Gütersloh Salafisten-Prediger schießt Eigentor

Stadt verbietet Fußballturnier des Islamischen Zentrums nach Hinweis vom Staatsschutz

VON ANJA HUSTERT
Imam Abdul Adhim darf nicht in Gütersloh predigen. - © FOTO: PRIVAT
Imam Abdul Adhim darf nicht in Gütersloh predigen. | © FOTO: PRIVAT

Gütersloh. Ein halbes Jahr ist es her, dass das Islamische Zentrum Gütersloh (IZG) von Bundersinnenminister Hans Peter Friedrich für seine Projektarbeit in Sachen Fußball und Deeskalationstraining ausgezeichnet wurde. Jetzt hat die Stadt Gütersloh die Genehmigung für ein Fußballturnier des IZG am Samstag zurückgenommen. Grund ist die geplante Rede eines bekannten salafistischen Predigers.

"Das Islamische Zentrum hat die Nutzung der Sporthalle Ost für ein Fußballturnier beantragt. Diese Nutzung haben wir auch genehmigt", so Joachim Martensmeier, Bildungsdezernent der Stadt. Am Montag sei bekannt geworden, dass darüber hinaus ein Büchertisch mit islamischer Literatur, ein Kalligrafie-Stand und um 16 Uhr der Vortrag eines Imams geplant sei. Abdel Hadime Kamouss predigt seit 2005 an der Al-Nur-Moschee in Berlin-Neukölln und wird der extrem konservativen salafistischen Richtung des Islam zugeordnet. "Wir haben uns über diesen Imam näher informiert", so Martensmeier. "Der Staatsschutz hat uns dringend dazu geraten, die Veranstaltung nicht zu genehmigen", so Martensmeier. Städtische Gebäude dürften nicht für politische und weltanschaulich geprägte Veranstaltungen genutzt werden.

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Imam Abdul Adhim

Abdel Hadime Kamouss, von seinen Anhängern Abdul Adhim genannt, ist einer der bekanntesten salafistischen Prediger in Deutschland. Laut Bundeszentrale für Politische Bildung vertritt er ein sehr rigides Islamverständnis. Seine Predigten und Vorträge hält Kamouss in deutscher Sprache. Daher stößt der Prediger gerade unter Jugendlichen und jungen Heranwachsenden auf besonderes Interesse. Kamouss selbst wurde in Marokko geboren, studierte an der Technischen Universität Berlin und predigt seit 2005 in der Al-Nur-Moschee in Berlin-Neukölln.

Wie Martin Schultz, Sprecher der Polizei in Bielefeld, erläutert, gelte Kamouss beim Staatsschutz als "Hardliner". "Der bereist die ganze Republik und hält seine Reden", so Schultz. Es sei unglücklich, wenn er das auch noch in Räumen der Stadt Gütersloh täte.

Und so wurde dem Islamischen Zentrum die Genehmigung mit der Begründung, es handele sich nicht um eine sportliche, sondern um eine religiöse Veranstaltung, entzogen.

Das Fußballturnier wird abgesagt. "Die Stadt hat sich ganz korrekt verhalten", so Julya Ibrahim, Frauenbeauftragte des IZG. Herr Kamouss sei lediglich als Gast eingeladen worden.

"Als Gast-Redner", betont hingegen Kamouss, der auf Facebook mit seinem Vortrag wirbt und der die Absage dort auch publik macht mit dem Aufruf "verbreitet diese Stellungnahme so, bis es nicht mehr geht". Er schreibt: "Salafisten" werden gemeinhin als Integrations-, Dialog- und Demokratiefeinde und durch ihren Hass gegen Andersgläubige charakterisiert. Imam Abdel Hadime Kamouss ist Mitwirkender an zahlreichen Projekten für den Dialog zwischen den Religionen (z.B. Rat der Religionen, Berliner Dialogrunde, Fußballspiel Pfarrer gegen Imame), (...), lebt und lehrt einen offenen Islam" . Der Prediger verweist auf ein Schreiben des ehemaligen Berliner Innensenators Ehrhart Körting, der ihm für sein Engagement in Anti-Gewalt-Projekten dankt.

"Das Schreiben ist vom November 2011. Und Körting auch nicht mehr im Amt", relativiert Martensmeier. Er bedauert den Vorfall sehr, "zumal wir immer eine gute Zusammenarbeit mit dem islamischen Zentrum haben". Am Dienstag sei mit dem Verein gesprochen worden.

Auch der Integrationsbeauftragte der Stadt, Eckhard Sander, ist enttäuscht. "Das Ganze lässt mich ein wenig ratlos zurück." Er hoffe, dass sich das Islamische Zentrum von der geplanten Rede distanziere. Das tat Julya Ibrahim gestern mit Blick auf den Facebook-Aufruf. "So, wie Herr Kamouss das darstellt, davon distanzieren wir uns. Da wird alles kaputt gemacht, was wir bisher gemacht haben."

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