Gedenken: Auf einem Sammelplatz am Rande der Wiese für die Bestattung in Rasensarggräbern dürfen Kränze, Blumen, Grablichter und sonstige Erinnerungsstücke abgelegt werden. - © Richard Zelenka
Gedenken: Auf einem Sammelplatz am Rande der Wiese für die Bestattung in Rasensarggräbern dürfen Kränze, Blumen, Grablichter und sonstige Erinnerungsstücke abgelegt werden. | © Richard Zelenka

Harsewinkel Die Preise für Bestattungen steigen deutlich an

Neue Satzung: Bei einigen Bestattungsarten steigen die Gebühren um mehr als 500 Prozent, kostendeckend sind sie trotzdem nicht. Im Vergleich bleibt Harsewinkel aber günstig

Richard Zelenka

Harsewinkel. Kleine Rechenspielchen müssen erlaubt sein: Wenn die Stadt ihre Gebühren für Rasensarggräber und anonyme Gräber auf einen Schlag von knapp 200 auf 1.000 Euro erhöht, dann ergibt sich unter dem Strich ein sattes Plus von mehr als 500 Prozent. Auf der anderen Seite: Um Kostendeckung zu erzielen, müsste die auf 30 Jahre befristete Nutzung der beiden Bestattungsarten fast 1.460 beziehungsweise 1.950 Euro kosten. So weit will man nicht gehen. Der Antrag von Johannes Sieweke (UWG), die Gebührenordnung für beide Bestattungsarten auf 950 Euro pro Jahr zu limitieren, fand am Ende keine Mehrheit. Die Pflege von Rasensarggräbern ist besonders zeit- und kostenintensiv Die Pflege von Rasensarggräbern und anonymen Gräbern, die durch den städtischen Bauhof erfolgt, ist besonders kosten- und zeitintensiv, wie Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide im Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsförderungsausschuss am Mittwoch erklärte. Derzeit gibt es auf dem Friedhof an der Hesselteicher Straße 151 Rasenurnengräber (erste Vergabe April 2009), 60 Rasensarggräber einzeln (erste Vergabe März 2009) sowie 25 Rasensarggräber doppelt (erste Vergabe Januar 2013). "Im Vergleich zu den Nachbargemeinden bleiben die Gebühren auch nach der spürbaren Erhöhung günstig, sie sind aber nach wie vor nicht kostendeckend", so Amsbeck-Dopheide. Auch bei den anderen Beerdigungssarten, sowohl bei der Erdbestattung als auch bei der Feuerbestattung, befürwortete der Ausschuss eine Anhebung der Gebühr - wenngleich auch viel moderater. Insgesamt wird nach der Preisanpassung die Kostendeckung 58 Prozent betragen; bisher waren es nur 41 Prozent. Zuletzt wurde die Satzung im Jahr 2006 geändert Bei zwei Enthaltungen wurden die neuen Friedhofsgebühren verabschiedet. Es ist die erste Änderung der Satzung seit 2006. Viele werden sich noch erinnern: Ein Rechenfehler zu Ungunsten der Stadt, der damals durch den "scharfen Rechner" der UWG, Frico Schmitz, entdeckt worden war, sorgte für lange Diskussionen und für eine nachträgliche Änderung der von der Verwaltung vorgelegten Satzung. Das Zahlenwerk soll Mitte März nach der Veröffentlichung im Amtsblatt der Stadt in Kraft treten. Die Anpassung in allen Sparten beziehe sich natürlich nur auf neue Grabstellen auf den städtischen Friedhöfen. Die bestehenden Gräber hätten während der Nutzungsdauer Bestandsschutz, sagte der NW Christoph Dammann von der Friedhofsverwaltung. Deshalb könnten die Auswirkungen der Novelle auf den städtischen Haushalt nicht beziffert werden. "Regelmäßig gucken, wie sich die Preise entwickeln" Zufrieden mit der gefundenen Lösung zeigten sich die Politiker quer über alle Fraktionsgrenzen. Reinhard Hemkemeyer (SPD) sprach von einem "vernünftigen Kompromiss". Er sagte, die Gebühren seien vergleichsweise "ordentlich und tragfähig". Sein Fraktionskollege Ralf Dräger schlug vor, die Gebührensatzung im Auge zu behalten. "Wir sollten regelmäßig gucken, wie sich die Preise entwickeln". Vor möglichen ungewollten Konsequenzen der massiven Bezuschussung warnte Heinz Bünnigmann (CDU), der sich aber auch klar für die Subventionierung aussprach. Es könnte sein, so mutmaßte er, dass die günstigen Gebühren eine Art Tourismus entstehen lassen. "Dann sind unsere Friedhöfe eines Tages zu klein".

realisiert durch evolver group