Social Media: Auch die Bundestagskandidaten sind in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter unterwegs - manche mehr, manche weniger intensiv. - © Themenbild/Picture Alliance
Social Media: Auch die Bundestagskandidaten sind in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter unterwegs - manche mehr, manche weniger intensiv. | © Themenbild/Picture Alliance

Kreis Gütersloh Die Bundestagskandidaten im Social Media Check

Wahlkampf im sozialen Netz: Die NW und das Haller Kreisblatt haben gemeinsam geschaut, wie sich die Kandidaten aus dem Kreis Gütersloh in der digitalen Welt behaupten

Christina Zimmermann
Melanie Wigger

Lena Vanessa Niewald

Kreis Gütersloh. Noch schnell ein Selfie auf Facebook posten und die Neuigkeit des Tages twittern: Die Sozialen Netzwerke gehören mittlerweile genauso zum Wahlkampf wie Plakate an Straßenlaternen oder Wahlkampfstände auf dem Wochenmarkt. Die NW und das Haller Kreisblatt haben geprüft, wie sich die Vertreter aus dem Kreis Gütersloh in der digitalen Welt behaupten: SPD Elvan Korkmaz gibt sich auf Facebook nahbar. Die SPD-Frau postet Fotos von ihren Wahlkampfveranstaltungen, Vorbereitungen mit den Jusos und ihrem Wahlkampfteam, kurze Videos. Nichts Privates – trotzdem wirken die Beiträge authentisch. In einer Videoreihe mit dem Hashtag #daherkenneichelvan erzählen Freunde und Bekannte, woher sie Korkmaz kennen. Ihr Hauptaugenmerk in den sozialen Netzwerken liegt eindeutig auf Facebook, wo sie regelmäßig Beiträge einstellt. Kurz vor der Wahl hat sie eine neue Video-Serie gestartet. Mit dem Titel "Unterwegs in ..." reist sie durch den Kreis Gütersloh. Die Interaktionsrate ihres Facebook-Accounts liegt bei 1,82 Prozent - damit generiert sie von allen hier erwähnten Kandidaten am meisten Interaktionen mit ihren Posts. Korkmaz hat neben ihrer offiziellen Facebook-Seite auch noch einen privaten Facebook-Account. Unter @KorkmazGT twittert die Politikerin seit 2015 an mehr als 600 Follower. Sie twittert Statements ihrer Partei, schreibt, wofür sie steht und retweetet Tweets ihrer SPD-Kollegen. Dazu kommen Fotos von Parteiveranstaltungen. Ihre Twitter-Fotos finden sich auch teilweise auf Instagram wieder. Der Account ist also gekoppelt. Wenn mir #julis einen Glückskeks schenken mit "Tu es einfach!", sage ich: "Mache ich! Verlasst euch drauf!" 😉😂@spdde kämpft weiter! pic.twitter.com/xmcbyZTv06 — Elvan Korkmaz (@KorkmazGT) 15. September 2017 Der Instagram-Account „elvankorkmazgt" hat seit 2015 790 Abonnenten gesammelt. Unter den Beiträgen sind vor allem Selfies der Politikerin, Schnappschüsse aus ihrem Arbeitsalltag und Fotos auf denen sie mit Kollegen und Gesprächspartnern posiert. Den Instagram-Auftritt bestückt sie ein - bis zweimal im Monat, kurz vor der Wahl allerdings öfter. Das beliebteste Foto im Netzwerk zeigt Korkmaz mit bemalten Ostereiern. 125-mal wurde ihr Ostergruß geliked. Sie nutzt den Account für einen Blick hinter die Kulissen. Außerdem kann man Korkmaz unter der Nummer (0157) 92 36 59 59 im WhatsApp-Volkschat begegnen. Fröhliche Ostern! 