Comedian mit großem Improvisationstalent: In die Dekade der guten alten 1990er Jahre entführte Luke Mockridge seine Fans am Samstagabend. [ Luke Mockridge ] [ Gerry Weber Stadion ] - © Alexander Heim
Comedian mit großem Improvisationstalent: In die Dekade der guten alten 1990er Jahre entführte Luke Mockridge seine Fans am Samstagabend. [ Luke Mockridge ] [ Gerry Weber Stadion ] | © Alexander Heim

Halle 5.500 Fans bejubeln Comedian Luke Mockridge

Der Comedian begeistert im Gerry Weber Stadion

Von Alexander Heim

Ob „Lemon Tree" oder „I want it that way", ob „Coco Jambo" oder „Barbie Girl" - der Piano Man vom Rhein muss nur die ersten Takte der Songs anstimmen und -spielen, schon folgte ihm der Chor der 5500 bereitwillig. „Wie ein Katapult zurück in die Kindheit" nimmt er das Publikum mit auf diese Zeitreise in die Dekade des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Die Teletubbies erleben dabei ebenso eine neue Blütezeit wie ICQ, MSN oder Tetris. Komisch nur, dass er die Lindenstraße ausspart. Ob das seinen Eltern gefällt? Dafür bricht er eine Lanze für alle Mütter. Und gesteht über sich selbst: „Ich war so ein Arschlochkind." Immerhin eines, das eine Übungen am Klavier gemacht zu haben scheint. Spontan nimmt der Improvisationskünstler Vorschläge aus dem Publikum auf, um die Band erneut vorzuglühen. „Man hört diese Songs und ist sofort wieder sieben Jahre alt", findet er. Bei Saskia aus Reihe eins leiht er sich - gleich zu Beginn der zweistündigen Show – erst einmal die Brille aus. „Sieht gut aus. Schade, dass du das jetzt nicht siehst". Und auch der neunjährige Jamie wird zum „Running Gag" des Abends. Und: zum Korrektiv. Immer dann, wenn die erzählten Geschichten dabei sind, unter die Gürtellinie zu rutschen, erinnert sich der 27-Jährige seiner jungen Gäste im Publikum und entschlüpft der Schlüpfrigkeit. Ganz allerdings kann Luke Mockridge sich das dann doch nicht verkneifen. Vielleicht liegt das ja auch im Namen des Kanado-Italieners. Schließlich bedeutet „mock" so viel wie Spott, und „ridge" ist der Grat, auf dem man wandelt. Mal parodiert er, andere Musiker und ihre Stilrichtungen. Udo Lindenberg darf da ebenso wenig fehlen wie Herbert Grönemeyer. Mal holt er zum Bashing gegen Heidi Klum und Helene Fischer aus. Und versucht doch das Mysterium der Frau zu ergründen. Selbstzweifel? „Wenn ihr Mädels euch sehen könntet, wie wir euch sehen, hättet ihr nie wieder Selbstzweifel", präsentiert er „Dosenöffner"-Sprüche. Dosenöffner-Songs – die hatte es zuvor von der roten Gitarre gegeben. „Chasing cars", „Wonderwall" oder „Ich bin dabei" gehören selbstredend dazu. Immer mal wieder züngeln am Abend Flammen aus den drei blauen Tonnen auf der Bühnenbild-Baustelle hervor. Und fortwährend glaubt Mockridge, vor 8000 Gästen zu stehen. Gefühlt war das sicher so, nicht erst, als er alle Smartphone-Taschenlampen sehen möchte, er zum Selfie mit den Fans ansetzt oder - als Zugabe – als Arielle, die Meerjungfrau im kurzen Grünen auf der Bühne steht. Luke-Mockridge-Pause auf lange Sicht? Keine Sorge! Schon bald ist der Comedian erneut in der Region. Am Sonntag, 19. Februar, tritt er in Osnabrück auf. Am Donnerstag, 11. Mai, ist er in Bielefeld zu Gast. Beide Male mit seinem neuen Programm: „Lucky Man"

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