Arne Grapp, Leiter des Hundehauses, hat Hündin Diana an der Leine. Der zweijährige Dobermann wiegt nur noch 17 Kilogramm, seine Haut wirft Falten. - © FOTO: RAIMUND VORNBÄUMEN
Arne Grapp, Leiter des Hundehauses, hat Hündin Diana an der Leine. Der zweijährige Dobermann wiegt nur noch 17 Kilogramm, seine Haut wirft Falten. | © FOTO: RAIMUND VORNBÄUMEN

GÜTERSLOH Nur noch Haut und Knochen

Tierheim Gütersloh rettet Hund vor dem Verhungern

Gütersloh. Die Rippen sind zu sehen, Wirbel stehen hervor, das Fell ist matt und teilweise ausgefallen. Dobermann-Hündin Diana ist in keinem guten Zustand. Nur noch 17 Kilogramm wiegt sie, 30 bis 32 Kilogramm Körpergewicht wären für einen Hund ihrer Größe normal. Zwei Wochen lang hat der ehemalige Besitzer dem Hund nichts zu fressen gegeben. Das Tierheim Gütersloh rettete Diana jetzt vor dem Verhungern.

"Noch zwei Tage mehr, dann wäre es das gewesen", kommentiert Arne Grapp, Leiter des Hundehauses, den Gesundheitszustand der Hündin. Schwanzwedelnd sitzt diese neben ihm. Trotz ihres Untergewichtes ist Diana aufgeweckt. "Vom Verhalten her ist sie einwandfrei. Sie versucht, es allen recht zu machen."

Der Fall macht Arne Grapp wütend: "Ganz selten habe ich erlebt, dass ein Hund nicht mehr gefüttert wurde und vom Gewicht so runter ist."

Aus Geldmangel hat Dianas ehemaliger Besitzer, ein Mann aus Lippstadt, die Hündin, nicht mehr versorgt. Er wollte sie im Tierheim Lippstadt abgeben. "Das hatte aber keinen Platz zur Verfügung", sagt Arne Grapp. Jetzt hat das Gütersloher Tierheim Diana aufgenommen und päppelt die Hündin langsam auf. "Im Moment verträgt sie kein normales Trockenfutter", sagt Grapp. Der Magen sei stark verkleinert und könne das gar nicht aufnehmen. "Der Magen-Darm-Trakt würde kollabieren." Und für Diana würde das den Tod bedeuten. Deshalb bekommt die Hündin alle zwei Stunden kleine Futtermengen zu fressen. Pansen, Blut und Schwarte sorgen dafür, dass Diana zu Kräften kommt. "Für den Energiebedarf gibt es Schweineschmalz." Außerdem wird der Hund regelmäßig bewegt, um die Verdauung anzuregen.

"Im Moment ist alles im Lot: Diana frisst und verdaut gut", sagt Grapp. Ob die Hündin aber langfristige organische Folgeschäden davon trage, sei noch nicht absehbar.

In acht bis neun Wochen soll die Hündin an ein neues Zuhause vermittelt werden. "Der Besitzer bekommt sie nicht zurück", sagt Grapp. "Er wird von uns eine Anzeige wegen des eklatanten Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz und Verletzung der Fürsorgepflicht bekommen." Die Chancen auf eine Verurteilung stehen schlecht, so Grapp. "Im Endeffekt kommt meistens nichts davon." Eventuell eine Geldstrafe. "Aber wenn der Besitzer schon das Geld für Futter nicht hatte, wird er die auch nicht zahlen können."

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