Einst eine Art Wahrzeichen: Seit nunmehr vier Jahren ist der Wasserträger des heimischen Künstlers Bernd Hartmann (1905-1972) verschwunden. - © Raimund Vornbäumen
Einst eine Art Wahrzeichen: Seit nunmehr vier Jahren ist der Wasserträger des heimischen Künstlers Bernd Hartmann (1905-1972) verschwunden. | © Raimund Vornbäumen

Gütersloh Gütersloher Wasserträger bleibt verschwunden

Die beiden Angeklagten, die Teile der Skulptur verkauft haben, müssen eine Strafe zahlen

Rolf Birkholz

Gütersloh. Sie hatten das Teil für frei verfügbaren Schrott gehalten, mit Verdacht auf Kupfergehalt. So luden zwei junge Männer das an einem Gebüsch zwischen Ost- und Holzstraße liegende Stück kurzerhand auf einen Fahrradanhänger und machten es bei einem Altmetallhändler zu Geld: 64,80 Euro. Sie wussten nicht, dass es sich um die Messing-Bodenplatte der im Jahr 2013 aus dem Stadtpark entwendeten Skulptur „Wasserträger" handelte. Das konnten sie jetzt vor dem Strafrichter glaubhaft versichern. „Wir waren in Geldnot, wollten was zu essen kaufen", begründete einer der beiden Angeklagten die Tat am 21. März 2016, die den 26-Jährigen mit seinem 30-jährigen Kumpel nun wegen Betrugs und Unterschlagung ins Amtsgericht geführt hatte. Denn sie hatten die Platte ja eigentlich nicht geklaut, sondern sich gegenüber dem Händler als Eigentümer ausgegeben und ihn um den Ankaufspreis betrogen. Das Metallteil habe schon „eine Weile" dort gelegen, sagte der Wortführer der beiden ohne Anwalt erschienenen geständigen Männer. Von dem Diebstahl der Skulptur hätten sie nichts gehört. Auch Füße der Figur, die sich noch auf der Platte befanden, hatten sie nicht stutzig gemacht. Hätten sie um den Hintergrund gewusst, so der Sprecher, dann hätten sie die Finger davon gelassen. „Nun sitzen wir hier und haben den Salat." Anhand von Fotos konnten die Angeklagten sich ein Bild vom „Wasserträger" machen. „Verlorene Kulturgüter in Gütersloh" umriss der Richter den Verfahrensgegenstand. Und wenn es sich nicht um ein Kulturgut gehandelt hätte, mutmaßte der Staatsanwalt, dann wäre bei einem Streitwert von knapp 65 Euro wohl gar keine Anklage erhoben worden. „Es muss nicht mit einem Urteil ausgehen", schlug er die Richtung hin auf eine vorläufige Einstellung vor. So wurde entschieden. Im Gegenzug müssen die Herren jeweils 300 Euro zahlen. Apropos Zahlen. Auf dem Ankaufsvertrag des Schrotthändlers las der Richter als Gewicht der Platte 272,40 Kilogramm. Und nahm an, das Komma sei verrutscht. Die Angeklagten grinsten. 272 Kilo hätten sie kaum abtransportieren können. Und ein solch gewichtiger Wasserträger hätte sich vielleicht auch gar nicht von Ibrüggers Teich wegtragen lassen.

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