Industrieabend bei Claas: Armin Laschet (CDU/Mitte) begrüßen (v. l.) Burkhard Marcinkowski, Jan-Hendrik Mohr, Patrick Claas und Markus Miele. - © Andreas Frücht
Industrieabend bei Claas: Armin Laschet (CDU/Mitte) begrüßen (v. l.) Burkhard Marcinkowski, Jan-Hendrik Mohr, Patrick Claas und Markus Miele. | © Andreas Frücht

Harsewinkel Laschet: „NRW ist ein Industrieland und muss das auch bleiben“

NRW-Ministerpräsident zu Gast in Harsewinkel

Martin Fröhlich

Harsewinkel. Armin Laschet (CDU) ist noch nie beim Landmaschinenhersteller Claas gewesen und im Technoparc von Harsewinkel wird NRWs Ministerpräsident sofort klar, dass er an diesem Abend von Riesen umgeben ist. Riesen der Landwirtschaft wie den Fahrzeugen, deren Räder größer sind als Menschen, aber vor allem Riesen in Sachen Wirtschaft, die teils milliardenschwere Konzerne führen. Eingeladen hat der Unternehmerverband des Kreises Gütersloh, angeführt von Markus Miele, geschäftsführender Gesellschafter der Miele & Cie KG. Gastgeber ist die Familie Claas. 200 Unternehmer und Politiker sind gekommen um zu hören, was der Regierungschef für den Wirtschaftsstandort tun will. "Ländlicher Raum stark, Metropolen im Ruhrgebiet eher schwach" Dass die Messlatte hoch liegt, macht Markus Miele klar. Er sagt: „Die gute wirtschaftliche Entwicklung hier hat zum Teil trotz der Landesregierung stattgefunden", und er meint das Kabinett unter Hannelore Kraft (SPD). Das einstmals starke Land müsse wieder auf die richtigen Schienen gesetzt werden, fordert Miele. Diese Aufgabe soll, das muss nicht ausgesprochen werden, Armin Laschet erfüllen. Wenn es um Wirtschaftspolitik geht, dann ist der Kreis Gütersloh in NRW eine der ersten drei Adressen. Konzerne wie Bertelsmann, Claas, Miele, Tönnies, Nobilia, Nagel und Storck sprechen für sich. Der Ministerpräsident weiß, was gefragt ist. „In NRW ist der ländliche Raum stark und die Metropolen im Ruhrgebiet sind eher schwach." Es sei weder möglich noch sinnhaft, nur auf den Dienstleistungssektor zu setzen. Das hat man bei der Umstrukturierung des Ruhrgebiets lange getan. „NRW ist ein Industrieland und muss das auch bleiben", sagt der Gast. Energiewende auf Raten, schnelles Internet Weil die Industrie aber oft im ländlichen Raum angesiedelt sei, gelte es Erweiterungen der Firmen vor Ort zu ermöglichen. „Dass in Bochum ein Opelgelände leersteht, nutzt Ihnen hier in Harsewinkel nichts." Damit zielt er auf den Landesentwicklungsplan der Vorgängerregierung ab, den er mit einem Entfesselungspaket gerade rücken will. Beifall brandet auf. Laschet skizziert eine Wirtschaftspolitik, die sich mit den Vorstellungen seiner Zuhörer decken dürfte. Spricht von günstigem Strom, einer Energiewende auf Raten, schnellem Internet überall, der abgeschafften Hygieneampel, die nicht aussagekräftig gewesen sei, und der Frage, wie man dem Brexit begegnen könne. „Großbritannien ist einer der wichtigsten Handelspartner von NRW." Schlechter Zustand des Straßennetzes Er schimpft über den Zustand des Straßennetzes: „Ich nenne Ihnen mal ein Beispiel: Ich muss mit meinem schweren Dienstwagen 50 Kilometer Umweg in Kauf nehmen, weil ich nicht über die marode Leverkusener Rheinbrücke fahren darf." Was für ihn nur lästig sei, habe aber schon Firmen dazu bewogen, in die Niederlande zu ziehen. Er verwahrt sich gegen Steuererhöhungen und die Diskreditierung der Autoindustrie. Schaffung und Erhalt von Arbeitsplätzen nennt er eine moralische Sache, die oft vergessen werde. Bildungserfolg bedeute nicht, mehr Akademiker auszubilden, sondern auch eine Berufsausbildung dringend benötigter Fachkräfte zu gewährleisten. Das Land wolle im Zusammenspiel mit dem Bund passende Rahmenbedingungen schaffen. Das könnte so einfach sein, wenn da nicht die wackelige Lage bei der GroKo wäre. Die SPD will die Basis zur Koalition befragen: „Es ist eine verrückte Situation, dass von ein paar SPD-Mitgliedern abhängt, ob eine große Industrienation wie Deutschland eine Regierung bekommt." Als Armin Laschet den Technoparc verlässt, um die lange Fahrt zu GroKo-Gesprächen in Berlin anzutreten, weht Güllegeruch von den Äckern herüber. Neben der Industriestärke auch noch eine funktionierende Landwirtschaft – OWL ist kein Sorgenkind. Eher die Region der Riesen.

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