Anwalt der Schüler: Schulsozialarbeiter Andreas Tack ist seit 20 Jahren an Harsewinkeler Schulen tätig, zunächst an der Hauptschule, heute an der jungen Gesamtschule. Der 55-Jährige kann sich gut vorstellen, sein Berufsleben auch dort ausklingen zu lassen. - © Joe Cubick
Anwalt der Schüler: Schulsozialarbeiter Andreas Tack ist seit 20 Jahren an Harsewinkeler Schulen tätig, zunächst an der Hauptschule, heute an der jungen Gesamtschule. Der 55-Jährige kann sich gut vorstellen, sein Berufsleben auch dort ausklingen zu lassen. | © Joe Cubick

Harsewinkel Ein offenes Ohr für die Probleme der Schüler

Vorreiter: Andreas Tack ist Schulsozialarbeiter an der Gesamtschule. Der 55-Jährige hat nicht nur ein offenes Ohr für die 800 Schüler

Joe Cubick

Harsewinkel. Schulsozialarbeiter Andreas Tack ist mittlerweile seit 20 Jahren in der Mähdrescherstadt tätig. Seine Lust habe er aber noch nicht verloren, sagt er. "Es macht nach wie vor Spaß. Ich gehe gerne zur Schule, früher war das anders." Als Andreas Tack im September 1995 seine Stelle als "Anwalt der Schüler" antrat, galten er und die Stadt Harsewinkel als Vorreiter in der Schulsozialarbeit, war es im Kreis Gütersloh die zweite derartige Stelle überhaupt. Zudem war die Hauptschule, die später den Namen August-Claas-Schule erhielt, mit bis zu 890 Schülern eine der größten Hauptschulen in Nordrhein-Westfalen. Jetzt ist der Diplom-Sozialpädagoge für die junge Gesamtschule zuständig, die mittlerweile auch schon etwa 800 Schüler zählt und im nächsten Schuljahr noch weiter wachsen wird. Nach wie vor kämen aber auch heute noch einige Hauptschüler zu ihm, die ihn noch von seiner Arbeit dort kennen. "Die möchte ich nicht ausblenden", erklärt der 55-Jährige.Mehr psychische statt körperlicher Gewalt Seine Arbeit habe sich selbstverständlich auch verändert. "Körperliche Gewalt erlebe ich heute überhaupt nicht mehr", sagt Tack. Gewalt finde heutzutage eher auf der psychischen Ebene statt. Vieles passiere im Zeitalter von Internet und Smartphones über das Mobbing; und da gebe es "wirklich sehr schlimme Sachen". Deshalb gibt es schon in den 5. Klassen, also den Einstiegsklassen der Gesamtschule, ein Projekt zum richtigen Umgang mit sozialen Medien. Bei jüngeren Schülern empfehle er den Eltern zudem, "genauer hinzugucken". Seine Beratungsgespräche drehten sich vornehmlich um Konflikte in der Schule oder dem Elternhaus, sagt Tack. Allein im vergangenen Schuljahr habe er mehr als 250 Gespräche mit Schülern und über 40 mit Eltern geführt, so der Schulsozialarbeiter. Ohnehin hätten die Anfragen von Eltern im Vergleich zu seiner Zeit an der Hauptschule zugenommen. Sie fragten dann schon mal, ob ihr Kind an dieser Schule gut aufgehoben sei.Anfängliche Skepsis ist gewichen Obwohl der Sozialarbeiter die Gesamtschule inzwischen als "die beste Schulform" bezeichnet, sei er "anfangs zunächst skeptisch" gewesen. "Doch das Konzept der Schule geht auf", meint Tack. Schließlich würden die unterschiedlichen Schüler voneinander profitieren. Inzwischen kommen auch Eltern zu ihm, die er noch aus seiner Hauptschulzeit kennt und die heute eigene Sprösslinge an der Gesamtschule haben. Leider, so der dreifache Familienvater, habe er in seinem Job immer wieder auch mit "einigen heftigen Dingen" wie beispielsweise Todesfällen oder Drogenabhängigkeiten zu tun. In besonders trauriger Erinnerung ist ihm der Ehrenmord im Jahr 2009 an einer ehemaligen Schülerin geblieben. "Leider fallen immer wieder einige Menschen durchs Netz", sagt der Schulsozialarbeiter. Ganz schlimm sei vor allem sexueller Missbrauch. Betroffene, so seine Einschätzung, gibt es an der Gesamtschule aber wohl nicht. Andreas Tack kann sich gut vorstellen, die Stelle in Trägerschaft der AWO den Rest seines Berufslebens auszufüllen. Wenn Mitte 2017 die Real- und Hauptschule auslaufen, erhält er mit Jutta Hüffner Verstärkung. Die Schulsozialarbeiterin ist derzeit noch für die anderen beiden Schulen tätig.

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