Abschied: Thorsten Vorjohann bedankte sich bei der scheidenden Dirigentin Astrid Kersting. - © Joe Cubick
Abschied: Thorsten Vorjohann bedankte sich bei der scheidenden Dirigentin Astrid Kersting. | © Joe Cubick

Harsewinkel Kolping-Orchester muss seine Dirigentin ziehen lassen

Konzert: Das Ensemble bietet mehr als 500 Gästen in der vollen St.-Paulus-Kirche zum Abschied von Astrid Kersting ein mitreißendes Musikerlebnis. 16 Jahre führte sie den Taktstock. Eine Entscheidung über ihre Nachfolge fällt erst im neuen Jahr

Joe Cubick

Harsewinkel. Bemerkenswert, ansprechend und mitunter besinnlich: So präsentierte das Kolping-Orchester Harsewinkel (KOH) sich bei seinem Adventskonzert in der St.-Paulus-Kirche. Vor mehr als 500 Zuhörern im fast schon überfüllten Gotteshaus an der Wibbeltstraße legten sich die etwa 70 Musiker am Sonntagnachmittag mächtig ins Zeug. Der anstehende Abschied ihrer Dirigentin Astrid Kersting schien sie zusätzlich zu motivieren. Die viermonatige Vorbereitungszeit hat sich hörbar gelohnt. Das Orchester bot dem begeisterten Publikum ein nahezu perfektes Konzert. Kaum zu glauben, dass es sich im Grunde um Laienmusiker handelt. Beim "Konzert im Advent 2016" wurde das KOH diesmal teilweise vom Marienfelder Mädchenchor St. Marien unter Leitung von Andreas Müller begleitet - wie auch schon beim Auftritt vor Wochenfrist in der Clarholzer St.-Laurentius-Kirche. Eröffnet wurde das etwa 90-minütige Konzert mit der Eröffnungsfanfare "Oxford Intrada", die sich an dem Lied "Herbei, oh ihr Gläubigen" orientiert. Mit "Der Mann mit dem Fagott" folgte eine Hommage an Udo Jürgens. Es ist die Filmmusik zur gleichnamigen Filmbiografie über den Musiker. Später spielten die Musiker unter anderem die Symphonie Nr. 1 "Der Herr der Ringe" aus "Hobbits" von Johan de Meij. Die Musik ist allerdings nicht mit der erfolgreichen Filmtrilogie zu verwechseln. Beim "Angels? Carol" von John Rutter betrat der Mädchenchor St. Marien die Bühne. Während sie dieses Stück noch allein vortrugen, musizierten sie bei "Alle Jahre wieder" im Arrangement von Guido Rennert gekonnt gemeinsam mit dem Orchester - und das bei nur zwei gemeinsamen Proben im Vorfeld des Konzerts. Nach zwei weiteren Vorträgen des Orchesters folgte zum Abschluss das gemeinsame "Fröhliche Weihnachten überall". Im Anschluss an den offiziellen Teil verabschiedete Thorsten Vorjohann die langjährige Dirigentin. Der KOH-Vorsitzende bedankte sich bei Astrid Kersting für ihr Engagement. In fast 16 Jahren hatte sie wesentlichen Anteil an den regelmäßig im Wechsel arrangierten Frühjahrs- und Adventskonzerten. Nicht zuletzt die Arbeit mit anderen Künstlern bei den Adventskonzerten war ihre Idee. Er hoffe, dass sie dem Orchester auch weiterhin mit ihrem fachmännischen Rat und Kenntnis zur Verfügung stehe, und bedankte sich mit einem Fotoalbum und einem Blumenstrauß, dekoriert mit Notenblättern. Astrid Kersting ist hauptberuflich Klarinettistin beim Luftwaffenmusikkorps in Münster. Dort habe sie im Laufe des Jahres einen Stellvertreterposten übernommen, womit sie auch mehr in die Organisationsstruktur eingebunden sei und daher die zusätzliche Leitung des KOH nicht mehr leisten könne. Sie bleibe Harsewinkel aber treu, sagte die scheidende Dirigentin. Für Dechant Wim Wigger ist Astrid Kersting die "beste Dirigentin des Kolping-Orchesters" und das große Ensemble "das beste Kolpingorchester", das er kenne, wie er in einer kurzen Begrüßung anmerkte. Astrid Kerstings Nachfolge ist noch nicht geregelt. Wie Thorsten Vorjohann erläuterte, würden Bewerber noch zur Probe dirigieren. Eine Entscheidung werde "vermutlich Ende Januar fallen". Anschließend folgten noch zwei laut geforderte Zugaben. Das Gastspiel endete mit stehenden Ovationen.

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