Im Herz der Orgel: Kreismusikdirektor Sigmund Bothmann inmitten des kostbaren Instruments. Hier kommt normalerweise kein Besucher hin, aber der Blick in die Martin-Luther-Kirche ist sensationell. - © Andreas Frücht
Im Herz der Orgel: Kreismusikdirektor Sigmund Bothmann inmitten des kostbaren Instruments. Hier kommt normalerweise kein Besucher hin, aber der Blick in die Martin-Luther-Kirche ist sensationell. | © Andreas Frücht

Gütersloh Steinmeyer-Orgel der Martin-Luther-Kirche werden saniert

Die Sanierung startet - ab 4. Dezember wird das Instrument in der Martin-Luther-Kirche abgebaut. Weihnachten heißt es für die Gemeinde aber trotzdem "O Du fröhliche"

Anja Hustert

Gütersloh. Gut Ding will Weile haben. Und so sind seit dem Kostenvoranschlag zur Sanierung der prächtigen Steinmeyer-Orgel in der Martin-Luther-Kirche bis zum Start der Arbeiten fast drei Jahre ins Land gegangen. "Wir haben uns für den Prozess Zeit gelassen", sagt Kirchenmusikdirektor Sigmund Bothmann. Doch jetzt - nach Abschluss der Feierlichkeiten zum Reformationsjubiläum - ist es soweit: Am 4. Dezember fahren Mitarbeiter des Unternehmens Freiburger Orgelbau Hartwig und Tilmann Späth mit einem Lkw vor der Martin-Luther-Kirche vor und beginnen mit dem Abbau des Instruments, das vor einem Jahr zum Denkmal erklärt wurde. Dann werden in der Orgelbauer-Werkstatt im Breisgau Orgelpfeifen gereinigt, Ledertaschen ersetzt, Riemen und Dichtungen erneuert, die Elektrik auf den neuesten Stand gebracht. 230.000 Euro wird es kosten, die "Königin der Instrumente" wieder aufzumöbeln. 100.000 Euro stammen aus einem Sonderprogramm des Bundes zur Sanierung bedeutsamer Orgeln. Alle zehn bis 15 Jahre ist laut Bothmann eine größere Reinigung und Sanierung der Orgel fällig. Dass seit der letzten Renovierung im Jahre 1998 fast 20 Jahre ins Land gegangen sind, ohne dass größere Schäden zu beklagen sind, spricht für die Qualität des Instruments. Und für Qualität war das Unternehmen G. F. Steinmeyer und Co. aus dem bayerischen Oettingen bekannt. Opus 1803 - so die Bezeichnung der größten Orgel im Kirchenkreis Gütersloh, die in zwei Bauabschnitten 1951/56 erbaut wurde- "Auf elektropneumatischen Taschenladen", wie es auf der Homepage des restaurierenden Unternehmens zu lesen steht. Erst in der vergangenen Woche war Sigmund Bothmann noch einmal im Freiburg, um sich das Unternehmen von Hartwig und Tilmann Späth anzusehen und die Vorgehensweise abzustimmen. Das Unternehmen kennt sich mit dem Bautyp aus, es hat auch die Steinmeyer-Orgel im Hamburger Michel saniert. "Der Ausbau unserer Orgel dauert drei Wochen", so Bothmann. Das heißt, das "O Du Fröhliche" wird in diesem Jahr ein wenig anders klingen. Ein Umstand, der Bothmann jedoch kein Kopfzerbrechen bereitet. "Kirchenmusik wird während der Bauzeit dennoch zu hören sein", sagt er. Das Orgelpositiv des Bachchors erklinge stattdessen, und auch die Truhenorgel des Städtischen Musikvereins. "Es ist für die Gemeinde bestimmt schön, wenn sie wieder eine Orgel hat, die komplett durchrenoviert ist", blickt Bothmann bereits ins nächste Jahr. Für den 1. November 2018 plant er ein Orgelkonzert auf der restaurierten Schätzchen. Er weiß sogar schon, was er dann spielen wird. "Das Konzert für Orgel, Streicher und Pauke in g-Moll, FP 93 des französischen Komponisten Francis Poulenc", verrät Bothmann. Drei Orgelfesttage werden sich anschließen.

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