Beklemmender Blick durch eine milchige Scheibe: Im Souterrain der Obdachlosenunterkunft Sandforth hatte der 74-Jährige sein Zimmer. - © Nicole Donath
Beklemmender Blick durch eine milchige Scheibe: Im Souterrain der Obdachlosenunterkunft Sandforth hatte der 74-Jährige sein Zimmer. | © Nicole Donath

Halle Totschlag in Halle: Opfer war Onkel von TV-Koch Frank Rosin

Freitag wurde die Leiche des Opfers (74) obduziert

Nicole Donath

Halle. Ganz ruhig ist es an diesem Morgen rund um das Übergangswohnheim. Die Sonne scheint, Vögel zwitschern. Nur das Rauschen der vorbeifahrenden Autos auf der nahen Umgehungsstraße durchbricht die Stille. Aus dem Wohnkomplex dringen keine Stimmen oder Geräusche. Nichts deutet darauf hin, dass hier jemand wohnt, geschweige denn, dass hier vor drei Wochen ein Mann so heftig verprügelt wurde, dass er Mittwoch an den Folgen starb. Platz wäre in dem Heim für 60 Menschen. Offiziell sind gerade 30 registriert. Tatsächlich fristen hier wohl nicht einmal mehr zehn ihr kümmerliches Dasein. Dabei sind es teils Flüchtlinge, teils Obdachlose, die in spartanisch eingerichteten Zimmern inmitten ihrer Habseligkeiten hausen: Bett, Tisch, Schrank und Stuhl auf wenigen Quadratmetern rutschfester Kacheln. Endstation Sehnsucht in der Einöde. Ein Spaziergänger kommt vorbei. Er kennt das Haus und ein paar der Menschen, die hier leben. Er weiß auch, wer der Mann war, der zweieinhalb Wochen nach dem Angriff seinen Verletzungen erlegen ist. „Fritz M. (Name der Redaktion geändert) hat hier seit etwa zehn Jahren gelebt. Wir haben uns gegrüßt, manchmal habe ich ihn auch mit nach Halle genommen." Der Senior sei im Haus derjenige gewesen, der immer nach dem Rechten geschaut hätte. Mitbewohner in Verdacht Was dazu geführt haben könnte, dass der 74-Jährige an jenem 20. Januar angegriffen wurde, ob vielleicht ein Streit voranging – das vermag der Spaziergänger nicht zu sagen. Schließlich gibt es zurzeit ja auch niemanden, dem die Tat nachzuweisen ist. Aber so viel: „Nachdem Fritz vor Weihnachten von einem jungen Mitbewohner zusammengeschlagen wurde, saß er im Rollstuhl." Damals soll ein Fahrrad der Auslöser des Streits gewesen sein. Der junge Mitbewohner soll sich das Rad des 74-Jährigen genommen haben, woraufhin dieser ihn zur Rede gestellt habe, bis es schließlich zu der tätlichen Auseinandersetzung kam. Auch bei der jüngsten Attacke, die am Ende zum Tod des Mannes führte, hatte die Polizei denselben jungen Mann in Verdacht. Obduktion soll weitere Ergebnisse liefern Aber der hat die zweite Tat von Anfang an abgestritten und bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass es der 21-jährige Haller war. Auch ihn kennt der Spaziergänger. Doch jetzt hat er ihn schon längere Zeit nicht mehr am Wohnheim gesehen. Am Freitag nun wurde die Leiche von Fritz M. obduziert. Aber Polizei und Staatsanwaltschaft Bielefeld werden sich voraussichtlich erst am Montag zu den Ergebnissen äußern. Immerhin so viel ist klar: Aus dem bisherigen Tatvorwurf der schweren Körperverletzung wird nun Totschlag oder sogar Mord. Wie eine Sprecherin der Anwaltskanzlei Bennecken aus Marl bestätigte, hat die Schwester des Opfers, Marlies Rosin und zugleich Mutter von TV-Starkoch Frank Rosin, Burkhard Bennecken in diesem Fall mit ihren Interessen beauftragt. Für eine Stellungnahme war er nicht erreichbar.

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