Polizeioberkommissar Oliver Diehr schreibt die Personalien eines Radfahrers auf, den er an der Kreuzung Berliner Straße / Dalkestraße/Kirchstraße angehalten hat. - © FOTO: RAIMUND VORNBÄUMEN
Polizeioberkommissar Oliver Diehr schreibt die Personalien eines Radfahrers auf, den er an der Kreuzung Berliner Straße / Dalkestraße/Kirchstraße angehalten hat. | © FOTO: RAIMUND VORNBÄUMEN

GÜTERSLOH Lerneffekt mit Zähneknirschen

Polizei kontrolliert bei der "Aktion Speiche" Radfahrer im gesamten Kreisgebiet

Gütersloh. Die Fahrt von Raimondos Nausedas nimmt wenige Meter vor der Gütersloher Stadtbibliothek ein jähes Ende. Mit einem entschiedenen Schritt stellt sich Polizeihauptkommissar Klaus Neumann dem radelnden Spexarder in den Weg und zwingt ihn zum Anhalten. "Sie wissen, dass Sie auf einem Fußweg fahren?", fragt der Beamte mit freundlichem, aber durchaus strengem Ton.

So wie dem 17-jährigen Nausedas erging es gestern zahlreichen Radfahrern, die im Kreis Gütersloh unterwegs waren - und es bewusst oder unbewusst mit den Verkehrsregeln nicht so genau nahmen. Insgesamt 70 Beamte nahmen beim Schwerpunkteinsatz "Aktion Speiche" an 35 Stellen Zweiradfahrer und ihre Gefährte unter die Lupe.

"Wir haben im Kreis eine vergleichsweise hohe Zahl an verletzten Fahrradfahrern und Fahrraddiebstählen", sagt Landrat Sven-Georg Adenauer, der sich mit Polizeichef Karsten Fehring und Polizeidirektor Jörg Waßmuth vor der Stadtbibliothek selbst einen Eindruck von den Kontrollen machte. Rund ein Drittel der bei Unfällen verletzten Verkehrsteilnehmer war auf einem Fahrrad unterwegs. Und wiederum ein Drittel aller registrierten Diebstähle dreht sich rund um das Zweirad. "Diese Zahlen wollen wir nicht hinnehmen", sagt Adenauer.

Dabei sind diese in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen, was sowohl Adenauer als auch Waßmuth und Fehring als Erfolg der seit fünf Jahren laufenden "Aktion Speiche" verbuchen. "2007 hatten wir im Kreisgebiet noch 3.700 Fahrraddiebstähle", sagt Waßmuth. "2011 waren es nur noch 2.300." Bei den Verletzten verzeichneten die Beamten einen Rückgang von 610 auf 480. "Trotzdem ist das noch viel zu viel", so Waßmuth.

Mit dem Schwerpunkteinsatz wollen die Beamten dafür sorgen, dass sich der Trend weiter fortsetzt. Das Ziel sei es, Fehlverhalten von Radfahrern sowie gegenüber Radfahrern festzustellen - und auch umgehend zu ahnden. Wenig überraschend, dass dies bei den angehaltenen Verkehrsteilnehmern nicht immer auf Gegenliebe stieß. Der 18-jährige Ayoub ärgerte sich lautstark. "Das ist unterste Kanone", schimpfte der verwarnte Radfahrer. "Aber was soll’s, aus Fehlern lernt man." Und Fehler gab es reichlich: Schon nach viereinhalb Stunden hatte die Polizei 150 Radfahrer überprüft, dabei wurden 110 Verwarngelder erhoben. Bei 18 Radlern blieb es bei einer Ermahnung.

Neben dem Fahrverhalten hatten die Polizisten auch die Verkehrssicherheit der Räder im Auge. Zudem überprüften die Beamten die Rahmennummern mit ihrer Kartei, in der allein im Kreisgebiet 112.000 Zweiräder registriert sind. Es stand unmittelbar nach dem Abschluss der "Aktion Speiche" nicht fest, ob dadurch Fahrraddiebe überführt wurden. Dafür freute sich die Polizei über einen unerwarteten Fahndungserfolg, als ein per Haftbefehl gesuchter Mann in eine Kontrolle geriet.

"Wir werden noch weitere Aktionen durchführen", sagt Waßmuth. Wann und in welchem Rahmen stehe noch nicht fest. "Das machen wir vom Erfolg des heutigen Tages abhängig." Entscheidender Faktor ist dabei nicht die Zahl der Radfahrer, die angehalten wurden. "Es geht uns auch nicht um das Verwarngeld", betont der Polizeidirektor. "Das ist nicht die Botschaft." Wichtiger sei eher, wie die Gespräche der eingesetzten Polizisten mit den Verkehrssündern verlaufen sind und dass die Radfahrer ihre Fehler erkennen.

Bei Raimondos Nausedas hat die Kontrolle ihren Zweck jedenfalls nicht verfehlt. Der junge Mann berappte die 5 Euro Verwarngeld zwar zähneknirschend, fand die Aktion an sich aber in Ordnung. "Ich werde in Zukunft jedenfalls genau drauf achten, wo ein Radweg ist."

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