Jetzt ist Übung gefragt: Oberarzt Michael Stoffels vom Klinikum Gütersloh kontrolliert die Fortschritte, die Alexander Ebert dank der Reha-Maßnahmen macht. - © Klinikum Gütersloh
Jetzt ist Übung gefragt: Oberarzt Michael Stoffels vom Klinikum Gütersloh kontrolliert die Fortschritte, die Alexander Ebert dank der Reha-Maßnahmen macht. | © Klinikum Gütersloh

Gütersloh Nach Arbeitsunfall: Gütersloher Handchirurg rettet Patienten vier Finger

Bei einem Arbeitsunfall hatte sich Alexander Ebert vier Finger der rechten Hand abgetrennt

Gütersloh. Mehrere hundert Hand-Operationen nimmt das Klinikum Gütersloh jährlich vor - doch diese wird den Chirurgen der Klinik für Plastische, Ästhetische und Handchirurgie in Erinnerung bleiben: Bei einem Arbeitsunfall hatte sich Alexander Ebert vier Finger der rechten Hand abgetrennt. In einer dreizehnstündigen Not-OP konnte Oberarzt Michael Stoffels dem 41-Jährigen alle Finger replantieren - ein Eingriff, der in dieser Größenordnung selten ist. Hand durch Kreissäge gezogen Der Unfall passierte bei der Arbeit in der Verpackungsabteilung eines Paderborner Baustoff-Herstellers: "Ich war dabei, mit einer Tischkreissäge eine Hartfaserplatte abzusägen, als ich nach links schaute, weil etwas meine Aufmerksamkeit erregte. Dabei habe ich meine Hand in die Kreissäge gezogen", schildert Alexander Ebert den Unfall. Drei Finger wurden abgetrennt, der kleine Finger hing nur noch an einem Hautlappen. "Mein Zeigefinger sah aus wie explodiert, überall war Blut. Es war der absolute Horror." Dennoch verspürte er keinen Schmerz: "Es hat sich eher angefühlt wie ein Schlag auf die Hand", so Ebert. Finger in wasserdichten Beutel gelegt Seine Kollegen reagierten vorbildlich: Sie verbanden die Hand mit einer sterilen Binde, die abgetrennten Finger legten sie in einen wasserdichten Beutel und kühlten sie. "Erst zwei Tage zuvor hatten wir im Betrieb eine Auffrischung in der Ersten Hilfe erhalten. Die Kollegen wussten also genau, was zu tun war." Dass dieses Verhalten genau richtig war, bestätigt Handchirurg Stoffels: "Es ist sehr wichtig, dass abgetrennte Körperteile kühl und trocken gelagert werden. Auf keinen Fall sollte man den Finger direkt in Eis oder in Wasser legen, da dies das Gewebe zerstört und eine erfolgreiche Operation unmöglich macht. Am besten legt man den in Kompressen eingewickelten Finger in eine Tüte, die man gut verschlossen in eine zweite Tüte mit Wasser und ein paar Eiswürfeln legt. Auf dem Rettungswagen gibt es in der Regel auch fertige doppelwandige Replantatbeutel." Im Rettungshubschrauber zur Klinik Die Klinik für Plastische, Ästhetische und Handchirurgie ist vom Landesverband der Berufsgenossenschaften zum "Schwerstverletzungsartenverfahren in der Handchirurgie" zugelassen und unterhält für handchirurgische Notfälle einen eigenen Bereitschaftsdienst. Da die Autobahn wegen eines verunglückten Schwertransports gesperrt war, forderte man für Ebert einen Rettungshubschrauber an. "Das war für mich zusätzlicher Stress - ich habe nämlich Flugangst", so Ebert. "Ein Anästhesist hat mich deshalb vor dem Abflug sediert. Ich bin erst viele Stunden nach der Operation wieder aufgewacht." Einschränkungen an der Hand In der Zwischenzeit hatten Stoffels und sein Team die vier Finger in einer aufwändigen Operation replantiert. Schritt für Schritt verdrahteten sie die Knochen und vernähten die Sehnen. Für die Rekonstruktion der Gefäße und Nerven wurden unter dem Operationsmikroskop Fäden verwendet, die dünner sind als Haare. "Ich dachte zunächst, dass wir den Kleinfinger nicht retten können, aber auch das hat funktioniert." Trotz der erfolgreichen OP wird Ebert mit Einschränkungen leben müssen: "Er wird die Hand nicht mehr ganz zur Faust schließen können, da die zerstörten Mittelgelenke nicht rekonstruierbar waren. Mit viel Ergotherapie und Krankengymnastik wird er seine Hand trotzdem im Alltag gut nutzen können." Der kleine Finger wird hingegen taub bleiben, dort war zu viel zerstört. Wechsel auf linke Hand Ebert hat inzwischen mehrere Reha-Maßnahmen abgeschlossen: "Beim Zuknöpfen von Jacken habe ich Schwierigkeiten. Außerdem kann ich kleine Dinge nicht in der Hand halten, größere sind dagegen kein Problem. Auch schreiben kann ich mit der rechten Hand. Ansonsten versuche ich mich langsam daran zu gewöhnen, die linke Hand als Führungshand zu nutzen." Während der gesamten Behandlungszeit standen ihm seine Familie und die Kollegen zur Seite: "Besonders gefreut hat mich, dass unser Seniorchef Dr. Klaus Hölscher zu Besuch ins Klinikum kam und mir einen Brief mit Genesungswünschen aller Mitarbeiter mitgebracht hat. Es hat mir Halt gegeben zu wissen, dass mein Arbeitgeber hinter mir steht."

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