Neues Wohnbaugebiet: Dieses als "Remse III" bezeichnete Gebiet soll ab Ende 2018 bebaut werden können. Hier entstehen 31 Grundstücke für Einzel- und Doppelhäuser. Unweit von diesem Areal liegt das zweite Neubaugebiet "Am krummen Timpen". Dort ist Platz für 29 Häuser und vier Grundstücke für Mietwohnungsbau. - © Tobias Schwarz
Neues Wohnbaugebiet: Dieses als "Remse III" bezeichnete Gebiet soll ab Ende 2018 bebaut werden können. Hier entstehen 31 Grundstücke für Einzel- und Doppelhäuser. Unweit von diesem Areal liegt das zweite Neubaugebiet "Am krummen Timpen". Dort ist Platz für 29 Häuser und vier Grundstücke für Mietwohnungsbau. | © Tobias Schwarz

Harsewinkel Kritik an der Vergabe von Baugrundstücken

Die Nachfrage ist groß und alle Interessenten haben die gleichen Chancen. Aber nicht alle finden diese Gleichheit auch gerecht

Stefan Boes

Marienfeld. Für viele junge Familien sind Harsewinkel und seine beiden Ortsteile Marienfeld und Greffen ein guter Platz zum Leben und Arbeiten. Die Nachfrage nach Einfamilienhäusern ist groß, das Angebot aber begrenzt. Im Norden von Marienfeld schafft die Stadt im nächsten Jahr zwei Neubaugebiete, "Remse III" und "Am Krummen Timpen". Ab Herbst 2018 werden hier etwa 60 Grundstücke verkauft. Wer an einem der Grundstücke interessiert ist, kann sich bei der Stadt bereits auf einer Liste eintragen. Eine Marienfelderin steht auf dieser Liste der Bauwilligen. Gegenüber der Neuen Westfälischen äußert die Interessentin, die anonym bleiben möchte, deutliche Kritik an dem Vergabeverfahren: "Es gibt kein Sozialvergabeverfahren, wie es in anderen Städten und Gemeinden üblich ist. Es könnte also passieren, dass Familien, die es am nötigsten haben, kein Grundstück erhalten", sagt sie. Die Stadt beabsichtigt ein Vergabeverfahren, bei dem alle Interessenten gleich behandelt werden. Konkret wird das so aussehen, dass die Stadt alle Interessenten gleichzeitig zu einem Termin ins Rathaus einlädt, an dem dann die Absprachen zur Grundstückvergabe getroffen werden. Wer an dem Termin nicht kommen kann oder zu spät erscheint, so die Befürchtung der Marienfelderin, der könnte das Nachsehen haben. "Sollte nicht ein Vergabeverfahren anders aussehen, wenn man es sozial gerecht halten möchte?", fragt sie. Interessentin wünscht sich Bevorzugung nach sozialen Kriterien Sie befürwortet ein Sozialvergabeverfahren, bei dem Interessenten nach bestimmten sozialen Kriterien bevorzugt werden, beispielsweise Familien, die noch kein Eigentum haben, verheiratete Paare mit Kindern, Personen mit Verwandtschaft im Ort, Personen, die im Ort berufstätig sind oder auch Geringverdiener, denen ermäßigte Grundstücke zur Verfügung gestellt werden könnten. "Ich weiß, dass andere Interessenten das ähnlich sehen", sagt die Marienfelderin, die beruflich bei einem Immobilienunternehmen tätig ist. Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide bestätigt auf Nachfrage, dass ein solches Sozialvergabeverfahren nicht vorgesehen ist. Die jetzigen Eigentümer der Grundstücke hätten ein Vorrecht bei der Vergabe, ansonsten gebe es keine Auswahlkriterien. Früher habe es ein sogenanntes Einheimischenmodell gegeben, das sich jedoch nicht bewährt habe, so Amsbeck-Dopheide. Das jetzt geplante, beschleunigte Vergabeverfahren, bei dem alle Interessenten die gleiche Chance hätten, sei aus ihrer Sicht angemessen. "Es gab noch nie Rangeleien und Prügeleien auf dem Rathausflur", sagt die Bürgermeisterin zu der Befürchtung, dass der Termin für die Interessenten in Streit ausarten könnte. "Wir gehen davon aus, dass wir den Bedarf decken können" Die Interessentin aus Marienfeld geht in ihrer Kritik aber noch weiter. Sie vermutet, dass der Bedarf an Baugrundstücken das Angebot übertrifft und daher nicht alle, die gerne in Marienfeld bauen würden, das auch tun können. Auch dass es keine zeitliche Frist für die Bebauung gibt, sieht sie kritisch: "Wie kann die Stadt in der heutigen Situation mit dem großen Mangel an Baugrundstücken noch immer damit werben, dass es keine zeitliche Frist zur Bebauung der Grundstücke gibt? Im Kern von Marienfeld sind genau aus diesem Grund etliche unbebaute Grundstücke." Bürgermeisterin Amsbeck-Dopheide vertritt eine andere Position: "Wir gehen davon aus, dass wir den Bedarf decken können. Es gibt derzeit 70 Bauwillige, und von denen werden nicht alle bauen wollen", sagt die Bürgermeisterin. Eine Bauverpflichtung sei nicht notwendig, da die Stadt sicher sei, dass alle Interessenten tatsächlich auf den Baugebieten in Marienfeld bauen wollen. Ab Ende 2018, vielleicht auch erst Anfang 2019, sollen die Käufer mit dem Bau beginnen können.

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