Gütersloh Streit bei Drahtwerken eskaliert

Gewerkschaft klagt / Firma verlässt Tarifverband

Geschäftsführer Ernst Wolf. - © FOTO: RVO
Geschäftsführer Ernst Wolf. | © FOTO: RVO

Gütersloh. Der seit Jahren immer wieder aufflammende Streit zwischen der Geschäftsführung der Gustav Wolf Seil- und Drahtwerke sowie der Gewerkschaft IG Metall ist eskaliert. Nachdem kein Kompromiss in der Auseinandersetzung um den Haustarifvertrag erzielt werden konnte und die gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter sich für eine Musterklage entschieden hatten, konterte der Unternehmenschef auf drastische Art.

Dr.-Ing. Ernst Wolf erklärte vor wenigen Tagen den Austritt der Firma aus dem Tarifverband Metall. Zugleich legte er mit sofortiger Wirkung seinen Posten als Vorsitzender des heimischen Arbeitgeberverbandes, der Fachgruppe Metall im Unternehmerverband Gütersloh, nieder. Sein Unternehmen wird dort daher mit dem Zusatz "OT" geführt: ohne Tarifbindung.

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Bis zum Abschluss neuer Tarifverträge würden die bestehenden gleichwohl auch für die Firma Wolf weiter in Kraft bleiben, betonte Gewerkschaftssekretär Hans-Werner Heißmann-Gladow. "Das gilt ebenso für den vor zwei Jahren abgeschlossenen Sondertarifvertrag." Allerdings gebe es eine Minderheit gewerkschaftlich nicht organisierter Mitarbeiter, die davon automatisch ausgenommen sei.

Firmenchef Wolf ließ offen, mit welchen Konsequenzen die rund 240 Beschäftigten am Stammsitz infolge der weggefallenen Tarifbindung künftig zu rechnen haben. "Wir verfügen über alle Optionen, werden das Vorgehen aber intern klären", sagte der Geschäftsführer, dessen Unternehmen erst unlängst das 125-jährigen Bestehen gefeiert hat.

Bis Mitte des Jahres lag Wolf mit Gewerkschaft und Betriebsrat wegen des hausinternen Prämiensystems sowie der Einführung eines Akkordlohns im Clinch. Jetzt geht es dem Vernehmen nach um die Umsetzung der vereinbarten schrittweisen Rückkehr zur tariflichen 35-Stunden-Woche (von 39 Stunden) sowie um Gutschriften. Es sei leider nicht gelungen, den Streit schiedlich-friedlich zu lösen, sagte Gewerkschaftssekretär Heißmann-Gladow. Und da in derartigen Fragen eine Einigungsstelle nicht angerufen werden könne, bleibe nur eine Möglichkeit: die rechtliche Überprüfung. Die Musterklage sei vorige Woche beim Arbeitsgericht Bielefeld eingereicht worden.

Er sei in großer Sorge wegen des uneinsichtigen Kurses der IG Metall, meinte hingegen Geschäftsführer Wolf. Dies sei zum Schaden aller, auch der Arbeitnehmer. Die Gewerkschaft solle akzeptieren, dass es sich bei Wolf um ein mittelständisches Unternehmen und nicht einen globalen Konzern handle.

Gewerkschaftssekretär Heißmann-Gladow und Betriebsratsvorsitzender Roland Stiens sagten am Freitag, sie würden erneut das Gespräch mit der Geschäftsführung suchen. "Vielleicht können wir Herrn Dr. Wolf dazu bewegen, dass er sich den Austritt aus dem Tarifverband noch einmal überlegt."

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