Beeindruckende Kulisse: Daniel Kassner mit seinem Fahrrad am Fischfluss-Canyon im südlichen Namibia. Das Flussbett gilt nach dem Grand Canyon in den USA als zweitgrößter Canyon der Welt. - © Privat
Beeindruckende Kulisse: Daniel Kassner mit seinem Fahrrad am Fischfluss-Canyon im südlichen Namibia. Das Flussbett gilt nach dem Grand Canyon in den USA als zweitgrößter Canyon der Welt. | © Privat

Gütersloh Dieser Gütersloher fährt mit dem Fahrrad durch Afrika

Der Postbote Daniel Kassner berichtet im Parkbad von Handydieben und Knochenbrüchen

Simon Steinberg

Gütersloh. Wenn Daniel Kassner am Sonntag, 1. Oktober, im Parkbad seinen Vortrag hält, wird er einiges zu erzählen haben. Der 32-jährige Gütersloher, der von Beruf Postbote ist, hat sich seinen Lebenstraum erfüllt und ist mit seinem Fahrrad einmal quer durch Afrika gefahren. Ganze acht Monate hat er für seine Tour gebraucht, die im Mai in Kapstadt begonnen hat und im Dezember in seiner Heimat Blankenhagen geendet hat. "Ich wollte hier nicht in 30 oder 40 Jahren sitzen und bereuen, es nicht gemacht zu haben", erklärt Kassner. Den Grund für die ungewöhnliche Reise sieht der 32-jährige in seiner Abenteuerlust. "Europa war mir zu heimatlich. Da kennt man das Leben, die Städte, das Essen. An Afrika hat mich diese Wildheit und Unberührtheit fasziniert." Obwohl diese auch in vielen Teilen Afrikas schon verloren gegangen sei, hat sich der Postbote mit einem 40 bis 50 Kilogramm schweren Rucksack auf den Weg gemacht. Von Südafrika ging es die ersten Wochen Richtung Namibia - und zum ersten, nicht eingeplantem Vorfall. In der Nähe der Hauptstadt Windhoek hat sich Daniel Kassner das Schlüsselbein gebrochen, als er in dem tiefen Sand nicht vorwärts kam und über den Lenker gerutscht ist. "Ich wurde dann zur Notaufnahme gebracht und musste noch ein paar Tage im Krankenhaus verbringen. Glücklicherweise habe ich vor der Notaufnahme Leute kennengelernt, bei denen ich für vier Wochen bleiben konnte." Als die Verletzung einigermaßen ausgeheilt war, machte sich Daniel Kassner auf den Weg Richtung Sambia, wo das Highlight die weltberühmten Viktoriafälle waren. "Das war schon cool", resümiert der 32-jährige, der in seinem Rucksack neben fünf Litern Wasser auch für jeden Tag auch Nahrungsmittel, die Campingausrüstung und einen Kocher dabei hatte. Von dort aus ging es dann weiter nach Malawi, wo der Blankenhagener drei Nächte auf dem Deck eines Schiffes verbracht hat: "Das hätte es in Deutschland niemals gegeben, aber es war billiger als sich für die tagelange Überfahrt auf dem Malawi-See ein Zimmer zu buchen." Von Malawi führte ihn seine Tour nach Tansania, wo der mit 5.895 Metern höchste Berg Afrikas, der Kilimandscharo und der Serengeti-Nationalpark beheimatet sind. Geführte Touren hat Daniel Kassner bei beiden Attraktion nicht gemacht. "Dafür fehlte schlicht die Zeit und das Geld." In Kenias Hauptstadt Nairobi erlebte der 32-Jährige schließlich hautnah, wie eng die Welt vernetzt ist. Weil die Speichen in seinem Vorderrad gebrochen waren, bestellte er sich von seinem heimischen Fahrradhändler mal eben ein neues Vorderrad mitten in die Drei-Millionen-Stadt. Nach insgesamt fünf Wochen Aufenthalt dort, flog er samt Fahrrad nach Marokko und besuchte die spanischen und britischen Enklaven Ceuta und - auf der andren Seite der Meerenge - Gibraltar. Nach einem Todesfall, für den er nach Deutschland zurückkehrte und seine Tour unterbrechen musste, setze er seine Tour in Barcelona Richtung Frankreich fort. Mit Zwischenstopp in der Gütersloher Partnerstadt Châteauroux, wo er einen Brief von Bürgermeister Henning Schulz übergab, machte er sich über Paris und Luxemburg wieder auf den Weg Richtung Heimat. Trotz zwei gestohlenen Handys, besagtem Schlüsselbeinbruch und etlichen Nächten im Campingzelt ist Daniel Kassner stolz auf seine Reise: "Es war toll und hat sich absolut gelohnt, aber an der Route würde ich das nächste Mal ein paar Sachen ändern." Seine nächste spannende Tour plant er mittlerweile auch schon: "Momentan habe ich die Idee, in fünf Jahren mal durch Asien zu fahren", erklärt der 32-jährige. Denn " das Fahrrad bleibt mein liebstes Reisefahrzeug." Am Sonntag um 15 Uhr hält Daniel Kassner im Parkbad seinen Vortrag die Reise - der Eintritt ist frei.

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