🐥 Ein Beitrag geteilt von Elvan Korkmaz (@elvankorkmazgt) am 16. Apr 2017 um 6:14 Uhr CDU Ralph Brinkhaus postet auf Facebook unter dem Hashtag #ralphbrinkhausmittendrin vor allem Ankündigungen zu Veranstaltungen, die er besucht. So wissen seine Follower, wo er wann im Kreis unterwegs ist und was er dort vor hat. Von diesen Veranstaltungen werden dann häufig auch Fotos gepostet. Selfies findet man auf seiner Facebook-Seite nicht. Er lässt sich fotografieren, meistens in Aktion. Dadurch wirkt sein Account im Vergleich mit SPD-Frau Korkmaz nicht ganz so nahbar. Mittlerweile hat Brinkhaus mehr als 1.000 Facebook-Likes gesammelt. Die Interaktionsrate seines Accounts liegt bei 1 Prozent. Mehr als 900 Twitter-Beiträge finden seine beinahe 2.900 Abonnenten unter @rbrinkhaus. Auf der nachrichtenlastigen Plattform ist der Politiker nur unregelmäßig aktiv – klassische aktuelle Anlässe wie jüngst das TV-Duell nutzt er nicht. Er twittert in der Regel über politische Themen, Beiträge auf seiner Homepage, Beiträge aus Medien zur CDU-Politik oder retweetet Beiträge. #EZB-Mandat mit Ankaufpolitik gedehnt, daher wird Handeln hinterfragt & rechtlich überprüft. Vorlage des #BVerfG beim #EuGH nur folgerichtig — Ralph Brinkhaus (@rbrinkhaus) 15. August 2017 Auf Instagram fällt als Erstes auf, dass Brinkhaus die Reichweite seiner Bilder nicht durch Hashtags erhöht und dementsprechend weniger Menschen (149 Follower) mit seinen mehr als 40 Beiträgen erreicht. Sein erstes Foto auf Instagram hat er erst vor etwa zwei Monaten veröffentlicht. Es zeigt ihn mit weiteren Gesprächsteilnehmern in Versmold bei der ersten Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl. Den Instagram-Account hat er also erst für diese Bundestagswahl angelegt. Ein motivierendes TV-Duell mit einer starken Kanzlerin Angela Merkel! Ein Beitrag geteilt von Ralph Brinkhaus (@ralph_brinkhaus) am 3. Sep 2017 um 13:21 Uhr Die Grünen Jürgen Wächter ist auf Facebook nur als Privatperson unterwegs. Eine Fanseite gibt es nicht. Dennoch kann man seine öffentlichen Posts abonnieren, mehr als 140 Facebook-Nutzer machen das. Öffentlich verbreitet er Berichte über seine Wahlkampfauftritte und Themen, die die Grünen in der Region angehen wollen. Unter „@WaechterJuergen" hat sich der Grünen-Politiker auch auf Twitter probiert. Ende 2016 veröffentlichte er ein Plakat der Partei und den Satz: „Politik muss endlich wieder auf die Menschen hören, ihre sozialen Nöte und Ängste ernst nehmen und ihnen helfen." Danach endete seine Arbeit auf der Nachrichtenplattform. Einen Instagram-Account hat der Kandidat der Grünen nicht. Politik muss endlich wieder auf die Menschen hören, ihre sozialen Nöte und Ängste ernstnehmen und ihnen helfen. — Jürgen Wächter (@WaechterJuergen) 9. November 2016 FDP Philip Winkler nutzt offensichtlich die technische Verknüpfung sozialer Netzwerke und verschickt auf Twitter und Facebook die gleichen Posts. Mit etwa 100 Beiträgen hat der FDP-Kandidat sich über 40 Abonnenten ertwittert und mehr als 260 Facebook-Fans gesammelt. Diese bekommen hauptsächlich parteibezogene Inhalte geboten. Winkler postet ziemlich regelmäßig. Er informiert seine Follower darüber, bei welchen Wahlkampfveranstaltungen im Kreis Gütersloh er gerade ist und was als nächstes auf seinem Programm steht. Dabei setzt er auf Nähe und Spontanität. Er postet viele Selfies. Die können auch mal verwackelt sein. Das macht seine Social Media Arbeit aber sehr authentisch. Auf Instagram bekommt man außerdem Einblicke in