Soll gefördert werden: Im St. Elisabeth Hospital wird bereits seit Jahren Wert darauf gelegt, Frauen das Stillen ihrer Babys nahezubringen. - © dpa
Soll gefördert werden: Im St. Elisabeth Hospital wird bereits seit Jahren Wert darauf gelegt, Frauen das Stillen ihrer Babys nahezubringen. | © dpa

Gütersloh Gütersloher Experte: Warum Stillen für Kinder und Mütter gesund ist

Weltstillwoche: Im St. Elisabeth Hospital wird am Aktionstag, 5. Oktober, über die natürlichste Form der Kinderernährung informiert. Im Interview beantwortet Dr. Johannes Middelanis die wichtigsten Fragen

Jeanette Salzmann
Eike J. Horstmann

Gütersloh. Die Kinder, die als Babys von der ersten, unter anderem von UNICEF und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterstützten Weltstillwoche profitiert haben, sind jetzt 26 Jahre alt und womöglich schon selber Eltern kleiner Kinder. Seit 1991 ruft die "World Alliance for Breastfeeding Action" (WABA, dt. "Weltallianz für aktive Stillförderung") inzwischen in weltweit 120 Ländern jährlich dazu auf, mit Aktionen und Informationen für die natürlichste Form der Kindesernährung die Werbetrommel zu rühren. In Gütersloh nimmt das St.-Elisabeth-Hospital an der Aktionswoche teil. Und das aus Überzeugung. Denn die Geburtsklinik des Hospitals ist seit November 2015 mit dem Qualitätssiegel "Babyfreundliches Krankenhaus", einer Initiative der WHO und UNICEF, ausgezeichnet. Ein wichtiges Kriterium für die Auszeichnung: Die Mitarbeiter fördern aktiv die Bindung zwischen Mutter und Kind sowie das Stillen. Die Eltern werden vor, während und nach der Geburt beraten, betreut und informiert. Werdende oder junge Mütter und Väter sowie einfach nur an dem Thema Stillen und Mutter-Kind-Bindung Interessierte erhalten am Donnerstag, 5. Oktober, im St.-Elisabeth-Hospital anlässlich der Weltstillwoche weiterführende Informationen zum Thema. Von 14 bis 18 Uhr stehen Mitarbeiterinnen aus Kreißsaal und Wochenstation im Eingangsbereich des Krankenhauses an einem Stand bereit. Zudem besteht die Möglichkeit, Antworten auf individuelle Fragen zu erhalten. Ab 18 Uhr referieren erfahrene Stillberaterinnen über verschiedene Themen rund um das Stillen. Der Vortrag findet im Konferenzraum 4 im dritten Obergeschoss des benachbarten Elisabeth-Carrées, Stadtring Kattenstroth 128, statt. Die Aktionen sind kostenfrei, Anmeldungen nicht erforderlich. Erste Fragen zum Thema Stillen und Weltstillwoche beantwortet Chefarzt Dr. Johannes Middelanis in einem "Kurz gefragt" der NW: Herr Dr. Middelanis, ganze Generationen von Menschen sind mit Flasche und Ersatzmilch groß geworden. Hat das tatsächlich Auswirkungen auf das spätere Leben? DR. JOHANNES MIDDELANIS: Statistisch gesehen haben gestillte Kinder ein geringeres Risiko, im späteren Leben bestimmte Erkrankungen zu erleiden. Dazu gehören etwa Allergien, Diabetes oder aber auch Übergewicht. Außerdem entsteht durch das Stillen eine besonders intensive Bindung zur Mutter, so dass diese Kinder deutlich seltener unter Trennungsängsten leiden. Stillen ist gesund fürs Baby. Ist es aber auch gesund für die Mutter? MIDDELANIS: Die Mutter entwickelt durch das Stillen eine besonders enge Nähe zum Kind. Ferner beschleunigt das Stillen im Wochenbett die Rückbildung und die Mutter bekommt schneller wieder ihr altes Gewicht zurück. Außerdem ist das Stillen ein schützender Faktor für die Entwicklung von Brustkrebs. Junge Mütter wollen alles richtig machen. Wenn?s mit dem Stillen nicht klappt, kommt Verzweiflung auf. Was raten Sie diesen Frauen? MIDDELANIS: Zunächst einmal ist das Stillen ja ein natürlicher Vorgang. Man sollte Ruhe und Geduld bewahren und sich nicht zu sehr unter Druck setzen. Außerdem ist es sicher sinnvoll, sich professionelle Hilfe zu holen von einer Hebamme oder einer Stillberaterin. Wie kann ich mich als werdende Mutter vorbereiten: Ist ein Stillkurs ratsam? Oder reicht es etwa auch, mit Hebamme und Krankenschwester nach der Geburt das Stillen gemeinsam zu trainieren? MIDDELANIS: Natürlich ist es sinnvoll, sich im Vorfeld schon einmal über das Stillen zu informieren, vielleicht schon einmal das "Stillcafé" zu besuchen und von anderen Müttern Erfahrungen zu hören. Das Stillen ist ein natürlicher Vorgang, der von Hebamme und Krankenschwester in den ersten Wochen begleitet werden kann. Kein Kohl, keine Hülsenfrüchte, kein Kaffee und Alkohol sowieso nicht: Ist es wirklich notwendig, dass stillende Mütter sich monatelang bei allen Lebensmitteln einschränken? MIDDELANIS: Auf Alkohol sollte in der Tat beim Stillen verzichtet werden, auf das Rauchen natürlich sowieso, aber ansonsten gelten heutzutage eigentlich keine wesentlichen Ernährungseinschränkungen mehr. Frauen können alles essen und sollten allenfalls bei Dingen, die sie selbst nicht gut vertragen etwas vorsichtig sein. Selbst Kaffee ist in Maßen erlaubt. Wann ist der richtige Zeitpunkt, um ans Abstillen zu denken? Und welchen Tipp können Sie weiterreichen, damit es problemlos läuft? MIDDELANIS: Die WHO empfiehlt, sechs Monate ausschließlich zu stillen und danach mit Beikost bis zwei Jahre und darüber hinaus zu stillen. Das Abstillen funktioniert eigentlich durch das immer weniger werdende Anlegen und die Zunahme der Beikost.

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