Halle Mordfall Nelli Graf: "Er hat uns allen das Leben genommen"

Trauer bestimmt den Alltag der Hinterbliebenen

Natali Graf am Grab ihrer Mutter Nelli. Bis heute ist der Mörder der Frau aus Halle nicht gefunden. - © FOTO: NICOLE DONATH
Natali Graf am Grab ihrer Mutter Nelli. Bis heute ist der Mörder der Frau aus Halle nicht gefunden. | © FOTO: NICOLE DONATH
Mordfall Nelli Graf: "Er hat uns allen das Leben genommen" - © Halle
Mordfall Nelli Graf: "Er hat uns allen das Leben genommen" | © Halle

Halle. Vor 18 Monaten verschwand in Halle die dreifache Mutter Nelli Graf. Trotz tausendfacher Gentests, monatelanger Ermittlungen und minutiöser Rekonstruktion des letzten Weges der 46-Jährigen gibt es keine Spur vom Täter. Für die Familie ist das kaum zu ertragen.

Auf den Straßen Halles stöhnen die Menschen dieser Tage übers Wetter oder schwatzen über das Neueste vom Ort. Der Fall Nelli Graf spielt im Nachbarschaftsplausch kaum noch eine Rolle. Nur in einem Haus dreht sich noch immer alles um den Mord vor 18 Monaten: bei Viktor Graf und seinen drei Kindern.
Das Verbrechen ist allgegenwärtig. Immer.

Anzeige

"Der Mörder hat nicht nur ihr das Leben genommen", sagt Natali Graf. "Er hat es uns allen genommen." Die 22-Jährige und ihr Vater sitzen nebeneinander auf dem Sofa. Ganz leise ist es im Haus. Selbst der Deckel des Klaviers ist geschlossen, nach Musizieren ist hier niemandem mehr zumute.

Information

Chronologie

  • Am 14. Oktober 2011 verlässt Nelli Graf mittags das Haus. Zwei Tage darauf wird ihr Rad gefunden.
  • Vier Monate später findet ein Landwirt ihre Leiche bei Halle-Kölkebeck.
  • Unter großer Anteilnahme wird Nelli Graf am 22. Februar 2012 in Halle beerdigt.
  • Massengentests, Fahndungsaufrufe über "XY. . . ungelöst", eine Belohnung für Hinweise: Nichts hat bislang zum Täter geführt.

Allein der kleine Mischlingshund Fiffi springt fröhlich durchs Zimmer und fordert Aufmerksamkeit. Natali Graf streichelt behutsam über sein Fell. Dann sagt sie, dass sie immer noch nicht fassen könnten, was geschehen sei. "Daran ändert auch die fortschreitende Zeit nichts. Der Schmerz ist immer da, und er ist immer gleich groß. Sie fehlt uns jeden Tag."

Viktor Graf, der mittlerweile wieder in seinem Beruf als Busfahrer arbeitet, nickt. Hinterm Steuer hat er viel Zeit zum Nachdenken. "Es sind immer dieselben Fragen", sagt er. "Über 7.500 Hinweise, aber nichts Entscheidendes." Keiner hat Nelli Graf gesehen am Tag, als sie verschwand. Nicht auf dem Weg vom Arzt nach Hause, nicht dort, wo ihr Weg mit dem Rad endete. Einfach nichts. "Durch ihre Arbeit an der Supermarktkasse kannten sie viele Menschen. Wenn wir durch die Stadt gingen, wurde sie oft gegrüßt. Aber ausgerechnet da hat sie niemand gesehen. Das gibt es doch gar nicht!"

Dabei ist inzwischen vieles bekannt über den 14. Oktober 2011, den Tag, als Nelli Graf verschwand. Sie hatte keine telefonische Verabredung. Nicht nur ihr Mobiltelefon wurde überprüft, auch der Provider, der alle Daten speichert. Auch die, die auf dem Endgerät gelöscht wurden. Ergebnis: kein Telefonat, keine SMS. Es hat keine vorherige Verabredung gegeben. Und Planung war bei Nelli Graf ohnehin schwierig: "Selbst wir wussten oft nicht, wie lange sie arbeitet", sagt Viktor Graf, "das hat sich häufig spontan ergeben."

Warum sie in der Mittagszeit mit dem Rad das Haus verließ? Bis heute gibt es dafür keine Erklärung. Dass seine Frau vielleicht mit dem Rad bis in ein kleines Wäldchen gefahren sein soll, um heimlich eine Zigarette zu rauchen – auch das gibt für Viktor Graf keinen Sinn. "Sie hätte doch im Garten rauchen können", sagt er und zeigt hinaus. "Da gibt es sogar eine kleine Hütte."

Anzeige

Copyright © Neue Westfälische 2015
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Seite 1 von 2
nächste Seite
Teilen

Kommentare

Kommentare sind für diesen Artikel deaktiviert.

Anzeige
Anzeige
realisiert durch evolver group