Handelsgespräch: Sparkassenvorstand Kay Klingsieck (v. l.) begrüßte Reinhard Maas, den „gtogether"-Vorsitzenden David Dudek, Wendy Godt, Ingo Brinker, Rainer Schorcht, Moderatorin Angelika Dreismann und Marcel Knass zur Diskussion über die Zukunft des Einzelhandels in Gütersloh. - © Andreas Frücht
Handelsgespräch: Sparkassenvorstand Kay Klingsieck (v. l.) begrüßte Reinhard Maas, den „gtogether"-Vorsitzenden David Dudek, Wendy Godt, Ingo Brinker, Rainer Schorcht, Moderatorin Angelika Dreismann und Marcel Knass zur Diskussion über die Zukunft des Einzelhandels in Gütersloh. | © Andreas Frücht

Gütersloh Gütersloher Einzelhandel sieht sich trotz Online-Konkurrenz gut aufgestellt

Trotzdem fordert er mehr Zusammenarbeit zwischen Einzelhändlern, Immobilienbesitzern und Verwaltung

Rolf Birkholz

Gütersloh. Es braucht noch mehr Zusammenarbeit zwischen Einzelhändlern, Immobilienbesitzern und der Verwaltung, um Gütersloh als Einkaufsstadt anziehend zu halten, Einkaufen zum Erlebnis zu machen. Das war einhellige Meinung der Teilnehmer einer Gesprächsrunde, zu der das branchenübergreifende Netzwerk "gtogether" in die Sparkasse Gütersloh-Rietberg eingeladen hatte. Dessen Vorstand Kay Klingsieck sagte zur Begrüßung der gut 80 Zuhörer, dies sei ein "Thema, das alle Bürgerinnen und Bürger betrifft." Die zentralen Läden und Schaufenster seien "das Gesicht einer Stadt". Und der Gütersloher sei an sich "gut unterwegs", wies Fotohändler und stellvertretender Einzelhandelsverbandsvorsitzender Rainer Schorcht auf die Kaufkraft in einem der wirtschaftsstärksten Kreise des Landes hin. In diesem Jahr werde der Online-Handel in Deutschland zwar 20 Prozent des Umsatzes bei den relevanten Waren erreichen, was aber auch bedeute, dass 80 Prozent auf den stationären Handel entfielen. Dennoch unbedingt wachsam auf den wachsenden Internethandel zu schauen, riet Reinhard Maas, Geschäftsführer von Maas Naturwaren, in der recht lebhaften, von Angelika Dreismann moderierten zweistündigen Diskussion. "Ohne Internet-Angebot geht?s nicht", empfahl Schorcht, auf diesem Wege erreichbar zu sein. Man müsse den Kunden auch "via Internet in den Laden bringen", aber schon beim Angebot bedenken: "Was kann für meine Kunden das Richtige sein?" "Erlebnis gehört dazu, das wollen die Kunden auch" Gegenüber dem Online-Handel sei "die Expertise im Laden" der Vorteil, sagte Marcel Knass vom Sneakers-Spezialisten Metastore. Seine Geschäftsidee sei "aus Leidenschaft entstanden". Von Standorten an der Moltkestraße und an der Blessenstätte ist der Laden inzwischen in den ehemaligen Hüsken-Räumen an der Berliner Straße eingerichtet, schilderte er eine beispielhafte Gründergeschichte. Knass beklagte sich auch nicht über Filialisten. Man brauche einen "Ausgleich" zwischen individuellen Läden und Ketten. Die Leute wollten auch diese in vielen Städten anzutreffenden Geschäfte. Hauseigentümern gab Knass in dem Zusammenhang zu bedenken, ob die von früher gewohnten hohen Mieten nicht angepasst werden sollten. "Erlebnis gehört dazu, das wollen die Kunden auch", warb Wendy Godt ("freudepur") für mehr Aktionen und "Alleinstellungsmerkmale" rund ums Einkaufen. Sie erinnerte an Liegestühle auf dem Dreiecksplatz und Schirme über der Berliner Straße. Ingo Brinker vom gleichnamigen Isselhorster Autohaus öffnet einmal jährlich für "Isselhorst räumt auf" seinen Verkaufsraum, um sich auch so potenziellen Kunden zu öffnen. Die von Wendy Godt angesprochenen Alleinstellungsmerkmale und das Ziel, die "Verweildauer" in der Innenstadt zu erhöhen, unterstützte auch Stadtplanungschef Dr. Michael Zirbel. In Anbetracht sich radikal ändernden Konsumentenverhaltens der jüngeren Generation müsse "dringend etwas gemacht" werden. "In Gütersloh kann man schlecht parken? Das stimmt nicht!" Beim Thema Parken, das, wie es hieß, von etlichen Kunden negativ bewertet werde, winkte Zirbel ("dieses ewige Thema") indes ab. "Wenn mir jemand sagt, in Gütersloh kann man schlecht parken: Das stimmt nicht." Wo könne ein Auto, wie auf dem Marktplatz, schon für einen Euro den ganzen Tag stehen? Von dort seien es keine zehn Minuten zur City. Diese sah Zirbel als "das Wohnzimmer der Stadt", das Besuchern anziehend dargeboten werden solle. Im bald umgebauten Konrad-Adenauer-Platz sah er schon mal den "Spielplatz der Innenstadt". Und Marcel Knass regte fürs Selbstwertgefühl an, einfach mal ein bisschen vom Bertelsmann- und Miele-Glanz umzulenken: "Gütersloh ist Weltstadt."

realisiert durch evolver group