Gütersloh Opfer mit Folgen

Gütersloher spendete seinem Bruder eine Niere und muss nun um seine Rechte kämpfen

Mario Ullrich (sitzend) mit Ehefrau Birgit Baum. - © FOTO: RAIMUND VORNBÄUMEN
Mario Ullrich (sitzend) mit Ehefrau Birgit Baum. | © FOTO: RAIMUND VORNBÄUMEN

Gütersloh. Seitdem Frank Walter Steinmeier seiner Frau eine Niere spendete, ist das Thema der Lebend-Organspende in die Öffentlichkeit gerückt. "Als Spender wird man komplett im Stich gelassen", meint dagegen Mario Ullrich. Der 50-jährige Gütersloher spendete seinem Bruder Frank vor zwei Jahren eine Niere – und kämpft seither mit den Folgen und seiner Krankenkasse.

Jahrelang war Frank Ullrich (49) aus Harsewinkel nach einer chronischen Nierenentzündung auf die Dialyse angewiesen. 2011 verschlechterte sich sein Zustand rapide und Mario Ullrich entschloss sich, seinem Bruder eine Niere zu spenden. "Ich habe mit einem Bekannten aus Harsewinkel gesprochen, der das hinter sich hatte, der war nach einem Vierteljahr wieder topfit. Und auch der Operateur in der Uniklinik Münster meinte, dass es mir nach sechs bis acht Wochen wieder gut geht", erzählt der große blonde Mann, der vor seine Operation wöchentlich drei bis vier Mal im Fitnessstudio trainierte.

Zahlreiche Untersuchungen wurden gemacht, Psychologen sprachen mit Mario Ullrich – dann folgte am 21. September 2011 die Organtransplantation. "Ich habe einen gesunden Mann in die Klinik gebracht und einen kranken zurückbekommen", sagt seine Ehefrau Birgit Baum. Denn obwohl die Operation gut verlaufen ist, die Werte in Ordnung waren, kam Mario Ullrich nicht wieder richtig auf die Beine. "Am 19. Dezember bin ich wieder angefangen zu arbeiten", erinnert sich der CNC-Fräser. "Eine Woche war alles gut, dann ging es rapide bergab", erzählt seine Frau. Mario Ullrich fühlte sich furchtbar erschöpft, hatte Gelenk- und Muskelschmerzen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen. Dennoch versuchte er, weiter zur Arbeit zu gehen. "Bei ihnen dauert die Genesung vielleicht einfach etwas länger", hieß es auf Nachfrage dann beim Universitätsklinikum in Münster. "Sie haben das seelisch nicht verkraftet", war die Reaktion eines behandelnden Nephrologen, eines Nierenspezialisten.

Mario Ullrich beantragte eine Kur, die jedoch mehrfach abgelehnt wurde. Es könne nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit festgestellt werden, "dass die Beschwerden ursächlich auf eine Nierenlebendspende zurückzuführen sei", heißt es in dem Gutachten des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung Westfalen-Lippe in Gütersloh. Der Organspender wandte sich an den Sozialverband Deutschland. Dessen Gütersloher Kreisgeschäftsführer Michael Schwaneberg erreichte mit seinem Widerspruch, dass die BKK Gildemeister Seidensticker, bei der sowohl Frank als auch Mario Ullrich versichert sind, im Mai dieses Jahres schrieb: "Es besteht ein Anspruch auf Kostenübernahme einer stationären medizinischen Rehabilitätionsmaßnahme".

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