Die Halter des rotgetiegerten Katers "Herbie" suchen im Gütersloher Osten mit Plakaten nach ihrem verschwundenen Liebling. Der weiße Kastenwagen im Hintergrund fährt nur zufällig vorbei – könnte jedoch bei Tierfreunden schon für Argwohn sorgen. - © FOTO: VORNBÄUMEN
Die Halter des rotgetiegerten Katers "Herbie" suchen im Gütersloher Osten mit Plakaten nach ihrem verschwundenen Liebling. Der weiße Kastenwagen im Hintergrund fährt nur zufällig vorbei – könnte jedoch bei Tierfreunden schon für Argwohn sorgen. | © FOTO: VORNBÄUMEN

GÜTERSLOH Herbie, spurlos verschwunden

Ein Gerücht, das verfängt: Tierfreunde warnen vor Katzenfängern

Gütersloh. Was könnte noch schlimmer sein, als dass die Hauskatze entlaufen ist? Ein tödlicher Unfall oder ein vergifteter Köder sind schon fürchterliche Vorstellungen. Noch mehr Angst verbreitet bei Katzenfreunden jedoch der Gedanke, dass der Liebling von von Tierfängern geschnappt worden sein könnte. Vor genau diesen wird jetzt im Gütersloher Osten mit Plakaten gewarnt.

"Achtung!" steht in großen Buchstaben auf den Zetteln, die Tierfreunde an Laternenmasten unter anderem an der Hermann-Simon-Straße geklebt haben. "Katzenfänger sind unterwegs!" Die anonymen Autoren weisen darauf hin, dass in den vergangenen Wochen mehrere Katzen aus der Umgebung verschwunden seien. Wie als eine Bestätigung für die Warnung hängt nur wenige Meter daneben ein Suchplakat, auf dem der rot-getigerte Kater "Herbie" als vermisst gemeldet wird. Die Gütersloher Polizei hat nichts von etwaigen Tierfängern gehört. "Bei uns ist nichts in dieser Richtung angezeigt worden", sagt Andreas Katczynski von der Einsatzleitstelle.

Doro Hücker, seit kurzem Leiterin des Katzenhauses im Gütersloher Tierheim, hat von verschwundenen Katzen aus der Umgebung der Plakate hingegen sehr wohl gehört – auch davon, dass Tierfänger unterwegs seien. "So etwas wird regelmäßig bei uns gemeldet, vor allem in den Wintermonaten."

Für Petra Kulik, zweite Vorsitzende des Tierschutzvereines Gütersloh, ist die Furcht der Katzenhalter vor Tierfängern nichts Neues. Vor zehn Jahren war auch ihre Katze verschwunden. Und auch sie hatte damals den Verdacht, dass Unbekannte ihre Finger im Spiel hatten. "Dadurch bin ich erst zum Tierschutzverein gekommen. Weil ich mir gesagt hatte, dass man da etwas gegen tun müsste."

Inzwischen sieht sie die Warnungen vor den vorzugsweise in weißen Kastenwagen umherfahrenden Männern differenzierter. "Es hat mit Sicherheit Fälle gegeben, in denen Katzen und Hunde systematisch gefangen wurden", so Kulik. "In welchem Umfang das geschehen ist, kann man jedoch nicht sagen."

Denn das größte Problem der Tierfreunde sei, dass bislang so gut wie keine Täter ertappt wurden. "Es sind meist immer Vermutungen und Gerüchte", sagt Kulik. Und die schießen zuweilen mächtig ins Kraut. So wurde zuletzt von Tierfreunden angenommen, dass von Altkleidersammlern verteilte Waschkörbe als Tarnung dienten, damit sich die Täter frei in Wohngegenden bewegen könnten.

"Da wurde schon erzählt, dass die Farbe der Körbe den Komplizen Zeichen geben würden, in welchem Haus Tiere leben und in welchem nicht", sagt die Tierschützerin. "Das ist dann doch etwas arg unrealistisch."

So sehr Petra Kulik den Gerüchten um Katzenfängern misstraut, so sehr hat sie Verständnis für die Angst der Tierhalter. Und ausschließen will sie es nicht, dass es den ominösen weißen Kastenwagen doch gibt.

"Ich rate, dass man die Katzen nachts ins Haus holt und die Katzenklappen verschließt." Ansonsten bittet sie um Aufmerksamkeit und bei unbekannten Fahrzeugen zu einer gesunden Portion Misstrauen. Vielleicht wird dann doch aus dem hartnäckigen Gerücht ein handfester Kriminalfall.

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