Ausgeschlachtet: Im Frühjahr des vergangenen Jahres hatten Teilediebe auf dem Gelände des Autohauses Walkenhorst an der Hülsbrockstraße zwei BMW geknackt und nahezu komplett geplündert. - © Patrick Menzel
Ausgeschlachtet: Im Frühjahr des vergangenen Jahres hatten Teilediebe auf dem Gelände des Autohauses Walkenhorst an der Hülsbrockstraße zwei BMW geknackt und nahezu komplett geplündert. | © Patrick Menzel

Gütersloh Diebe plündern fünf Autos

Kriminalität: Die Täter hatten es bei den Fahrzeugen der Marken BMW und Mercedes vor allem auf Airbags, Steuerungsgeräte und Navigationsgeräte abgesehen - Teile, die sich im Ausland gut weiterverkaufen lassen

Patrick Menzel

Gütersloh. Die Tatorte liegen keinen Kilometer auseinander, in allen Fällen waren hochwertige Autos der Marken BMW und Mercedes das Ziel der Täter. Unbekannte haben in der Nacht zu Montag insgesamt fünf an der Eimerheide und am Gertrudenweg geparkte Fahrzeuge aufgebrochen und daraus Teile der Bordelektronik gestohlen. Vor allem Navigationsgeräte, Airbags sowie Bedien- und Steuerungselement ließen sie mitgehen. Der Schaden dürfte in die Zehntausende gehen. Die Polizei vermutet, dass es sich bei den Tätern um Mitglieder einer organisierten Bande handelt, die in der Dalkestadt gezielt auf der Suche nach bestimmten Einzelteilen war. Wahrscheinlich, so Polizeisprecherin Corinna Koptik, haben die Autoknacker die Tatorte in den Tagen zuvor ausgekundschaftet und Informationen über die Fahrzeugtypen gesammelt, ehe sie schließlich im Schutz der Dunkelheit zu nächtlicher Stunde zuschlugen. So rücksichtslos wie sie die Autos öffneten, so sorgfältig gingen die Täter beim Ausbau der Teile vor - die wollen sie schließlich noch verkaufen. Die Polizei hat auch eine Vermutung, wo: Insbesondere in den osteuropäischen Ländern boomt der Handel mit gestohlenen Autoteilen. So werden etwa auf den so genannten "Polen-Märkten" insbesondere Teile der deutschen Premiummarken Audi, BMW, Mercedes und Porsche zu vergleichsweise günstigen Preisen angeboten. Umgerechnet etwa 150 bis 200 Euro zahlt man dort für einen Airbag, der legal in der Fachwerkstatt mal schnell weit mehr als das Zehnfache kosten kann. Nicht selten werden gestohlene Autoteile auch auf Verkaufs- und Versteigerungsplattformen im Internet angeboten. Ihre Ware beziehen die Händler - angesichts des hohen Organisationsgrades sprechen die Ermittler von einer "Autoteile-Mafia" - meistens von professionellen Banden. Die wiederum würden von Region zu Region reisen und sehr gezielt zuschlagen, heißt es von der Polizei. "Die Erfahrungen zeigen auch, dass die Täter nicht selten auf Bestellung stehlen", so Koptik. So schnell wie Autoknacker über eine Region herfallen, so schnell sind sie wenige Stunden später und meist bevor die Taten überhaupt bemerkt werden auch wieder in ihren Heimatländern verschwunden, was den Ermittlern die Arbeit erschwert. Die jüngsten Taten an der Eimerheide und am Gertrudenweg sind im Kreis Gütersloh bei weitem kein Einzelfall. Derartige Aufbrüche und Diebstähle kämen immer mal wieder vor, so Koptik, die saisonale Tendenzen erkennt. Im Frühjahr und Herbst hätten es die Täter zumeist auf Sommer- beziehungsweise Winterräder abgesehen, in den übrigen Monaten meist auf Teile der Bordelektronik. Einen hundertprozentigen Schutz vor Autoplünderern gibt es laut Polizei nicht. "Wer eine Garage hat, sollte sein Auto darin abstellen und das Tor verschließen", sagt Koptik. Wer über ein Carport verfügt, dem rät die Polizeisprecherin, sein Auto möglichst nahe an einer Wand zu parken. Auf diese Weise lasse sich zwar ein Aufbruch nicht verhindern, aber immerhin erschwere man Tätern so die Arbeit, wenn diese es beispielsweise auf einen kompletten Radsatz abgesehen haben. Nur in den seltensten Fällen stehlen Diebe nur zwei Räder, so Koptik. Ansonsten gilt: Wer verdächtige Personen in seiner Nachbarschaft beobachtet, sollte keineswegs zögern, unter 110 die Polizei darüber zu informieren.

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