Im Gebetsraum: Julya Ibrahim spricht in dem großen Raum im islamischen Zentrum ein Gebet. Frauen müssen dabei ein Kopftuch tragen, Männer sind angehalten weite Kleidung zu tragen. Nur ohne Schuhe darf der rote Teppich betreten werden. - © Lena Vanessa Niewald
Im Gebetsraum: Julya Ibrahim spricht in dem großen Raum im islamischen Zentrum ein Gebet. Frauen müssen dabei ein Kopftuch tragen, Männer sind angehalten weite Kleidung zu tragen. Nur ohne Schuhe darf der rote Teppich betreten werden. | © Lena Vanessa Niewald

Gütersloh Diese Gütersloher Moscheen öffnen ihre Türen

Am 3. Oktober ist bundesweit "Tag der Offenen Moscheen"

Lena Vanessa Niewald

Gütersloh. Missverständnisse klären und Vorurteile abbauen, dieses Ziel hat sich Julyane Ibrahim gesetzt. Die 53-Jährige ist stellvertretende Vorsitzende des Islamischen Zentrums Gütersloh und möchte den Tag der Offenen Moschee am Dienstag, 3. Oktober, zum Anlass nehmen, Fragen rund um den Glauben des Islams zu beantworten. Ibrahim möchte in Kontakt mit Interessierten kommen und sie mit in die Welt der Moschee nehmen. Auf diesem Weg sollen Barrieren zwischen Kulturen und Glaubensrichtungen abgebaut werden. Denn: Immer wieder würden Muslime mit Vorurteilen konfrontiert – gerade aufgrund der politischen Lage in der Welt. »Ich dachte früher, Christen dürfen nicht in Moscheen gehen« „Laut ausgesprochen werden die Vorurteile fast nie, lieber wird hinter vorgehaltener Hand gesprochen", sagt Julyane Ibrahim. Dann hieße es oft, Muslime würden ihr eigenes Süppchen kochen und ihre Religion über alle anderen Stellen. Sie will den Tag der offenen Moschee auch zum Anlass nehmen, die Menschen vom Gegenteil zu überzeugen. „Viele wissen gar nicht, was wir in einer Moschee machen und wie es hier aussieht. Die Unwissenheit stützt die Vorurteile. Wenn Islaminteressierte uns aber besuchen kommen, dann werden viele dieser Vorurteile häufig abgebaut." Auch Carola Louis wusste lange nichts über Moscheen und den Glauben von Muslimen. Heute kommt die Christin regelmäßig in die Räume des Islamischen Zentrums, meistens zum Frauenfrühstück. „Ich dachte früher auch, dass Christen hier gar nicht rein dürfen. Aber es ist wirklich jeder willkommen, und jeder wird respektiert", sagt sie. Auch kritische Fragen dürfen gestellt werden Der Respekt vor dem Glauben, egal, welcher es ist, stehe im Islamischen Zentrum an erster Stelle, sagt Julyane Ibrahim. Am Tag der Offenen Moschee möchte sie auch für die Regeln von Muslimen sensibilisieren. „Da, wo Teppich liegt, ziehen wir die Schuhe aus. Und man sollte sich nicht zu freizügig anziehen – ein Kopftuch muss aber keiner tragen, der herkommt." Kopftuch sei für Frauen, die die Moschee als Gast besuchen, nur während der Praktizierung des islamischen Gebets Pflicht. Dementsprechend müssten sich Besucher keine Sorgen machen, sich beim Tag der offenen Tür falsch zu verhalten. „Ich erkläre alles ganz genau und beantworte alle Fragen." Auch kritischen Fragen stelle sie sich. Nur so könne sie in den tiefergehenden Dialog mit Interessierten kommen. Das diesjährige Motto liegt Julyane Ibrahim am Herzen: „Gute Nachbarschaft – Bessere Gesellschaft." Nachbarschaft spiele im Islam eine besondere Rolle. „Der Nachbar gehört bei uns eigentlich mit zur Familie." Messaoud Ali-Ou Cheurfa (75), Vorsitzender des Islamischen Zentrums Gütersloh, ergänzt: „Wenn man Hilfe braucht, ist der Nachbar doch der Erste, der kommt." Umso bedrückter sind die Mitglieder des Islamischen Zentrums darüber, dass der Kontakt zu den anderen Moschee-Vereinen in Gütersloh abgeklungen sei. Lange Zeit hätten sie mit einer der Moscheen gemeinsame Aktionen organisiert und sich regelmäßig ausgetauscht. »Imame müssen Deutsch sprechen können« Durch den Wechsel des Imam sei der Kontakt noch nicht wiederhergestellt worden, was zum Teil auch an sprachlichen Barrieren liege, so Ibrahim. An einem intensiveren Verhältnis werde aber gearbeitet. „Um in einen respektvollen Dialog zu kommen und auch für die junge Generation Ansprechpartner zu sein, ist es notwendig, dass Imame ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache besitzen. So kann Missverständnissen entgegen gewirkt werden. Andere Konzepte sehe ich eher kritisch." Deshalb sei das Islamische Zentrum stolz, dass ihr Imam Deutsch spreche. „Wir sprechen hier zwar mehrere Sprachen, aber die Hauptsprache ist Deutsch."

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