Blickt mit dem Spökenkieker auf 2018: Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide spricht im NW-Interview darüber, was auf Harsewinkel im neuen Jahr zukommt und was sie sich für 2018 wünscht. - © Andreas Frücht
Blickt mit dem Spökenkieker auf 2018: Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide spricht im NW-Interview darüber, was auf Harsewinkel im neuen Jahr zukommt und was sie sich für 2018 wünscht. | © Andreas Frücht

Harsewinkel Harsewinkels Bürgermeisterin zur finanzielle Situation der Stadt

Im Interview spricht Sabine Amsbeck-Dopheide auch über neuen Wohnraum und die TWE-Strecke

Stefan Boes

Frau Amsbeck-Dopheide, wenn Sie auf Ihre Arbeit als Stadtoberhaupt in diesem Jahr zurückblicken, wie fällt Ihr persönliches Fazit aus? Sabine Amsbeck-Dopheide: Die finanzielle Lage der Stadt Harsewinkel hat sich besser entwickelt als erwartet. Insbesondere wegen höherer Gewerbesteuereinnahmen konnten wir die eingeplante Neuverschuldung reduzieren, aber nicht vermeiden. Warum nicht? Amsbeck-Dopheide: Wir mussten in diesem Jahr im städtischen Kernhaushalt gut fünf Millionen Euro neue Schulden machen für den Umbau des Schulzentrums und den Neubau des Selbstlernzentrums für die Gesamtschule sowie den Bau der Kunsträume am Gymnasium. In den Eigenbetrieben wurden drei Millionen Euro neue Kredite aufgenommen für die Finanzierung der Stromnetzübernahme und eine bessere Reinigung unseres Abwassers, bevor wir es wieder in den Abrocksbach leiten. Aus den laufenden Einnahmen lassen sich diese Investitionen nicht decken? Amsbeck-Dopheide: Nein, zumal in den Vorjahren unter anderem hohe Investitionen in Schulbauten, Sporthallen, Feuerwehrhäusern, den Bauhof und in Straßenbaumaßnahmen die Geldreserven der Stadt aufgebraucht haben. Was hat Harsewinkel dieses Jahr am meisten beschäftigt? Amsbeck-Dopheide: Planungsverfahren standen in diesem Jahr an zentraler Stelle. Es gibt derzeit fünf laufende Planverfahren und eines in Vorbereitung. Das hat es seit Langem nicht mehr gegeben. Naheliegend wäre es, die Nachfrage nach Bauland auf die gestiegene Einwohnerzahl zurückzuführen. Im Vergleich zu 2011 sind circa 1.000 Einwohner mehr gemeldet. Es leben aber trotzdem nicht mehr Menschen in unserer Stadt. Bis 2012 wohnten nämlich noch über 1.200 Briten hier, die als NATO-Angehörige nicht beim Einwohnermeldeamt gemeldet waren. Trotzdem bleibt das Angebot an Wohnraum knapp. Amsbeck-Dopheide: Man sollte meinen, dass die durch den Wegzug der Briten seit 2013 freigewordenen 244 Wohnungen und Häuser in Harsewinkel und 134 in Marienfeld den Bedarf hätten decken können. Offensichtlich hat die hohe Nachfrage nach Wohnbaugrundstücken noch andere Ursachen. Die niedrigen Zinsen ermöglichen es jungen Familien, zu bauen und machen das Bauen für Investoren als Geldanlage attraktiv. Es gibt einen zunehmenden Bedarf nach seniorengerechten Wohnungen, barrierefrei und zentral gelegen. Es ziehen Menschen zu oder werden uns als Flüchtlinge zugewiesen, die eine Sozialwohnung suchen. Deshalb brauchen wir in diesen Bereichen neuen Wohnraum. Was ist Ihnen dieses Jahr positiv in Erinnerung geblieben? Amsbeck-Dopheide: Der Umzug zur 975-Jahr-Feier in Greffen ist mir in lebhafter Erinnerung. Besonders gefallen hat mir der Beitrag der St.-Johannesschule: "Schule früher - Schule heute". Mein Vater und seine elf Geschwister besuchten in den 1920er/30er Jahren die Greffener Volksschule. Aus den Erzählungen weiß ich, dass die meisten Schüler wohl in Holschken zur Schule gehen mussten. Das wäre für die heutigen Füße nicht das richtige Schuhwerk für den Festumzug gewesen. Woran denken Sie noch gerne zurück? Amsbeck-Dopheide: Ein weiterer schöner Tag war, als ich zusammen mit Heiner Bessmann zum ersten Mal den neuen Weg ums Kloster gegangen bin. Ich bin Herrn Bessmann sehr dankbar dafür, dass er der Öffentlichkeit diesen Blick aufs Kloster, die alte Mühle und den Stauteich ermöglicht. Am Ende des Weges sieht man dann das neue Bürgerhaus, das mit viel ehrenamtlichem Engagement errichtet wurde und sich gut einfügt. Welche Herausforderungen gab es? Amsbeck-Dopheide: Die Dauer der Planverfahren machen mir Sorge. Außerdem sorge ich mich wegen des Insektensterbens. Marienfelder Jäger berichteten mir schon vor zwei Jahren, dass der Bestand an Niederwild zurückgeht. Wir sind eine Flächengemeinde, die zu 80 Prozent aus Außenbereichsfläche besteht. Deshalb müssen wir uns dem Problem des Artenrückgangs stellen. Was wünschen Sie sich für 2018? Amsbeck-Dopheide: Ich wünsche mir, dass wir bald Grundstücke in Marienfeld für Wohnbebauung verkaufen können. Einige junge Familien warten darauf dringend. Ich wünsche mir, dass wir das Planverfahren für das Gewerbegebiet westlich der Steinhäger Straße erfolgreich abschließen, um Gewerbeflächen anbieten zu können. Ich wünsche mir, dass nach der Badesaison 2018 die Sanierung unseres Freibades unverzüglich starten kann, damit zur Saison 2019 alles fertig ist. Was kommt auf Harsewinkel im neuen Jahr zu? Amsbeck-Dopheide: Am Anfang des Jahres wird der Verkehrsentwicklungsplan vorgelegt. Zusammen mit dem Kreis Gütersloh müssen wir neue Mobilitätskonzepte umsetzen. Dafür ist jetzt Zeit, weil die "REGIONALE 2022/25" eine Förderung durch das Land ermöglicht. Das Ziel der Reaktivierung des Personenverkehrs auf der TWE-Strecke steht dabei für Harsewinkel oben an. Außerdem werden 2018 die ersten Schülerinnen und Schüler unsere Gesamtschule verlassen. Einige werden in die neue Oberstufe wechseln. Das ist nicht nur ein besonderes Ereignis für die Schülerinnen und Schüler, sondern auch für die Stadt. Schließlich bin ich gespannt, wie sich das neue Online-Anmeldeportal für die Kitas bewährt. Es wäre schön, wenn wir dadurch früher sicher wüssten, ob die Kinder nun mit einem, zwei, drei Jahren oder noch später in die Kita gehen sollen.

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