Könnte ab kommendem Jahr teurer werden: Städtische Wohnungen in der Kolpingstraße. - © Andreas Frücht
Könnte ab kommendem Jahr teurer werden: Städtische Wohnungen in der Kolpingstraße. | © Andreas Frücht

Gütersloh Mieterhöhungen für städtische Wohnungen geplant

Es wäre nach 10 Jahren das erste Mal

Ludger Osterkamp

Gütersloh. Mieter von Häusern, die der Stadt gehören, müssen sich darauf gefasst machen, bald tiefer in die Tasche zu greifen. Der Grund: Die Stadtverwaltung strebt zum 1. Januar 2018 eine allgemeine Mieterhöhung an. Es wäre nach zehn Jahren das erste Mal. Betroffen von der Erhöhung wären allerdings lediglich die Mieter in den sogenannten frei finanzierten städtischen Wohnungen - aktuell sind das nach Angaben der Stadt 419. Wer in einer öffentlich geförderten Wohnung (Sozialwohnung mit Berechtigungsschein) lebt, muss sich dagegen keine Sorgen machen - dort bleibt der gesetzliche geregelte Höchstsatz bei 5,25 Euro pro Quadratmeter. Die Fraktionen im Fachausschuss des Stadtrates befassen sich am Donnerstag kommender Woche mit dem Thema. Das städtische Immobilienmanagement um Fachbereichsleiter Rainer Venhaus und Baudezernentin Nina Herrling führt eine Reihe von Gründen für eine Erhöhung an. Der wichtigste: Die Mieten seien in den vergangenen Jahren auf breiter Front gestiegen. Bei Häusern in durchschnittlicher Lage, die vor 1960 gebaut wurden (das trifft überwiegend auch auf die städtischen Mietwohnungen zu), zeige der Gütersloher Mietspiegel von 2009 bis 2016 einen Anstieg von 33 Prozent an. Lag die Durchschnittsmiete für diese Häuser 2009 noch bei 4,18 Euro pro Quadratmeter, so betrug sie im vergangenen Jahr 5,55 Euro. Mit der nun von der Verwaltung angepeilten Erhöhung läge die Stadt immer noch darunter. Die durchschnittliche Miete in ihren 419 frei finanzierten Wohnungen, so hat sie errechnet, stiege von 3,81 auf 4,42 Euro - also mehr als einen Euro unter dem allgemeinen Vergleichsniveau. Dass die geplante Mieterhöhung nicht deutlicher ausfällt, hat freilich auch mit der gesetzliche vorgegeben Kappungsgrenze zu tun. Sie erlaubt in Gütersloh eine Erhöhung von maximal 20 Prozent binnen von drei Jahren. Venhaus machte am Montag jedoch deutlich, dass die Stadt nicht vorhabe, diese Spannbreite auszuschöpfen. Aus der Sitzungsvorlage für den Fachausschuss geht allerdings hervor, dass die Verwaltung beabsichtigt, die Miete im Laufe der Zeit auf die Werte jener Tabelle anheben, die die Abteilung Soziales des Kreises Gütersloh als "Angemessene Richtwerte" für die Kosten der Unterkunft (KdU) erstellt hat. Dort steht in der Gütersloher Spalte für einen Einpersonenhaushalt eine Nettokaltmiete von 6,22 Euro angegeben, für einen Zweipersonenhaushalt von 5,23 Euro. Der Kreis erstellt regelmäßig eine solche KdU-Tabelle, um für die gesicherten Mietübernahmen durch das Jobcenter des Kreises oder der Grundsicherungsstellen der Städte eine Richtschnur zu haben. Etwa 80 Prozent der städtischen Mieter erhalten solche Transferleistungen. Der Beschluss, den die Fraktionen kommende Woche fassen sollen, sieht vor, dass sich die Stadt Gütersloh mit ihrer Miete künftig an diesem KdU-Wert orientiert. "Wir wollen uns peu à peu angleichen", sagte Venhaus. Innerhalb welchen Zeitraumes das geschehe, sei noch fraglich. Die Tatsache, dass die Stadt zehn Jahre nicht erhöht habe und für 2018 einen nur moderaten Anstieg vorschlage, sei jedoch als deutlicher Hinweis darauf zu werten, dass man behutsam vorgehen wolle. Durch die Erhöhung auf die Durchschnittsmiete von 4,42 Euro verspricht sich die Stadt ein Einnahmeplus von 180.000 Euro. Das Geld könne helfen, die steigenden Instandhaltungskosten des in die Jahre gekommenen Bestandes zu finanzieren; die Erhöhung diene folglich dem Erhalt preiswerten städtischen Wohnraumes, und sie sei sozial verträglich. "Die Belange der Geringverdiener, Rentner und Transferleistungsempfänger sowie die dauerhafte Vermietbarkeit und Konkurrenzfähigkeit des Wohnungsbestandes der Stadt werden in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander berücksichtigt", schreibt Herrling. Nachdem die Stadt die Mieten für die frei finanzierten Wohnungen früher alle drei Jahre anhob, hatte sie das zuletzt 2008 getan, um fünf Prozent. Damals führte das zu einigen Kündigungen und sogar zu Leerstand - davon geht die Stadt diesmal nicht aus.

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