Beschilderung: Der Hinweis, dass die Parkfläche für Wohnmobile reserviert ist, befindet sich am Anfang und am Ende der 40 Meter langen Fläche. - © Andreas Fruecht
Beschilderung: Der Hinweis, dass die Parkfläche für Wohnmobile reserviert ist, befindet sich am Anfang und am Ende der 40 Meter langen Fläche. | © Andreas Fruecht

Gütersloh Autofahrer tappen in "Park-Falle" am Gütersloher Marktplatz

Beschilderung: Auf dem Marktplatz ist eine Parkfläche eigens für Wohnmobile vorgesehen. Das sei aber kaum zu erkennen, bemängelt die Partei "Die Linke" - und will sich dagegen zur Wehr setzen

Michael Schuh

Gütersloh. Um an einer Demonstration in Bonn teilzunehmen, charterte ein Gruppe Gütersloher unlängst einen Bus, der vom Marktplatz aus die ehemalige Bundeshauptstadt ansteuerte. Ihre eigenen Wagen ließen die Teilnehmer auf dem Marktplatz stehen, zogen eine Park-Tageskarte für einen Euro - und staunten nicht schlecht, als sie zurückkehrten. "An zehn Autos klemmte ein Knöllchen unter dem Scheibenwischer", berichtet Ludger Klein-Ridder, "denn sie alle hatten versehentlich auf einem Platz für Wohnmobile geparkt." Doch mit dem Strafmandat in Höhe von 10 Euro möchten es der Ratsherr der Linken und seine Fraktion nicht auf sich beruhen lassen. Tatsächlich existiert seit der Neugestaltung des Marktplatz-Geländes dort ein eigener Bereich für Reisefahrzeuge, in denen übernachtet werden kann. Diese Fläche ist etwa 40 Meter lang und wird von zwei Parkschildern eingerahmt, unter denen jeweils ein weiteres Schild prangt, auf denen ein Wohnmobil und der Hinweis "3 Tage" zu sehen ist. "Die Kennzeichnung dieser Parkfläche ist äußerst dürftig", findet Klein-Ridder, "da ist ein Falschparken ahnungsloser Autofahrer vorprogrammiert." Denn wer wie bisher meinte, er werfe für 24 Stunden einen Euro in den Automaten, lege den Parkschein hinter die Windschutzscheibe und habe seiner Pflicht damit genüge getan, liege daneben: "Wenn man nicht detektivisch nach den Fallstricken des Falschparkens Ausschau hält, dann ist man mit zusätzlich 10 Euro dabei." Freitagmittag, 14 Uhr, Marktplatz Gütersloh: Auf der Parkfläche für Wohnmobile steht zwar kein solches Gefährt, trotz des regnerischen Wetters aber ein Pkw-Quintett. Eigentlich könnten die Wagen ein paar Meter entfernt abgestellt werden, denn ausreichend freier Platz ist vorhanden - und so wäre zudem die Gefahr eines Strafmandats gebannt. Die Fahrer wissen gar nicht, dass sie sich strafbar machen Doch offenbar wissen die Autobesitzer gar nicht, dass sie sich einer Ordnungswidrigkeit schuldig machen. Davon ist zumindest Felix Kempa überzeugt, der ebenfalls zu den verwarnten Demo-Teilnehmern gehörte und sich nun vehement für mehr Park-Gerechtigkeit einsetzen will. "Die Schilder sind nur ganz schlecht zu sehen", sagt der Rietberger und verweist darauf, dass auf einer Länge von 40 Metern gerade einmal zwei der Metallhinweise stünden - einer zu Beginn und einer am Ende. Wer diese nicht bei der Einfahrt sofort sehe, dafür aber einen freien Platz - meist inmitten anderer Pkw - auf besagter Fläche entdecke, würde völlig ahnungslos in die Falle tappen. "Das ist eine Frechheit", findet der Rietberger, selbst 25 Jahre Fernfahrer: "Und in der Zeit habe ich nicht ein Knöllchen gekriegt." Abgesehen von der schlechten Sichtbarkeit hält Kempa die Beschilderung ohnehin für verbesserungswürdig: "Warum steht darauf nicht, dass dort ausschließlich Wohnmobile parken dürfen? Viele wissen das gar nicht - selbst wenn sie das Schild gesehen haben." Und deshalb möchte der 77-Jährige die Angelegenheit auch keinesfalls auf sich beruhen lassen. In der vergangenen Woche hat er sich bereits für ein paar Stunden auf den Marktplatz gestellt und Parkwillige auf "die Falle", wie er sagt, hingewiesen. Insgesamt 33 Autofahrer habe er so davon abhalten können, ihren Wagen auf der Wohnmobil-Fläche abzustellen. "Sie wussten es einfach nicht." Und ein Ende seines Engagements ist nicht in Sicht: "So lange sich an der Situation nichts ändert, komme ich bei gutem Wetter aus Rietberg mit dem Fahrrad nach Gütersloh und warne die Autofahrer." Für Politiker Ludger Klein-Ridder besteht ebenfalls weiterer Handlungsbedarf: "Da tut Aufklärung not. Wir werden die Sache auf jeden Fall im Rat ansprechen."

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