Mehr Platz: Storck will Süßes auf größerer Fläche herstellen. - © Nicole Donath
Mehr Platz: Storck will Süßes auf größerer Fläche herstellen. | © Nicole Donath

Halle Storck-Erweiterung: Pläne des süßen Riesen stoßen GNU sauer auf

Pläne 24 Hektar Bauernland, Grasland und "Gebiete zum Schutz des Wassers" nördlich der Marienfelder Straße bei Herzebrock als Gewerbe- und Industriegebiet GIB auszuweisen, sollen konkreter werden

Marc Uthmann

Halle. Dass Storck eine neuerliche Erweiterung seines Betriebsgeländes im Tatenhauser Wald plane – diesmal um etwa 11 Hektar – sei nicht das erste Mal, berichtet das Haller Kreisblatt am Vormittag. Und der Vorgang sei auch nicht nur typisch für Storck, heißt es in einer von Sprecherin Marion Ernsting für die GNU verfassten Stellungnahme. „Großflächige Erweiterungen und Neuansiedlungen sind an der Tagesordnung", stellt Ernst fest und verweist auf die Rodderheide bei Werther, Nobilia im Süden des Kreises, den Ravenna-Park in Halle, Arvato in Harsewinkel oder das Interkommunale Gewerbegebiet von Schloß Holte. Zudem würden Pläne konkreter, zusätzliche 24 Hektar Bauernland, Grasland und "Gebiete zum Schutz des Wassers" nördlich der Marienfelder Straße bei Herzebrock als Gewerbe- und Industriegebiet GIB auszuweisen. „Man beachte: Südlich der Marienfelder Straße gibt es bereits 90 Hektar GIB, groß genug, um den Bedarf von Gütersloh, Herzebrock-Clarholz und Harsewinkel über Jahre zu sichern", betont die GNU. Der nach dem Krieg entstandene Bau für Storck in Halle habe damals als gutes Beispiel für eine Industrieanlage im Grünen gestanden. 1975 wurde Storck für den Standort Halle sogar mit der Goldplakette "Industrie in der Landschaft" ausgezeichnet. Doch das Unternehmen wachse immer weiter und wolle die Erweiterungsflächen spätestens im Jahr 2020 allesamt mit Produktionshallen und Verwaltungsgebäuden besetzen. „Selbstverständlich ist ein alteingesessenes Familienunternehmen wie die August Storck KG, sind die Arbeitsplätze ein bestechendes Argument für die Zustimmung der Kommune zu den Erweiterungsplänen", schreibt die GNU. Ebenso selbstverständlich seien weltweit agierende Unternehmen ortsunabhängig. Beispiele dafür lieferten Siemens oder Homann in Dissen. „Wirtschaftlichkeit, Konkurrenz und die Situation auf dem Weltmarkt, bestimmen die Entscheidungen." Ebenso klar sei allerdings: „Eine Boden verschwendende Bauweise ist nicht zukunftstauglich." Zarte Anregungen von Bund und Ländern, Flächen zu sparen, hätten Kommunen und Unternehmen nicht umgestimmt, ebenso wenig der Hinweise auf die Nutzung von Altstandorten. „Die Bundesregierung wollte 2002 mit der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie den Flächenverbrauch bis 2020 auf 30 Hektar pro Tag begrenzen. Jetzt verbrauchen wir 66 Hektar pro Tag", kritisiert Marion Ernsting. Zudem habe die "Brachen-Umfrage"der GNU ergeben, dass die Kommunen im Kreis Gütersloh „mehrheitlich keine Kenntnisse über ihren Flächenhaushalt" hätten. Die Stadt Harsewinkel habe etwa geantwortet, „dass der freie Markt selbst Folgenutzungen für aufgegebene Gewerbestandorte findet". Für Marion Ernsting und die GNU mündet die Bestandsaufnahme in eine desillusionierte Schlussfolgerung: „Politik, Regierungen und Gesetzgeber können oder wollen den rasenden Flächenverbrauch nicht stoppen." Brauche es erst Volksinitiativen, die eine Denkpause von 20 Jahren bewirken, in der kein Bauland mehr gewidmet werden darf und Bauerwartungsgebiete aufzuheben sind? „Und das aus Gründen der Ernährungssouveränität und weil künftige Generationen noch Entwicklungsmöglichkeiten brauchen." Möglicherweise sei das eher Daseinsvorsorge als der Bau von Autobahnnetzen. Schon 1967 habe das Bundesverfassungsgericht betont, dass Boden unvermehrbar und unentbehrlich ist. Seine Nutzung könne nicht dem unübersehbaren Spiel der freien Kräfte und dem Belieben des Einzelnen überlassen werden. „Bis heute hat der Gesetzgeber die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes missverstanden", prangert die GNU an. Er habe den Verbrauch von Boden dem freien Spiel der Kräfte überlassen. „Insofern war die Antwort aus Harsewinkel genau zutreffend", folgert Marion Ernsting etwas zynisch. „Der freie Markt selbst findet Folgenutzungen ..."

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