Demonstration: Eng geht es zu in der Sackgasse der Fritz-Blank-Straße. Diese ist eine von 44 Sackgassen, die von der städtischen Müllabfuhr demnächst nicht mehr angesteuert werden. Fahrer Rolf Lange wird von seinem Kollegen Elmar Slomka eingewiesen. - © Robert Becker
Demonstration: Eng geht es zu in der Sackgasse der Fritz-Blank-Straße. Diese ist eine von 44 Sackgassen, die von der städtischen Müllabfuhr demnächst nicht mehr angesteuert werden. Fahrer Rolf Lange wird von seinem Kollegen Elmar Slomka eingewiesen. | © Robert Becker

Gütersloh Zu gefährlich: Gütersloher Müllabfuhr befährt 44 Sackgassen nicht mehr

Bewohner müssen ihre Tonnen und Säcke zu Anschlussstraßen schleppen

Robert Becker

Gütersloh. Um die Unfallgefahr beim Rückwärtsfahren zu vermindern, wird die städtische Müllabfuhr demnächst 44 Sackgassen in der Dalke-stadt nicht mehr befahren. Die Anwohner müssen ihre Behältnisse an der nächstgelegenen Anschlussstraße platzieren. Betroffen sind rund 240 Grundstücke mit etwa 550 Behältern für Restmüll, Papier, Bioabfall und dem Gelben Sack. Umgesetzt werden soll die neue Regelung stufenweise, beginnend in zwei Wochen, erklärten die städtische Beigeordnet Christine Lang sowie Matthias Maurer und Thomas Schikora vom Fachbereich Stadtreinigung. Die betroffenen Anwohner werden von der Stadt angeschrieben und zu Ortsterminen eingeladen. Die Sackgasse in der Fritz-Blank-Straße ist etwa drei Meter breit und ungefähr 80 Meter lang. Zu Eng für die neuen Regeln, die nach einer Gefährdungsbeurteilung für jede Sackgasse von der Stadt erstellt wurden. „Mindestens dreieinhalb Meter Breite, möglichst keine Kurven", nennt Matthias Maurer die festgelegten Mindestvoraussetzungen für das Befahren. Bei der Demonstration am Freitagmorgen wurde schnell deutlich, wie eng selbst das ist, denn das Müllfahrzeug misst 2,75 Meter Breite. Unfälle hat es im Kreis Gütersloh bislang kaum gegeben. Er könne sich nicht an Unfälle mit Personenschäden erinnern, sagt Matthias Maurer. Bundesweit gebe es jedoch jedes Jahr zwischen fünf und zehn Todesfälle durch rückwärtsfahrende Müll-Lastwagen, sagt Maurer. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) hat deshalb Regelungen formuliert, die unfallträchtiges Rückwärtsfahren nur noch in Ausnahmefällen zulässt unter der Bedingung, dass der Arbeitgeber Gefährdungsbeurteilungen vornimmt und Schutzmaßnahmen für die Beschäftigten festlegt. „Wir können die Fahrer ja nicht selbst entscheiden lassen, ob sie eine Straße ansteuern oder nicht", sagt Maurer. Für 180 Sackgassen im Stadtgebiet wurde eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt. 44 davon werden künftig nicht mehr angesteuert. Bewertungskriterien waren beispielsweise die Breite der Fahrbahn, die Befahrbarkeit des Seitenstreifens, die Länge der Sackgasse und der Sichtkontakt zum Einweiser. Auch Besonderheiten wie anliegende Kindertagesstätten oder Senioreneinrichtungen wurden dabei berücksichtigt. Um die Fahrten in den Sackgassen, die auch weiterhin angefahren werden, sicherer zu machen, will die Stadt nun mehrere Müllfahrzeuge mit modernen Rückfahr-Assistenz-Systemen nachrüsten. Mit Rückfragen rechnet die Stadt in jedem Fall. Deshalb soll der Plan nun stufenweise umgesetzt werden, auch, um die zahlreichen Anschreiben sowie die Ortstermine gut koordinieren zu können. Die Stadt habe in ihre Bewertung auch einfließen lassen, dass es keine zu großen Behälteransammlungen geben wird. „Damit schafft man sich nur das nächste Unfallpotenzial", sagt Thomas Schikora.

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