Gütersloh Anmut im Autohaus

Drittes "Porta-Winter-Wunder-Varieté" feiert überzeugende Premiere

Die Bewegungen von Artistin Marie-Eve Dicaire kommen spielerisch leicht daher. Doch die Kanadierin ist eine echte Powerfrau. Mit großer Kraft stützt sie ihren Körper auf nur einer Hand ab. - © FOTOS: LENNART KRAUSE
Die Bewegungen von Artistin Marie-Eve Dicaire kommen spielerisch leicht daher. Doch die Kanadierin ist eine echte Powerfrau. Mit großer Kraft stützt sie ihren Körper auf nur einer Hand ab. | © FOTOS: LENNART KRAUSE

Gütersloh. Es gibt diese Momente, in denen der Atem flach wird und sich ein herzerwärmender Gedanke im Kopf breit macht: Die Welt ist schön. So ein Gefühl entsteht, wenn Marie-Eve Dicaire beim GOP-Varieté im Autohaus Markötter ihren Körper voller Anmut auf einer nur einer Hand in die Höhe reckt. Die Artistin besticht durch die Mischung aus Kraft und Eleganz. Und damit passt sie bestens zum Autohaus-Varieté. Denn auch dafür gilt: Die Mischung macht’s.

Im völligen Kontrast zur kanadischen Artistin Dicaire steht Jeff Hess. Der Amerikaner ist vieles, aber nicht anmutig und grazil. Beweglich wäre die wohl treffendste Beschreibung. Nicht aber im artistischen, sondern im clownesken Sinne. Als Mafiosi im Nadelstreifenanzug verkleidet lässt Hess seinen Gesichtszügen freien Lauf. Grimassen der verrückten Art treiben die Zuschauern zu Lachanfällen im Minutentakt. Nachdem der Clown die stimmungsvoll beleuchtete Bühne verlässt ist das Publikum ist nicht nur warm, es kocht.

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Dazu trägt auch Moderator Oli Materlik bei. Der Rheinländer weiß, was das Publikum braucht. Streicheleinheiten. Zumindest ironische. "Gütersloher waren mir schon immer als die Brasilianer Deutschlands bekannt", sagt Materlik. Ein gutes Stichwort. Denn die "Porta-Winter-Wunder Varieté" ist ein internationales Fest. Neben Hess und Dicaire begeisterte etwa auch das Duo "Midnight" aus der Ukraine auf der Bühne. Die artistische Show von Alona Burlachenko und Oleksandr Chytyakov ist eine Mischung aus "Dirty Dancing" und Akrobatik. Besonders den männlichen Zuschauern macht es die Ukrainerin fast unmöglich, den Blick auch nur kurz von der Bühne schweifen zu lassen.

Doch eigentlich gilt das für alle Künstler im Autohaus Markötter. Die Ungarin Adrienn Banhegyi etwa begeistert mit Tempo-Seilspringen und Sprungeinlagen, die weltweit ihres gleichen suchen. Kein Wunder, ist sie doch mehrfache Springseil-Weltmeisterin. Oder Monsieur Chapeau. Der freundliche mit Melone und Fliege kann scheinbar mühelos auf einem Turm aus wackligen Röhren balancieren. Ein Abgang mit Salto natürlich inklusive. Und natürlich Lea Hinz. Wenn sie ihren Körper durch einen in der Luft hängenden Reifen windet, beginnt man erst zu verstehen, was der menschliche Körper alles leisten könnte. Aber Zeit für melancholische Gedanken bietet die Varieté kaum. Denn da ist ja noch Jeff Hess. Sein zweiter Auftritt gehört wohl zu dem skurrilsten, was auf Gütersloher Bühnen zu sehen ist. Mit einem Publikumsgast spielt Hess, in Kniestrümpfen und wirklich geschmacklosen Klamotten, eine Partie Tischtennis. Und das ohne Ball, dafür in Zeitlupe. "Genial", sagt ein Zuschauer während er seine Finger vom minutenlangen Applaus an einem Bier kühlt.

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