Stickoxide: Die Grünen haben mit Messdosen an der Blessenstätte und in Friedrichsdorf Daten dazu erhoben. - © Ludger Osterkamp
Stickoxide: Die Grünen haben mit Messdosen an der Blessenstätte und in Friedrichsdorf Daten dazu erhoben. | © Ludger Osterkamp

Gütersloh Mehr Stickoxid in der Gütersloher City als in Friedrichsdorf

Untersuchungen: Die Grünen haben die Aktion mit ihren Messdosen ausgewertet. Außerdem liegt ein wissenschaftliches Gutachten zur Luftqualität in Gütersloh vor. Beides gibt Anlass zu handeln

Rainer Holzkamp

Gütersloh. Noch gerade pünktlich zum Freitag endenden Weltklimagipfel werden aktuelle Ergebnisse zur Luftqualität in Gütersloh bekannt. Die lassen sich wie folgt mit drei Kernaussagen zusammenfassen: Erstens: Der zulässige EU-Grenzwert für Stickstoffdioxid (NO2) wird selbst an neuralgischen Punkten nicht überschritten. Das legen zumindest die mit Hilfe von recht einfachen Messdosen ermittelten Werte nahe. Zweitens: Insgesamt kann die Luftqualität in Gütersloh als "mäßig" eingestuft werden. Drittens: Die Anzahl und Häufigkeit bestimmter Pflanzenarten gelten laut einem Gutachten als Beleg für Wirkungen des aktuellen Klimawandels auf die Natur in Gütersloh. Was die Stickoxide angeht, ist die Messaktion der Gütersloher Grünen zu einigermaßen erstaunlichen Resultaten gekommen. Denn demnach betrug der zwischen dem 18. September und dem 8. Oktober gemessene Mittelwert an der Blessenstätte in der City 29,9 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Er lag damit noch höher als an der Brackweder Straße an der Friedrichsdorfer Hauptkreuzung, wo laut Aussage von Grünen-Fraktionsgeschäftsführerin Gitte Trostmann 24,2 Mikrogramm/cbm ermittelt wurden. Der Grenzwert beträgt 40 Mikrogramm. Trostmann räumte ein, dass es sich nicht um eine wissenschaftliche Untersuchung gehandelt habe. "Der Aufwand dafür hätte unsere Möglichkeiten überstiegen." Gleichwohl seien selbst die groben Werte ein klares Indiz dafür, dass die Belastung nicht gering sei und es keinen Anlass für eine Entwarnung gebe. Trostmann kündigte zugleich weitere Messungen mit Dosen zu anderen Jahreszeiten an, um ein genaueres Bild zu erhalten. Für die Grünen-Fraktionsvorsitzende Birgit Niemann-Hollatz sind die Messergebnisse Grund für Konsequenzen: "Wir müssen einerseits noch mehr für die Förderung des Radverkehrs und einen attraktiveren ÖPNV tun." Andererseits gelte es, im Fall Friedrichsdorf, die Verkehrsbelastung "irgendwie spürbar zu verringern". Das dürfe aber keineswegs als Ruf nach einer Umgehungsstraße verstanden werden, sagte Niemann-Hollatz im Gespräch mit der NW. Vielmehr solle bei der zuständigen Landesbehörde Straßen NRW erneut versucht werden, ein Lkw-Durchfahrtsverbot in Friedrichsdorf zu erreichen - trotz mehrerer vergeblicher Anläufe. In Isselhorst habe das auch geklappt. Moose sollte Rückschlüsse auf das Klima ermöglichen Was die generelle Luftqualität in Gütersloh angeht, liegt jetzt ein Gutachten des Sachverständigen Dr. Norbert Stapper (Monheim) vor. Der Wissenschaftler war bereits 2004 mit einer Untersuchung baumbewohnender Flechten und Moose beauftragt worden, um daraus Rückschlüsse auf das Stadtklima zu ziehen. Laut seinen Erkenntnissen hat sich die Gesamtbewertung seither kaum verändert. An zwei Stellen im Norden der Stadt sowie im Stadtparkumfeld sind Verbesserungen zu verzeichnen, an einer Stelle im Westen gibt es im Vergleich zur vorigen Untersuchung jedoch eine Verschlechterung. Zu den Handlungsempfehlungen des Experten zählen "Maßnahmen zur Reduktion der Wirkungen des motorisierten Verkehrs." Stapper wird sein Gutachten kommenden Montag, 20. November, im Ausschuss für Umwelt und Ordnung erläutern. Beginn der Sitzung im Ratssaal ist um 17 Uhr.

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