Wortakrobatin: Die 15-jährige ESG-Schülerin Ariane Fedeler trägt ein Gedicht im Stakkato-Stil vor. - © Robert Becker
Wortakrobatin: Die 15-jährige ESG-Schülerin Ariane Fedeler trägt ein Gedicht im Stakkato-Stil vor. | © Robert Becker

Gütersloh Bürgertag lockt die Massen in die Gütersloher Innenstadt

Gelungene Premiere: 80 Vereine, Organisationen und Initiativen präsentieren sich

Robert Becker

Gütersloh. 40 Jahre Bertelsmann Stiftung - ein freudiger Grund, Gütersloher Engagement öffentlich zu zeigen. Beim ersten Bürgertag überzeugten sich viele engagierte Menschen von der Leistungsfähigkeit der Vereine, Stiftungen und Institutionen der Dalkestadt. Sieben Stunden lang lief "Gütersloh tatkräftig" mit zahlreichen Aktionen auf den Freiflächen zwischen Stadthalle und Dreiecksplatz. Die 62 von Gütersloh Marketing und Bertelsmann-Stiftung vergebenen Standflächen waren schon seit langem ausgebucht. "Das ist eine unglaubliche Weiterentwicklung des Tags der Vereine", freute sich Stadtmarketingchef Jan-Erik Weinekötter über Inhalte und Resonanz der Veranstaltung. Allein auf der Bühne auf dem Dreiecksplatz wurden 29 Programmpunkte im Viertelstundentakt präsentiert. Es gab Gesang, Tanzvorführungen und Interviews mit Thorsten Wagner. Dazu schien nach zahlreichen Regentagen die Sonne. Was wollte man mehr. Neben der Präsentation der Vereine kamen vor allem die Mitmach-Aktionen gut an. "Welcher Engagement-Typ sind Sie?", fragte die Bertelsmann-Stiftung und verteilte typgerechte, farbige Karten. Auch Bürgermeister Henning Schulz unterzog sich diesem PC-gesteuerten Test. "Grün" lautete sein Ergebnis, was keine Überschneidung habe mit der politischen Ausrichtung, erklärte ihm Ingeborg Dannich-Witt. Die Farbe grün stehe in diesem Fall für Menschen, die sich für andere interessierten, helfen möchten und sich für Anliegen einsetzten, lautete die Auflösung für den Bürgermeister. Dessen Fähigkeit zum Engagement war wenig später gefragt. Am Nachmittag übergaben Dr. Hauke Hartmann und Robert Schwarz von der Stiftung eine lange Wunschliste an den Bürgermeister. Die hatten Bürgertag-Besucher in den Stunden zuvor aufgeschrieben und an die Pinnwand geheftet. "Bundesliga-Fußball in Gütersloh", "Seniorenbänke" und viele Anregungen zum Thema Stadtplanung bestimmten das Meinungsbild. Wenn Vorschläge mehrfach kämen, sei das ein guter Hinweis etwas zu tun, meinte Hartmann und hielt zwei Karten zum Thema Schwimmbäder hoch. An den Wahltag nächsten Sonntag erinnerte die Fotobox-Aktion der Stiftung. "Ich wähle mit" lautete der Titel. Mit einer Schautafel wurde Aufklärung betrieben zu Themen wie Migration, Sexualität, Religion. Wieder wenige Meter weiter wurden erneut Wünsche abgefragt. Dieses Mal ging es darum an welcher Stelle Gütersloher Unternehmen sich (noch) engagieren könnten. Das Engagement von einem Dutzend hiesiger Firmen wurde dargestellt. "Gesundes Essen in der Kantine" wünschte sich jemand. Eine Überraschungsaktion zum 40. Geburtstag der Stiftung hatte die Bibliothek gestartet. Minutenlang lasen Besucher verschiedene Texte gleichzeitig laut vor, was ein ziemliches Durcheinander ergab. Einstimmig trugen kurz darauf zwei Dutzend "Leseratten", angeführt von der 15-jährigen ESG-Schülerin Ariane Fedeler, ein Gedicht im Stakkato-Stil vor ("Ber-, Ber-, Bertelsmann"). Neben den Großen, wie dem Gütersloher Turnverein, präsentierten sich auch kleine Vereine. Etwa der Biochemische Verein Gütersloh, der vor 105 Jahren gegründet wurde und viele Wanderungen anbietet. So warben beispielsweise der Tauchsportclub für neue Kurse, der KSV für Ringen und Sportakrobatik, der Kreissportbund zusammen mit der Reinhard Mohn-Stiftung für Programme im Schul-Ganztag. Es stellten sich neue Stiftungen vor wie die des Städtischen Krankenhauses (inzwischen 52 Mitglieder) oder die neue Stadtschulpflegschaft, die sich übergreifend um EDV an Schulen, Reinigung und Optimierung von Platzbedarf im offenen Ganztag kümmert. Das Böckstiegel-Museum präsentierte den neuen Kalender. Auch der FC Gütersloh zeigte sich. Heiner Kollmeyer und Hans-Hermann Kirschner schilderten im Interview, wie sie den FCG wieder auf die Schiene heben konnten. Jan-Erik Weinekötter outete sich als Fußballer. Als früherer Verbandsliga-Torwart konnte der Stadtmarketingchef da ganz gut mitreden.

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