Kreis Gütersloh Zweites Todesopfer nach Kanu-Unfall

55-Jähriger gestorben / Veranstalter befürchtet Ruin

Nach dem Kanuunfall an der Ems. - © FOTO:DPA
Nach dem Kanuunfall an der Ems. | © FOTO:DPA

Kreis Gütersloh. Der schreckliche Kanu-Unfall am Samstag auf der Ems hat ein zweites Todesopfer gefordert. Ein 55-jähriger Mann aus Melle ist gestern morgen in einer Osnabrücker Spezialklinik an den Folgen seiner lebensbedrohlichen Verletzungen gestorben.
Wie Polizeisprecherin Corinna Koptik mitteilte, ist der Zustand der dritten Insassin (48) des verunglückten Kanadiers inzwischen stabil.

Ihr Ehemann (49) war am späten Samstagabend, einige Stunden nach dem Unfall nahe der Kuhstraße in Harsewinkel, in einem Warendorfer Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. Wie berichtet, war ihr Boot an einem Wehr gekentert und von dem Strudel unter Wasser gedrückt worden. Die beiden Männer erlitten einen Herz-Kreislauf-Stillstand und mussten von Ersthelfern reanimiert werden.

Die Polizei ging gestern weiter von "einem tragischen Unglücksfall" aus. Die Ermittlungen dauerten an. Es würden weitere Zeugen befragt, sagte Koptik. Die Staatsanwaltschaft sei eingeschaltet, das sei aber nicht außergewöhnlich.

Die verunglückten Kanuten gehörten zu einer 14-köpfigen Gruppe aus Melle, die unter Leitung des Rietberger Veranstalters "Abenteuer Paddeln" einen Ausflug unternahm. Es bietet vom Startpunkt in Rheda-Wiedenbrück zwei Touren auf der Ems an: eine "Abenteuertour" zur Brocker Mühle, die laut Beschreibung nur für geübte Kanuten geeignet ist, und eine "leichte Familientour" bis zum Heerdamm in Harsewinkel. Auf dieser Strecke hatte sich das Unglück ereignet.

Das kleine Unternehmen, das im Frühjahr 2012 von Michael Mewes gegründet wurde, sieht sich in der Existenz bedroht. "Wir waren für Juli und August ausgebucht", sagte der 47-Jährige. Schon am Tag nach dem Unfall habe es ein Dutzend Stornierungen gegeben. Er rechne mit weiteren. "Das dürfte unseren Ruin bedeuten." Viele potenzielle Kunden würden sich aufgrund der Medienberichte wohl nirgendwo mehr in ein Kanu setzen.

Dabei habe sich der Veranstalter keinerlei Vorwürfe zu machen. Die Teilnehmer des Ausflugs seien wie sonst auch vorab ausführlich hinsichtlich des Streckenverlaufs, der Paddeltechnik und der Sicherheit instruiert worden, sagte Mewes. "Sie wussten, dass sie vor den beiden Wehren auf der Strecke unbedingt anlegen und ihre Boote über das Ufer um die Anlagen herum tragen sollten." Die Anlegestelle vor der Kuhstraße, eine großflächig von Gras und Sträuchern freigehaltene Treppe, "konnte man nicht übersehen".

Das Trio im Unglücksboot sei jedoch trotz der ausdrücklichen Warnungen "einfach abgehauen" und vorsätzlich auf das Wehr zugefahren. "Die dachten wohl, so schlimm könne es schon nicht werden", sagte Mewes. Selbst laute Rufe des Tourenführers in einem anderen Boote, sofort umzukehren, seien ignoriert worden, so Mewes. Ein solches Verhalten habe er bei seinen Kunden noch nie erlebt. Da sei man als Veranstalter machtlos. Mewes, verzweifelt und verärgert, bezog zugleich zu anderen Spekulationen : "Mit angeblichem Hochwasser oder anderen äußeren Umständen hatte dieser Unfall jedenfalls gar nichts zu tun."

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