Gerry Weber-Konzernchef Ralf Weber bei der Bilanzpressekonferenz. - © dpa
Gerry Weber-Konzernchef Ralf Weber bei der Bilanzpressekonferenz. | © dpa

Halle Gerry Weber schließt Filialen und streicht 710 Stellen

Drastisches Sparprogramm: Allein in Halle werden 200 Stellen gestrichen. Mit einer Neuausrichtung will der Modekonzern dem Gewinnrückgang begegnen. Rote Zahlen sollen damit vermieden werden

Martin Krause
Nicole Donath

Halle/Westfalen. Bei dem jahrzehntelang von immer neuen Erfolgen verwöhnten Modekonzern Gerry Weber stehen schmerzhafte Einschnitte bevor: Konzernchef Ralf Weber hat die Schließung von mindestens 103 der mehr als 1.000 eigenen Geschäfte und Handelsflächen angekündigt – drei Viertel davon in Deutschland. Dadurch werden etwa 460 Mitarbeiter in den betroffenen Filialen ihren Arbeitsplatz verlieren. Der Vorstand will aber auch 200 Arbeitsplätze in der Zentrale in Halle sowie 50 Jobs in den Auslandgesellschaften streichen. Insgesamt baut Gerry Weber damit 710 seiner rund 7.000 Stellen ab, also mehr als jede zehnte. Ralf Weber und seine Vorstandskollegen David Frink (Finanzen) und Norbert Steinke (Filialgeschäft) hatten nach dem Gespräch mit der Presse auch noch eine Betriebsversammlung einberufen, um die Belegschaft zu informieren. Gemeinsam stellten sie ein „Programm zur Neuausrichtung" unter dem Namen „Fit4Growth" (also „fit für Wachstum") vor, und sie beschönigten die Lage nicht: „Eine Kurskorrektur ist dringend erforderlich", sagte Weber, der den Vorstandsvorsitz Ende 2014 vom Konzerngründer – seinem Vater Gerhard – übernommen hatte. „Mich persönlich beschäftigt und bewegt das sehr", so Weber. Wie die Vorstände erklärten, leidet das Unternehmen unter einem ganzen Bündel von Problemen. Da seien einerseits externe Probleme wie die ungünstige Witterung mit milden Wintern. Die ganze Modebranche leide außerdem unter einer Änderung des Einkaufsverhaltens: „Die Konsumenten geben immer weniger Geld für Kleidung aus", stellte Weber nüchtern fest. Doch das Unternehmen habe eben auch eigene Fehler gemacht. Das größte Problem: Das Netz der eigenen Filialen sei zu stark und schnell ausgebaut worden. In einigen Regionen sei die Gerry Weber AG mit ihren Marken nun übermäßig vertreten. Und in kleineren und mittleren Städten sei die Käuferfrequenz überraschend stark gesunken. Der Umbau, der den Konzern „zurück in die Erfolgsspur" bringen soll, besteht aus vier Bausteinen: Das Filialnetz wird verkleinert, Strukturen und Prozesse sollen effizienter werden, das Geschäft mit unabhängigen Einzelhändlern soll wieder gestärkt und die Marken modernisiert werden – zudem wird eine weitere ganz neue Marke eingeführt. Trotz aller Probleme war das Geschäftsjahr 2014/15 mit 52,2 (Vorjahr 71,4) Millionen Euro Überschuss erneut profitabel. Und auch im laufenden Jahr werde es keine Verluste geben, kündigte David Frink an. Sehen Sie in der interaktiven Timeline, wie sich das Unternehmen seit dem Start entwickelt hat. Um alle Informationen sehen zu können, benutzen Sie bitte die Pfeile unter der Zeitleiste oder ziehen Sie die Zeitleiste mit der Maus:

realisiert durch evolver group