Klare Aussagen: Auf den Zäunen entlang der viel frequentierten B 513 fordern die Anwohner den Bau einer Ortsumgehung, die sie vor Lärm und Abgasen schützen soll. - © Richard Zelenka
Klare Aussagen: Auf den Zäunen entlang der viel frequentierten B 513 fordern die Anwohner den Bau einer Ortsumgehung, die sie vor Lärm und Abgasen schützen soll. | © Richard Zelenka

Harsewinkel Bau der geplanten Ortsumgehung in Harsewinkel verzögert sich um mehrere Jahre

Ortsumgehung: Die Vorplanung des Landesbetriebes Straßen NRW verzögert sich um mehrere Jahre. Die Anwohner sind entsetzt. Die Stadt wird regelmäßig nachfragen

Richard Zelenka

Harsewinkel. Das Thema Ortsumgehung schlug vor knapp zwei Jahren in Harsewinkel hohe Wellen – und weckte bei den lärm- und abgasgeplagten Anwohnern der B 513 neue Hoffungen, dass sie in absehbarer Zeit einen ruhigen Schlaf finden würden. Aber die Ankündigung des Verkehrsministeriums, die etwa fünf Kilometer lange Entlastungsstraße im Bundesverkehrsplan 2030 auf die Sparte „vordringlicher Bedarf“ hochzustufen und auf der in den uralten Regionalplänen verankerten Trasse im Süden der Stadt zu planen, sorgte auch für Ängste und Kritik – denn die Linienführung würde durch wertvolle Kulturräume und mitten durch bereits bestehende Wohngebiete und über private Grundstücke führen. Die Politiker einigten sich schließlich Ende April 2016 auf den folgenden Beschluss, der für alle Seiten ein tragbarer Kompromiss sein sollte: „Der Rat begrüßt die Aufnahme der Ortsumgehung in den Bundesverkehrsplan 2030 in die Dringlichkeitsstufe ,Vordringlicher Bedarf’, wobei die derzeitige Trassenführung nicht akzeptiert wird“. In der Folge wurden weitere alternative Streckenführungen ins Gespräch gebracht – so auch eine Nordumgehung. Eine Nachfrage im Rathaus brachte etwas Klarheit Seitdem herrschte Stillstand. Erst eine wiederholte Nachfrage aus dem Rathaus brachte etwas mehr Klarheit. Und die ist ernüchternd: Wie berichtet, hatte der für die Planung der Ortsumgehung zuständige Landesbetrieb Straßenbau NRW der Stadt vor wenigen Tagen mitgeteilt, dass die Ortsumgehung „weder im Arbeitsprogramm für 2018 noch bei den prioritär zu bearbeitenden Maßnahmen“ aufgeführt sei. Im Klartext: Die Vorplanung und Trassenabstimmung des Millionenprojektes werden sich um mindestens drei Jahre verzögern. Der Startschuss könne voraussichtlich erst 2021 erfolgen, heißt es. Zunächst war das heiße Thema unter „Mitteilungen“ der Tagesordnung für die Sitzung des Planungs- und Bauausschusses am Donnerstag verschwunden. Doch dann, als die Politiker schon zum nichtöffentlichen Teil übergehen wollten, ergriff Ursula Uhlenbrock (SPD) das Wort. Sie gehört zu den etwa 870 Anwohnern, die direkt betroffen sind und hat natürlich das Interesse, dass die B 513, auf der täglich bis zu 20.000 Fahrzeuge durchrauschen, entlastet wird. Die SPD-Frau äußerte ihre Enttäuschung darüber, dass mittlerweile fast zwei Jahre vergangen seien, ohne dass der Landesbetrieb nur einen einzigen Strich für die Planungen getan hätte. Die Anwohner hätten Tag für Tag 70 bis 75 Dezibel Lärm zu ertragen. „Das ist zu viel“, sagte Uhlenbrock und bat die Verwaltungsspitze, nicht müde zu werden, in regelmäßigen Abständen den aktuellen Sachstand zu erfragen und auf eine schnellere Realisierung des Projektes zu dringen. „Wir müssen am Ball bleiben“. Die Nachricht kam überraschend Auch für Stadtplaner Reinhard Pawel war die Nachricht „schlichtweg überraschend“, wie er einräumte. Er könne der Mitteilung aber auch Gutes abgewinnen. „Es ist eine aktuelle Aussage, die uns bisher fehlte“. Er erinnerte daran, dass die Stadt nicht der Planungsträger sei, sondern lediglich bei der Trassenführung ein gewisses Mitspracherecht habe. Die Entlastungsstraße stehe nach wie vor unter der Stufe vordringlicher Bedarf. Pawel sagte zu, dass sich die Stadt regelmäßig bei der Landesbehörde nach dem aktuellen Sachstand erkundigen werde.

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