Symbolbild. - © picture alliance / ZB
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Kreis Gütersloh/Borgholzhausen Kampfhund stört Wähler in Borgholzhausen

Bundestagswahl: Ein bissiger Hund und eine an "Kraut und Rüben" gemahnende Niederschrift aus einem ländlichen Wahllokal waren die einzigen Beeinträchtigungen

Rolf Birkholz

Kreis Gütersloh/Borgholzhausen. Ein frei laufender Kampfhund vor einem Wahllokal in Borgholzhausen hat am Sonntagnachmittag kurz den Ablauf der Bundestagswahl ein wenig behindert. Das war aber der einzige Zwischenfall, den der stellvertretende Kreiswahlleiter Michael Hellweg neben kleineren Unregelmäßigkeiten dem Kreiswahlausschuss mitzuteilen hatte. Dieser bestätigte jetzt das sich nur minimal vom vorläufigen Ergebnis unterscheidende, noch einmal amtlich geprüfte und von Kreiswahlleiterin Susanne Koch verkündete Endergebnis. Jener Hund hatte ein Kind gebissen, Leute waren ins Wahllokal geflüchtet, bis die Polizei die Lage bereinigte. Durch "dieses ganze Theater" habe es eine kleine Beeinträchtigung gegeben, sagte Hellweg im Kreishaus, wo die Ordner mit den Niederschriften der Wahlvorstände aufgereiht waren. Ansonsten waren Hellweg zufolge quer durch den Wahlkreis 131 die üblichen kleineren Ungenauigkeiten und Unklarheiten zu verzeichnen. Mal stimmte das "Zahlengerüst" irgendwie nicht, mal gab es Differenzen zwischen der ausgezählten Stimmenzahl und der Anzahl der Wahlzettel. Dann wurde nachgezählt. Weil eine Niederschrift aus einem ländlichen Bezirk "ein bisschen Kraut und Rüben" bot, seien, so der Zahlenchef, zur Unterstützung zwei Kollegen aus dem Kreishaus geschickt worden. Doch während ursprünglich die Zahlen nicht passten, aber unterschrieben waren, errechneten die Unterstützer ein klares Ergebnis, vergaßen aber die Unterschrift. Insgesamt waren nur geringfügige, wenngleich mitunter zeitaufwendige Korrekturen nötig. Manchmal galt es zu entscheiden, ob die Kennzeichnung eines Kandidaten oder einer Partei noch unter den sehr weit gefassten, inzwischen auch Smileys umfassenden Begriff "Kreuz" fiel. "Der Wähler ist unglaublich kreativ", weiß Hellweg. Im Zweifel musste demokratisch abgestimmt werden. So können Kreativität oder Schludrigkeit einzelner Wähler die Arbeit der 2.500 Ehrenamtlichen erschweren. Aber auch die auf 14 Seiten erweiterte Niederschrift vergrößere den "Formularkram" nach Auffassung des stellvertretenden Wahlleiters unnötig. Sorge bereitet ihm die Zunahme der Briefwähler. Deren Zahl sei von 45.000 bei der vorigen Bundestagswahl auf nun 57.000 gestiegen. Ein Helfer in Steinhagen musste neun Stunden aufwenden, um 2.300 Briefstimmzettel zu bearbeiten. Allein in Gütersloh nutzten rund 16.000 Bürger diesen Wahlweg, der zusätzlichen Personalaufwand erfordere. Sei man früher noch mit 20 Briefwahlvorständen ausgekommen, zähle man inzwischen schon 55. Das sei so, als wären zwei ganze Kommunen hinzugekommen, sagte Hellweg, der hier eine "riesengroße Herausforderung" sieht.

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