GÜTERSLOH Nicht immer rechts herum

Kreis will den Kirmesponys helfen

Ponys zum Reiten für Kinder. Tierschützer üben Kritik daran. - © FOTO: TYLER LARKIN
Ponys zum Reiten für Kinder. Tierschützer üben Kritik daran. | © FOTO: TYLER LARKIN

Gütersloh. Auf vielen Jahrmärkten drehen sich nicht nur Karussells, sondern auch Ponys. Und das seit Jahrzehnten in immer dieselbe Richtung: rechts herum. Der Kreis Gütersloh hat den Betreibern des Kirmesreitens nun auferlegt, regelmäßig die Richtung zu wechseln - und sich prompt einen Rechtsstreit damit eingefangen.

Morgen kommt es zur Verhandlung. Das Verwaltungsgericht Minden muss dort die Frage klären, ob die Auflage des Kreises Gütersloh, alle 30 Minuten einen Handwechsel vorzunehmen, rechtens ist. Drei Betriebe hatten gegen diese Auflage geklagt. Ihre Begründung: Die Ponys bräuchten den Handwechsel nicht, er sei auch gar nicht möglich.

"Wir haben das probiert, unsere Pferde schaffen das nicht", sagte Edmund Kaiser, einer der drei Kläger. "Wenn sie die Richtung wechseln sollen, drehen sie auf der Stelle um oder schlimmer noch, sie brechen aus." Das sei gefährlich für Kinder und Kirmesbesucher. Andere Veterinärämter in Deutschland seien nicht so streng wie das Gütersloher. Die Herforder Schaustellerfamilie Kaiser betreibt mehrere Ponykarussells und ist in ganz Deutschland unterwegs. Laut Edmund Kaiser fechten auch seine Brüder Anton und Stefan Kaiser mit ihren jeweiligen Betrieben die Auflage an.

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Unterschiedliche Handhabung

Der Rechtsstreit zwischen Kreis Gütersloh und den Ponybetrieben zieht sich schon seit zwei Jahren hin. Nachdem die alte Genehmigung ausgelaufen war, hatte der Kreis im Juli 2008 eine neue erteilt – erstmals aber mit der Auflage eines Handwechsels. Betroffen sind jene Betriebe, die im Kreis Gütersloh gemeldet sind, weil sie hier ihr Winterlager aufschlagen. Auf der Pfingstkirmes oder auf Michaelis machen aber oft andere Betriebe Station; für sie wiederum sind andere Veterinärbehörden zuständig, womöglich auch solche, die diese Auflage bislang nicht gemacht haben. (ost)

Das Gütersloher Veterinäramt beruft sich auf die Zirkusleitlinie im Tierschutzgesetz. Darin sei der regelmäßige Handwechsel vorgeschrieben. Amtstierärztin Dr. Sabine Beckmann: "Die derzeitige Praxis, die Ponys stundenlang in dieselbe Richtung trotten zu lassen, ist als absolut verhaltenswidrig einzustufen. Die Tiere leiden physisch und psychisch."

Das ständige Kreisen in einer Richtung führe bei den Ponys zu Haltungsschäden. Gelenke und Muskulatur würden einseitig belastet. Hinzu komme, dass die Kinder oft nicht in der Lage seien, sich richtig auszubalancieren. Das Pony müsse diese Belastung auffangen, auch das trage zu Fehlbildungen bei. Das Argument, eine Richtungsänderung sei gefährlich, ziehe nicht. Beckmann: "Natürlich kann man den Ponys beibringen, auch mal anders herum zu gehen. Das muss man ja nicht unbedingt in der Praxis in einer Manege von sechs Metern Durchmesser üben, sondern im Winterlager oder auf der Koppel. Das macht aber Arbeit, und dazu sind die Betriebe offenbar nicht bereit."

Schausteller Edmund Kaiser sagte indes, das Veterinäramt beweise in diesem Fall wenig Sachkunde. "Wenn ein Pferd über mehrere Jahre in die eine Richtung geht, dann kriegen sie das nicht mehr umgepolt, egal wo." Er habe ein Pony, 38 Jahre alt. "Wenn der Kreis sich durchsetzt, kann ich damit nur noch zum Notschlachter gehen."

Verbunden mit der Handwechsel-Auflage ist die Vorgabe, die Manegenzeit des Ponys auf vier Stunden zu befristen. "Fünf bis sechs Stunden am Stück, das ist für ein Pony nicht zumutbar", sagte Beckmann. "Das ist ohnehin nicht der Fall", konterte Edmund Kaiser. Länger als vier Stunden sei kein Pony bei ihm im Einsatz. Er wechsle zwischendurch die Pferde und gönne ihnen Pausen.

Laut Verwaltungsrichterin Ruth Schürmann ist gleichwohl auch die Zeitvorgabe von den Betrieben angefochten worden.

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