Der beliebte Treffpunkt an der Rhedaer Straße ist inzwischen in die Jahre gekommen. - © Andreas Frücht
Der beliebte Treffpunkt an der Rhedaer Straße ist inzwischen in die Jahre gekommen. | © Andreas Frücht

Gütersloh 5.000 Euro zum Kicken und Feiern: Jugendliche entscheiden über städtischen Fördertopf

Planspiel: Vier Stunden haben junge Gütersloher diskutiert, wie sie Geld aus einem Fördertopf für Jugendarbeit einsetzen wollen. Ihre Entscheidung soll in Kürze umgesetzt werden

Melanie Wigger

Gütersloh. Was würden Jugendliche in Gütersloh verändern, wenn sie die Mittel dazu hätten? Um Antworten auf diese Frage zu sammeln, hat die Stadt junge Menschen eingeladen. Und damit es nicht nur bei theoretischen Überlegungen bleibt, wurden für das vom Fachbereich Jugend und Bildung veranstaltete Planspiel 5.000 Euro zur Verfügung gestellt. Das Geld stammt aus dem städtischen Fördertopf für die offene Jugendarbeit. Mehr als 40 junge Gütersloher aus acht Jugendeinrichtungen nahmen diese Gelegenheit am vergangenen Wochenende wahr und verwandelten die Sporthalle des Carl-Miele-Berufskollegs in einen Plenarsaal. Am Ende stimmten die Kinder und Jugendlichen für die Renovierung des Mini-Kickerfeldes an der Rhedaer Straße und für die Organisation von Jugend-Partys. "Die Entscheidung ist super", sagt der 13-jährige Kazan, der in der Nähe der Rhedaer Straße wohnt und fast täglich auf dem Kickerplatz trainiert. Die Entscheidungsfindung haben sich die Teilnehmer nicht leicht gemacht: Über mehrere Stunden hinweg wurden kritische Punkte gesammelt: alltägliche Probleme, wie die mangelnden oder fehlenden Busverbindungen, die Verschmutzung öffentlicher Plätze, Obdachlosigkeit, das fehlen von Veranstaltungen für Jugendliche. Im Anschluss wurden diese gewichtet und Ideen entwickelt, wie diese Zustände verbessert werden könnten. Erst dann wurde überlegt, für welches Projekt die Mittel zur Verfügung gestellt werden sollen. Genau wie bei den Erwachsenen bei der Bundestagswahl, waren die letzten Abstimmungen geheim. Das "Planspiel 5000" ahmt politische Abläufe nach, um Demokratie erlebbar zu machen. Als nach vier Stunden Vorbereitung die Stichwahl zwischen dem Mini-Kickerfeld und den Jugend-Partys unentschieden ausfiel, teilten die Jugendlichen das Geld auf. Jugendliche können die Realisierbarkeit gut einschätzen Im Idealfall ist die aktive Mitarbeit der jungen Entscheider damit noch nicht beendet. Sie sollen bei der Umsetzung mit eingebunden werden, plant Gerhard Ebbing, städtischer Mitarbeiter im Fachbereich Jugend und Bildung: "Es bringt doch nichts, wenn Menschen um die 50 jetzt Partys für Jugendliche planen." Damit die "große Motivation" nicht verpufft, sollen zeitnah Treffen für die konkrete Organisation folgen. Auch die Auffrischung für das in die Jahre gekommene Minikickerfeld werde möglichst schnell umgesetzt, verspricht Ebbing. Schließlich handle es sich um einen beliebten Treffpunkt. "Wir werden mit den Jugendlichen vor Ort sprechen, was genau gemacht werden soll und was realistisch ist." Auch die Vorschläge, die bei die letzte Hürde beim Planspiel nicht geschafft haben - beispielsweise freies WLAN und bessere Ausstattung für die Jugendtreffs - möchte Ebbing nicht im Sande verlaufen lassen. Die Ideen werden von der städtischen Verwaltung noch weiter bearbeitet und diskutiert, verspricht der Jugendbeauftragte. Es sei wichtig die Vorschläge ernstzunehmen, bestätigt auch Anne-Dörthe Knaacke vom Bauteil 5. Denn umgekehrt hatten auch die Teilnehmer das Planspiel sehr ernst genommen und engagiert mitgearbeitet, zieht Kamil Lyschek vom Jugendtreff Black Star in Blankenhagen Bilanz. Das Planspiel wurde 2016 durchgeführt. Damals wurde jedoch kein konkretes Projekt umgesetzt. Stattdessen entschieden sich die Teilnehmer das Geld auf die Jugendeinrichtungen zu verteilen. "Das klingt vielleicht angesichts der Möglichkeiten etwas enttäuschend, aber auch das ist in Ordnung. Wir lassen das ganz allein die Jugendlichen entscheiden", sagt Ebbing. Ob Spende oder Bauprojekt: "Die Jugendlichen können das gut einschätzen, was realistische Ideen sind. Als Erwachsener traut man ihnen oft zu wenig zu."

realisiert durch evolver group