Vor 118 Jahren eingeweiht: Der Bahnhof in Harsewinkel ist ein stadtprägendes Gebäude mit einer langen Tradition. Nun wird die Immobilie an einen privaten Investor verkauft. - © Richard Zelenka
Vor 118 Jahren eingeweiht: Der Bahnhof in Harsewinkel ist ein stadtprägendes Gebäude mit einer langen Tradition. Nun wird die Immobilie an einen privaten Investor verkauft. | © Richard Zelenka

Harsewinkel Event-Manager kauft Bahnhof in Harsewinkel

Den Vertrag mit der TWE hat der Event-Manager Andreas Hanhart bereits unterschrieben. Jetzt muss nur noch die Bezirksregierung zustimmen

Richard Zelenka

Harsewinkel. Der 1. November 1900 war ein wichtiger Tag in der Geschichte der aufstrebenden Kleinstadt Harsewinkel: Der neue Bahnhof Harsewinkel an der Strecke der Teutoburger Wald-Eisenbahn (TWE) wurde mit einem Festakt feierlich eingeweiht. Um 5.57 Uhr fuhr der erste Zug von Laer nach Gütersloh mit der damals erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 35 Kilometern pro Stunde ein. Mit Hurrarufen und Böllerschüssen wurde die Dampflokomotive empfangen. Die Aufnahme des Personen- und Güterverkehrs war entscheidend für die Entwicklung von Harsewinkel bis in die 1970er Jahre. Doch seit Jahrzehnten dämmert das Bahnhofsgelände im Dornröschenschlaf vor sich hin, denn der Personenverkehr wurde 1976 eingestellt - und die Wiederaufnahme wird seit Jahren ohne Ergebnis diskutiert. Bahnhof seit Jahrzehnten im Dornröschenschlaf Nun soll bald neues Leben in den Gebäudekomplex aus roten Klinkersteinen einkehren: Der Harsewinkeler Event-Manager Andreas (Andi) Hanhart hat den Bahnhof von der TWE, eine Tochter der Captrain Deutschland GmbH, erworben. Der Vertrag sei bereits beim Notar unterschrieben worden, wie es heißt. Andras Hanhart, der weit über die Grenzen seine Heimatstadt hinaus auch als Schlagzeuger der Spaßband "Die Landeier" bekannt ist, wollte den Deal gegenüber der NW noch nicht bestätigen, weil die Bezirksregierung noch ein Mitspracherecht habe und erst ihre Zustimmung erteilen könne. Es könne noch bis zu acht Wochen dauern, bis eine Entscheidung des Regierungspräsidenten vorliege. Der Bahnhof, der sich in einem relativ schlechten baulichen Zustand befindet, soll saniert werden und eine neue Nutzung erfahren. So solle im Hauptgebäude die Zentrale der Veranstaltungsagentur Ems Event untergebracht werden, während das obere Stockwerk zu Wohnungen umgebaut werde. Die frühere TWE-Station ist ein zweigeschossiges Gebäude mit Dienst- und Warteräumen und einem angebauten Güterschuppen mit Laderampe. Für den Bahnhofsvorsteher stand eine Wohnung im Obergeschoss bereit. Die Nachricht über die Veräußerung des alten Bahnhofs wirft Fragen auf. So spielte er zuerst eine zentrale Rolle als mögliche Haltestelle bei der Initiative, wieder Personenzüge über die Gleise auf der 24,5 Kilometer langen TWE-Strecke zwischen Verl, Gütersloh und Harsewinkel rollen zu lassen. Doch diese Pläne sind nicht mehr aktuell. Sollte der Schienenpersonennahverkehr wieder auf dieser Strecke fahren, dann würde der Zug nicht am alten Bahnhof halten, teilte Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide auf NW-Anfrage mit. Nach den jetzigen Planungen würde es eine Haltestelle etwa in Höhe des Raiffeisenmarktes geben, also nördlich des alten Bahnhofs. Haltestellen für Nahverkehrszüge hätten heute in der Regel keine Bahnhofsgebäude mehr. Das sehe man am Haller Willem oder beim Warendorfer. In Harsewinkel solle die Haltestelle als Mobilitätsstation ausgebaut werden, wo die Fahrgäste vom Bus, aus dem Auto oder vom Fahrrad in die Bahn umsteigen. Dafür müssten Abstellplätze und Aufladestationen für die verschiedenen Fortbewegungsmittel vorsehen werden. Die Bürgermeisterin weiter: "Da somit eine öffentliche Verwendung des alten Gebäudes als Bahnhof nicht mehr geplant ist, ist es umso schöner, wenn es eine private Nutzung gibt. Ich würde mich freuen, wenn der alte Bahnhof so erhalten bleibt, wie wir ihn kennen."

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