Gunnar Bender ist Facebooks "Erklärbär"

Cheflobbyist aus Gütersloh will Sozialem Netzwerk das Image der Datenkrake nehmen

Bielefeld/Gütersloh. Er ist angetreten, um Facebook das Image der Datenkrake in Deutschland zu nehmen. Seit April arbeitet der aus Gütersloh stammende Gunnar Bender für das Soziale Netzwerk als Cheflobbyist. Wie der promovierte Jurist diese Mammutaufgabe angeht, verriet er Rouven Ridder und Stefan Gerold beim Onlinestammtisch OWL in der Bielefelder Schüco-Arena. Herr Bender, Ihr offizieller Titel lautet Director Public Policy. Was ist darunter zu verstehen? BENDER: Mein Job ist es, den Dialog mit Staat und Verwaltung zu suchen und zu pflegen. Wir haben in der Vergangenheit gesehen, dass viele Sachen rund um Facebook nicht selbsterklärend sind. Ich bin nicht unbedingt der Lobbyist, sondern der Erklärbär für soziale Medien. Meine Sache ist Vertrauen zu gewinnen. Wie wollen Sie das anstellen? BENDER: Das Stichwort, dass ich seit einem halben Jahr durch Deutschland trage heißt Medienproduktionskompetenz. Wenn sie auf Facebook unterwegs sind, sind sie Medienproduzent. Sie rezipieren nicht nur Inhalte, sondern sie produzieren auch Inhalte. Das zu vermitteln ist Teil meiner Aufgabe. Ich warne vor einem unbedachten Umgang mit der Plattform. Wir als Anbieter müssen die Leute aufklären, was passiert, wenn sie ins Netz gehen. Facebook ist der digitale Spiegel unserer Gesellschaft. Aber genauso wie sie Gefahren erleben, wenn sie auf die Straße gehen, genauso können sie Gefahren erleben, wenn sie unbedacht auf derartigen Plattformen aktiv sind. Mit großem Getöse hat sich die Bundesministerin für Verbraucherschutz von Facebook abgemeldet. Möchten Sie Ilse Aigner wiedergewinnen? BENDER: Absolut. Ich glaube Frau Aigner hätte mehr erreicht, wenn sie auf Facebook geblieben wäre. Auf ihrer Seite hätte sie Tipps und Tricks im Umgang mit Facebook geben können. Das wäre heute sicherlich die größte Facebook-Seite in Deutschland. Der Verbraucherschutzminister in Baden Württemberg macht genau das. Facebook steht immer wieder im Focus der Datenschützer. Wie begegnen Sie dem? BENDER: Wir haben 17 Landes-Datenschutzbeauftragte und einen Bundes-Datenschutzbeauftragten in Deutschland, die große Mehrzahl davon habe ich im Sommer besucht. Aber eigentlich ist keiner unmittelbar für Facebook zuständig. Denn Facebook wird außer für Kanada und den USA weltweit aus Irland angeboten, einem Land der europäischen Union und somit ist nach dem Bundes-Datenschutzgesetz der dortige Datenschützer für uns zuständig. Er hat uns ein Jahr geprüft und das Ergebnis ist, dass wir beispielsweise das Thema Gesichtserkennung vorerst beiseite gestellt haben. Aber ich suche natürlich den Dialog mit den deutschen Datenschützern und ihr Feedback fließt in die Entwicklung von Facebook mit ein. Wie wichtig ist Facebook der Datenschutz? BENDER: Sehr wichtig. Darauf basiert unser Geschäftsmodell. Die Daten, die uns die Nutzer geben, werden verarbeitet, aber auf keinen Fall weitergegeben. Wir führen Zielgruppen und Menschen, die Marketing auf der Plattform machen möchten, zusammen. Heißt zum Beispiel, wenn Sie angeklickt haben, Arminia Bielefeld gefällt mir, dann macht es wenig Sinn, dass Sie Werbung von Preußen Münster bekommen. Es geht darum, relevante Werbung an die einzelne Zielgruppe zu richten. Wir haben dafür nur ein einziges Handlungsmotiv und das ist ein positives Nutzererlebnis. Das gilt genau so für den kleinen Bäcker an der Ecke wie für das große Markenunternehmen. Wir haben dafür jüngst ein Förderprogramm für Mittelständler aufgesetzt, damit sie unverbindlich und ohne Kosten Marketing auf Facebook testen können. Die Resonanz, das kann ich Ihnen heute exklusiv berichten, war hervorragend – es haben sich in wenigen Tagen in Deutschland über 1.000 Unternehmen registriert. Hat Facebook ein besonderes Interesse an Ostwestfalen-Lippe? Hier gibt es schließlich viele Mittelständler. BENDER: Mein Lieblingsbeispiel handelt von einem Gütersloher Unternehmen. Ich hatte mal nachgesehen, wer am Wirtschaftsstandort Gütersloh Twitterer Nummer Eins ist. Und das war Jan Westerbarkey, einer der Geschäftsführer von Westaflex. Dort werden unter anderem Abluftrohre hergestellt und weltweit verschickt. Sie sind also nicht unbedingt so bekannt, weil es dafür keinen Endkundenmarkt gibt. Er schafft es aber über Twitter und seiner Facebook-Seite mit über 25.000 Fans einen globalen Markt zu adressieren. Wenn das Westaflex kann, dann bin ich überzeugt, dass das andere mittelständische Unternehmen auch können. Aus Massenmedien werden Medienmassen. Jeder einzelne, jedes mittelständische Unternehmen muss auf einmal denken wie ein Medienunternehmen. Facebook hat bereits über eine Milliarde Nutzer weltweit. Ist ein Ende der Fahnenstange in Sicht? BENDER: Eine Milliarde bedeuten Ansporn und Demut zugleich. Es ist eine Verantwortung, wenn so viele Menschen auf der Plattform unterwegs sind und wir müssen sie immer weiter optimieren und mit Innovationen begeistern.

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