen, beschreibt Enrico. Als das nicht klappte, sei schließlich eine im Internet bestellt worden. "Wir haben alles verkabelt und drei kleine Lampen sowie einen Knopf angebracht", erklärt das Trio. "Die Lampen leuchten, aber zu schwach und leider nur bei Tageslicht", beschreiben die beiden Mädchen das Problem. "Wir brauchen eine stärkere Solarzelle und einen größeren Energiespeicher", sieht Enrico einen Lösungsansatz. Alle fünf waren mit viel Spaß bei der Sache. "Sie haben intensiv getüftelt", freute sich Yvonne Röhl, die die Nachwuchsforscher betreute. Wobei die beiden Brüder vornehmlich zuhause arbeiteten. Die Grundschulpädagogin und die kommissarische Rektorin Monika Scharf haben bereits eine Fortbildung hinter sich. So könne mit dem nächsten Schuljahr an der Kardinal-von-Galen-Schule eine Arbeitsgemeinschaft im Bereich der sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) angeboten werden - ein wichtiger Beitrag zur Begabten- und Talentförderung.

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