Gütersloh Rückwärts für die Gerechtigkeit

Innenstadt-Demo: 30 Aktivisten des Bündnisses "Vorrang für soziale Gerechtigkeit"

VON ROLF BIRKHOLZ
Mit der ersten Gütersloher Rückwärts-Demonstration schloss sich das lokale Bündnis "Vorrang für soziale Gerechtigkeit" dem bundesweiten Aktionstag "Umfairteilen" an. - © FOTO: ROLF BIRKHOLZ
Mit der ersten Gütersloher Rückwärts-Demonstration schloss sich das lokale Bündnis "Vorrang für soziale Gerechtigkeit" dem bundesweiten Aktionstag "Umfairteilen" an. | © FOTO: ROLF BIRKHOLZ

Gütersloh. Es lässt sich auch rückwärts demonstrieren, um nach vorne zu kommen. Im Rahmen des vom Bündnis "Umfairteilen" in 80 Städten ausgerufenen Aktionstages zogen auch in Gütersloh Demonstranten mit der Hauptforderung "Reichtum besteuern" durch die Innenstadt, um "eine gerechtere Verteilung des Wohlstands" zu verlangen.

Neu: Die rund 30 Aktivisten des örtlichen Bündnisses "Vorrang für soziale Gerechtigkeit" marschierten erstmals rückwärts, um, wie es hieß, auf die "rückwärts gewandte Politik" in den vergangenen zwei Jahrzehnten hinzuweisen.

So zogen die Protestierer mit Transparenten ("Leiharbeit abschaffen", "Casino schließen") und politischen Songs aus Lautsprechern durch die Fußgängerzone Berliner Straße, ein Stück weit in die Königstraße, dann zum Kolbeplatz und zur Abschlussansprache vor die Martin-Luther-Kirche.

"Grüße von Suppenküchen der Jungferninseln"

Dort und während des Gehens machte Rainer Westphal von Attac mit den Anliegen der Demo bekannt. Die Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland habe sich immer weiter geöffnet. "Die Reichen wissen nichts Vernünftiges mit ihrem Geld anzufangen", sagte Westphal. Sie brächten es in Steuerparadiese, während im Land, auch in dieser Stadt, Mittel für Soziales und Bildung fehlten.

"Wir fordern deshalb die Wiedereinführung der Vermögenssteuer", so Westphal. Außerdem fordere man "eine einmalige, möglichst europaweit koordinierte Vermögensabgabe". Auch müssten Steuerbetrug und Steueroasen entschiedener bekämpft werden. "Suppenküchen der Jungferninseln grüßen alle Hartz-IV-ler in Gütersloh", stand auf einer Papptafel, an der ein Holzlöffel klebte.

Mitglieder der SDAJ wiederum skandierten: "Siemens, Daimler, Bertelsmann, der Hauptfeind steht im eigenen Land." Aus dem Zug hörte man fragen: "Sollen wir nicht mal in eine Bank reingehen?" Immerhin vor dem Banklokal "Bankery" wurde ein Stopp eingelegt. Ludger Klein-Ridder, Bundestagskandidat der Linken, geißelte die Branche für ihren Beitrag zur Schuldenkrise und wollte eine "demokratische Kontrolle der Banken".

An anderen Stellen, ohne konkreten Bezug, schilderte etwa Fritz Ludwig (Linke) die Hartz-IV-Welt und hielt den Parlamentariern vor: "Sie wissen kaum, wie es Arbeitslosen und Armen zumute ist." Stefan Marx vom DGB setzte sich für eine Rente ein, die ein "Leben in Würde im Alter" erlaube. Und Hermann Lichtsinn, Betriebsratsvorsitzender des Klinikums, sprach über "Zwei-Klassen-Medizin".

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