Privates. Intensiv unterstützt Winkler seinen Parteichef Christian Lindner. Sowohl dessen Facebook-Statements, Bilder als auch Videos teilt Winkler. Schöne Grüße von Fehmarn! #fehmarn #leuchtturm #ostsee #ostseeliebe Ein Beitrag geteilt von Philip Winkler (@winklerfdp) am 29. Apr 2017 um 1:23 Uhr Die Linke Shen Ibrahimsadeh verzichtet seit einem Jahr privat und für seine Arbeit auf Facebook. Auch sonst ist sein Umgang mit den sozialen Medien im Vergleich mit den anderen Bundestagskandidaten eher ungewöhnlich. Für den Wahlkampf hat er zwar Instagram (left_4_shen) und auch das eher jugend- und spaßorientierte Netzwerk Snapchat (Shen-i) eingerichtet, bespielt beide Kanäle allerdings nicht. "If we lose credibility just by admitting fault,we never had any in the first place" Und das ist auch der Grund warum Regierungsparteien nie etwas falsch gemacht haben können! #politix #podium #deepquotes #kandidaturschmandidatutsachichimmer #weberei Ein Beitrag geteilt von Shen (@left_4_shen) am 13. Sep 2017 um 23:30 Uhr Außerdem hat Ibrahimsadeh einen WhatsApp-Account. Unter der Nummer (01 77) 5 11 27 10, die er auf seinen Wahlplakaten verbreitet, kann man mit dem Linken-Kandidaten chatten und Fragen loswerden. Im Schnelltest antwortete Ibrahimsadeh sogar schon nach 40 Minuten.AfD Udo Theodor Hemmelgarn macht sich Twitter zwar erst seit April 2017 zunutze, hat aber in der kurzen Zeit bereits mehr als 3.000 Beiträge veröffentlicht. Der AfD-Politiker arbeitet auf Hochtouren. Im September kamen innerhalb von zwei Wochen etwa 900 neue Tweets hinzu. Er hat mehr als 1.300 Abonnenten, abonniert aber selbst auch sehr viel – er folgt etwa 2.000 Kanälen. Hemmelgarn greift ausschließlich politische Themen auf, verbreitet Beiträge von Parteikollegen und teilt Negativschlagzeigen und kommentiert andere Online-Beiträge – beispielsweise ein Video, das zeigt, wie ein farbiger Mann einen Busfahrer angreift. Hemmelgarn dazu: „Wollen wir solche Menschen auch in unserem Land? Nein." Auf den anderen Social Media Kanälen ist Hemmlegarn nicht aktiv. Wollen wir solche Menschen auch in unserem Land? NEIN!👎 #STOPINVASIONE#Invasion#Illegale#TrauDichDeutschland#AfDhttps://t.co/fBEs0c0vDX — Udo Hemmelgarn (@UdoHemmelgarn) 31. August 2017 Freie Wähler Bernd Kirmes zeigt auf Facebook eine Mischung aus Medienbeiträgen, politischen Themen und Werbeslogans der Freien Wähler. Ab und zu gibt es auch eine Prise Humor, zum Beispiel wenn er unter einem Plakat von Ralph Brinkhaus posiert und dazu schreibt, dass er auf jeden Fall der Hübschere sei. Alle paar Tage gibt es für seine etwa 150 Abonnenten ein bis zwei neue Beiträge - die Interaktionsrate liegt allerdings bei 14,49 Prozent - Kirmes generiert also nur wenig Interaktionen mit seinen Posts. Er bleibt aber authentisch. Den ein oder anderen Tippfehler verzeihen ihm seine Follower wohl. Vom Parteilogo bis zu Zeitungsausschnitten über seinen Wahlkampf: Bernd Kirmes ist auf Instagram inhaltlich kein auffälliger Vertreter. Die meisten Posts drehen sich um seine Parteiarbeit. Dazwischen sind ein paar Fotos, die auch im privaten Kontext entstanden sein könnten, zum Beispiel bei einem Besuch am Brandenburger Tor in Berlin. Mit seinen rund 40 Fotos hat er 287 Fans gesammelt...

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