GÜTERSLOH Gewaltig auf dem Sprung

Drittes Gütersloher Parkour-Camp an der Janusz Korczak-Schule

VON LEONIE BARTSCH
Die jungen Traceure bewiesen, was der menschliche Körper leisten kann. - © FOTO: LEONIE BARTSCH
Die jungen Traceure bewiesen, was der menschliche Körper leisten kann. | © FOTO: LEONIE BARTSCH

Gütersloh. Mit katzengleicher Geschmeidigkeit meistern sie Sprünge aus schwindelerregender Höhe und über atemberaubende Distanz. Die Körperbeherrschung der Traceure ist dabei das Ergebnis regelmäßigen Trainings - zum Beispiel beim dritten Gütersloher Parkour-Camp am Wochenende. Mehr als 200 Parkour-Begeisterte aus ganz Deutschland nutzten das Angebot des Jugendtreffs Bauteil 5 und trainierten auf dem Gelände der Janusz-Korczak-Schule.


"Es ist die stetige Herausforderung, die an dem Sport reizt - das Spiel mit den eigenen Grenzen", erklärte Björn Otto vom Jugendtreff Bauteil 5. Innerhalb des Camps konnten sich die Jugendlichen unter der Aufsicht von Trainern und Gruppenleitern an vier Stationen ausprobieren. Mit Baugerüsten, ausgedienten Pkw, Paletten und klassischen Sportgeräten hatten die Veranstalter einen abwechslungsreichen Hindernis-Parcours aufgebaut. Auf diesem konnten nicht nur Profis ihr Können unter Beweis stellen. Auch 56 Anfänger bekamen in Workshops die Grundlagen der Trendsportart vermittelt. Nur durch intensives Aufwärmtraining und die richtige Technik können die Wucht der Sprünge abgefedert und Verletzungen vermieden werden. Dennoch geht es beim Parkour um weit mehr als körperliche Fitness.

"Die Gemeinschaft hat einen hohen Stellenwert", weiß Otto. Er erlebt die Sportart als Schmelztiegel, in dem Jugendliche unterschiedlichster Herkunft, Schulform und Wesensart ein echtes Miteinander bilden. Indem sie einander respektieren und voneinander lernen, entwickeln sie sich nicht nur als Traceure, sondern vor allem menschlich weiter. "Das ist in der Jugendarbeit etwas Besonderes!", betonte Otto.

Längst sind die Gütersloher Traceure daher zum städtischen Aushängeschild geworden. So wurde ihnen einer von sechs Kurzfilmen der bundesweiten Jugendamtskampagne "Unterstützung die ankommt" gewidmet. Unter mehr als 90 Projekten deutscher Jugendämter wurde das Parkour-Team ausgewählt. "Die weit verbreitete Meinung, Jugendliche von heute seien träge und hingen nur vor dem Computer, wird von euch widerlegt", lobte Bürgermeisterin Maria Unger die Sportler am Samstagabend bei der Vorpremiere des etwa sechsminütigen Clips in der Turnhalle der Janusz-Korczak-Schule.

Vor allem Eltern der jungen Traceure nutzten die Vorführung, um das Hobby ihrer Kinder kennenzulernen. Der Film zeigt die Jugendlichen nicht nur beim Training und bei waghalsigen Sprüngen, er gibt Einblicke in die Philosophie und Geschichte des Parkourtrainings: "Ich kann kreativ sein mit meinen Bewegungen", "Wir sind eine große Familie geworden" und "Ich kann viel damit ausgleichen", erläutern die jugendlichen Protagonisten in dem Film den Stellenwert, den Parkour in ihrem Leben einnimmt.


Schnellster Weg von A nach B

Die Trendsportart Parkour wurde durch den Franzosen David Belle geprägt. Als Soldatensohn übertrug er Techniken, die Elitesoldaten anwenden, um sich rasant durchs Gelände zu bewegen, auf den städtischen Lebensraum. Ziel ist es, Hindernisse möglichst effizient zu überwinden, um auf dem schnellsten Weg von A nach B zu kommen. Das Gütersloher Parkour-Team vom Bauteil 5 besteht seit 2008. Im Jahr 2009 luden die jungen Sportler zum ersten Mal Traceure aus dem gesamten Bundesgebiet zum jährlichen Parkour-Camp ein.

Copyright © Neue Westfälische 2017
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group