Auf der Anklagebank: Sergej H. (60) soll im Mai seinen Ex-Schwager mit 24 Messerstichen auf offener Straße in Hagen-Haspe abgestochen haben. Jetzt muss er sich wegen Totschlags vor dem Hagener Schwurgericht verantworten. - © Alex Talash
Auf der Anklagebank: Sergej H. (60) soll im Mai seinen Ex-Schwager mit 24 Messerstichen auf offener Straße in Hagen-Haspe abgestochen haben. Jetzt muss er sich wegen Totschlags vor dem Hagener Schwurgericht verantworten. | © Alex Talash

Gütersloh/Hagen Eifersüchtiger Mann ersticht Schwager seiner Exfrau mit Küchenmesser

Dem Gütersloher wird nun Totschlag vorgeworfen

Helmut Ullrich

Gütersloh/Hagen. Es war angeblich eine Sache der Ehre - Sergej H. (Name von der Red. geändert) aus Gütersloh wollte mit aller Gewalt seine Ehefrau (49), die sich von ihm getrennt hatte, zurückgewinnen. Am 15. Mai eskalierte der Familienstreit auf offener Straße: Im westfälischen Hagen wurde der 53-jährige Schwager mit 24 Messerstichen attackiert. Ein Stich ging ins Herz und war tödlich. "Totschlag" lautet der jetzt der Vorwurf gegen den Serben. Im Schwurgericht Hagen sitzt ein weinerlicher Angeklagter und legt ein Tatgeständnis ab: "Ich habe sehr bereut, was ich gemacht habe. Mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und vor Gott." "Er hat zu Hause immer mit Messern gespielt" Dann zieht er die Ärmel seines anthrazitfarbenen Flauschpullis hoch, wendet sich an die gut 40 Verwandten, die nahezu den ganzen Zuschauerraum bevölkern: "Ich bin krank, war krank, psychisch krank, habe keine Kraft mehr." Der 60-Jährige schluchzt: "Mein herzliches Beileid für die ganze Familie." Ein Raunen geht durch den Saal. 28 Jahre war das Ehepaar, das jahrelang im Elmersweg wohnte, verheiratet. Fünf Kinder, das jüngste ist 17, sind aus der wenig harmonischen Beziehung hervorgegangen. 2012 zog die Frau die Konsequenzen und verließ ihren Mann, den sie als "gefährlich" einstuft: "Er hat zu Hause immer mit Messern gespielt, mich nicht in Ruhe gelassen, beschimpft und beleidigt." Auch nach der Trennung wurde sie den lästigen Ex-Gatten nicht los: "Es stand jeden Tag vor meiner Tür, war aggressiv, hat mich bedroht und Theater gemacht." Zumal er sich eifersüchtig einredete, dass sie längst eine Beziehung mit einem anderen Mann eingegangen sei, was sie gestern im Zeugenstand heftig bestritt: "Das ist eine Lüge." Am Tattag fährt der Angeklagte von Gütersloh im Mercedes nach Hagen, Stadtteil Haspe, zu einem Überraschungsbesuch beim Schwager, den er dazu bringen will, auf die Schwester einzuwirken: "Ich wollte, dass er uns wieder zusammenbringt." Das Vorhaben misslingt. Gegen 16.20 Uhr kommt es zum Streit auf offener Straße, behauptet wird vom Angeklagten ein körperlicher Angriff, dann wird das Küchenmesser gezückt und er sticht wieder und wieder zu. "Ich hatte einen Blackout, wusste nicht mehr, wo ich befinde", so die einzigen, mageren Worte zur eigentlichen Tat. Angeblich will der Mann auf der Anklagebank kurz zuvor einen halben Liter doppelt gebrannten (80-prozentigen) Slibowitz getrunken haben. Das passt so gar nicht zu den wenig später gemessenen 1,15 Promille. Nach der tödlichen Tat flüchtete der Angeklagte vom Tatort - und fuhr zurück nach Gütersloh. Dort steuerte er direkt die Hauptwache an der Herzebrocker Straße an. Zwei Polizeibeamte, die gerade die Polizeistation verließen, trauten ihren Ohren nicht, als ihnen der völlig blutverschmierte Mann entgegenkam und dabei "allahu akbar" ("Gott ist groß") ausrief: "Ich dachte zunächst an einen terroristischen Angriff", erklärte einer der Gütersloher Polizeibeamten gestern im Zeugenstand. Der Angeklagte wurde umgehend "auf den Boden gelegt und fixiert". Er wirkte verwirrt und erklärte, er hätte einen Bruder in Hagen getötet. Zunächst glaubten die Beamten noch, die behauptete Tat könne sich im Gütersloher Ortsteil Blankenhagen ereignet haben. Doch schon wenige Minuten später waren die Polizeibeamten im Bilde, dass sich zwei Stunden zuvor im westfälischen Hagen ein Tötungsdelikt ereignet hatte. Acht Prozesstage sind anberaumt. Das Urteil wird am 28. Dezember erwartet.

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