Spiegelbild der Vorfahren: Auf dem Harsewinkeler Friedhof haben zahlreiche Persönlichkeiten, die die Geschichte der Stadt mitgeprägt haben, ihre letzte Ruhestätte. Thorsten Amsbeck kämpft für den dauerhaften Erhalt der 140 Jahre alten Friedhofsanlagen. - © Richard Zelenka
Spiegelbild der Vorfahren: Auf dem Harsewinkeler Friedhof haben zahlreiche Persönlichkeiten, die die Geschichte der Stadt mitgeprägt haben, ihre letzte Ruhestätte. Thorsten Amsbeck kämpft für den dauerhaften Erhalt der 140 Jahre alten Friedhofsanlagen. | © Richard Zelenka

Harsewinkel 76-Jähriger kämpft für den Erhalt des alten Friedhofs in Harsewinkel

Thorsten Amsbeck hat einen Antrag an die Stadt gerichtet

Richard Zelenka

Harsewinkel. Es ist die "Achtung vor den Vorfahren", die Thorsten Amsbeck nach eigenem Bekunden seit Jahren antreibt, sich für die Geschichte und die Traditionen seiner Heimat einzusetzen. Das besondere Augenmerk des 76-Jährigen richtet sich dabei auf die Friedhöfe. Bekanntlich ist es der Initiative Amsbecks und einiger Mitstreiter zu verdanken, dass seit Jahren der Zustand der drei Harsewinkeler Friedhöfe möglichst lückenlos dokumentiert wird - das Konzept hatte eine breite politische Zustimmung gefunden und ist derzeit in Bearbeitung. Nun hat Thorsten Amsbeck einen aus zwei Teilen bestehenden Antrag an Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide formuliert, der zum Ziel hat, die 140 Jahre alten städtischen Friedhofsanlagen im Stadtpark auf Dauer zu erhalten. Seine Befürchtung: Die alten Grabstellen, die von den Angehörigen nicht mehr gepflegt werden, könnten nach Ablauf der Liegezeit von der Stadt aufgelöst werden - eine Praxis, die in anderen Kommunen durchaus üblich ist, wie Amsbeck vor etlichen Jahren bei einem Besuch des Friedhofs von Hettenleidelheim/Pfalz erfahren musste, wo die Wurzeln seiner Familie liegen. Traurig musste er feststellen, dass im Zuge der Friedhofsumgestaltung die Grabstelle seines Urgroßvaters Jakob Seißler entfernt worden war. Nur ein paar Meter weiter wurde eine Stele restauriert, die an die Gründung des Krankenvereins von 1857 erinnert. Unter den dort aufgeführten Gründern steht auch der Name seines Urgroßvaters. So etwas darf sich in Harsewinkel nicht wiederholen, hat sich der Heimatfreund damals geschworen und seinen Kampf um den Erhalt des Friedhofs aufgenommen. "Jedes Grab weckt Erinnerungen. Gerade die bäuerliche Bevölkerung mit ihren Grabmalen hat es verdient, nicht geschreddert zu werden", schreibt Amsbeck in seinem Antrag und erinnert daran, dass zahlreiche Familien, die die Geschichte Harsewinkels mitgeschrieben haben, dort ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Der 76-Jährige erwähnt hier unter anderen die Familien Claas, Pieke und Zurbrüggen. Zudem sei der Friedhof "ein schöner Ort zur Begegnung für ältere Mitbürger, für Tier und Flora", wie Amsbeck schreibt. Für sein Anliegen hat der Hobbyforscher namhafte Mitstreiter gefunden. Auch Helmut Claas begrüßt in einem persönlichen Schreiben an Thorsten Amsbeck ausdrücklich das "Engagement für die Stadt Harsewinkel und den Erhalt unserer Geschichte". Der Konzernpatriarch hat sogar eigene Recherchen angestellt und dabei festgestellt, dass der ursprüngliche Plan Amsbecks, die Friedhofsanlagen unter Denkmalschutz zu stellen, nicht möglich ist. "Zudem habe ich erfahren, dass laut der Friedhofssatzung Gräber nicht ohne die Zustimmung der jeweiligen Käufer aufgelöst werden können", schreibt er an Amsbeck, der nach der Schule bei Claas eine Dreherlehre absolvierte und später viele Jahre in der Entwicklungsabteilung des Landmaschinenherstellers arbeitete, bevor er den Schritt in die Selbstständigkeit wagte und in die Milchhandlung seiner Adoptiveltern einstieg. Amsbecks Anträge werden voraussichtlich Ende Januar in dem dafür zuständigen Umweltausschuss der Stadt behandelt, wie Christoph Dammann, Fachbereichsleiter Bauen/Städtische Betriebe, dem 76-Jährigen bereits schriftlich mitgeteilt hat. Amsbeck blickt mit Zuversicht diesem Termin entgegen: "Es wäre schön, wenn die Politiker zustimmen würden. Denn der Friedhof ist ein Spiegelbild unserer Vorfahren, Reich und Arm liegen dort Seite an Seite."

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