Keine Berührungsängste: Elmar Brok spricht in der Schul-Aula unter anderem mit Leonard Krause, Jan Böning, Niels Freitag und Dorian Schmitz (v.l.). - © Andreas Fruecht
Keine Berührungsängste: Elmar Brok spricht in der Schul-Aula unter anderem mit Leonard Krause, Jan Böning, Niels Freitag und Dorian Schmitz (v.l.). | © Andreas Fruecht

Gütersloh EU-Abgeordnete Elmar Brok diskutiert mit Schülern

Der Politiker muss sich dabei auch schwierigen Fragen stellen

Jeanette Salzmann

Gütersloh. "Seit sechs Jahren sind wir Europaschule. Seither jagt in Europa eine Krise die nächste", erklärte die Europakoordinatorin Annika Wehmeier vom Städtischen Gymnasium einleitend. Sie begrüßte den EU-Abgeordneten Elmar Brok in der voll besetzten Aula mit Schülern der Jahrgänge 10 und 11. Brok war der Einladung gefolgt, um mit den Heranwachsenden zu diskutieren und ihnen Europa sehr konkret erfahrbar zu machen, damit es weniger ab-strakt ist. "Krisen hat es immer gegeben. Das hat mit uns Menschen zu tun", erläuterte er ohne Umschweife und griff beispielhaft die aktuelle Situation in Katalanien auf. "Das ist so, als wollten Hessen, Baden-Württemberg und Bayern nicht mehr zur Bundesrepublik gehören, weil sie Mecklenburg-Vorpommern nicht mehr finanziell unterstützen mögen. Das ist das Gegenteil von solidarisch." Und um es noch plausibler zu machen, ließ der Bielefelder Politiker die Schülerinnen und Schüler auf ihre Elternhäuser blicken. "Die wirtschaftliche Sicherung ihres Zuhauses hat sehr konkret mit Europa zu tun." Warum? "Weil Europa 7,3 Prozent der Weltbevölkerung stellt und ein Viertel des gesamten Finanzkapitals besitzt. Wir haben mehr Außenhandel als die USA und China zusammen", erläuterte Brok, "das alles hat mit Arbeitsplätzen und den Firmen auch hier in Gütersloh zu tun." Wenig staatstragend dafür sehr nahbar erklärte der Europapolitiker die komplexen Zusammenhänge von Außenhandel, Terror, Migration und Klimawandel. Dass sein Auditorium in Sachen Europapolitik auf Augenhöhe diskutieren kann, erfuhr Elmar Brok beim anschließenden Austausch mit den Schülern. "Was halten Sie von einer europäischen Gesamtarmee?", lautete die Frage. "Finde ich gut", so Brok, "ist aber zur Stunde nicht machbar." "Was halten Sie vom Brexit? Brok: "Boris Johnson macht mir Sorgen. Der hat politisch einen an der Hacke!" "Wie erklären Sie die deutschen Rüstungsexporte in Kriegsgebiete?" Hier strich sich Brok zunächst über den Schnurrbart bevor er antwortete: "Krieg ist immer auch ein Scheitern von Politik. Aber manchmal muss man Kriegswütige stoppen." Besonnen erläuterte er seine Sicht auf Ethik und Verantwortung in dieser Thematik. "Was halten Sie von der Entkriminalisierung von Drogen?" Und auch hier bezog Brok deutlich Stellung: "Harte Drogen vernichten Menschen." Und kurz vor der Schulglocke erging sein Appell: " Machen Sie also keine persönlichen Tests!"

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