Gütersloh Drei Wochen im russischen Gefängnis: 87-Jährige schreibt Buch über Vertreibung

Grete Tomforde kam in Güterslohs polnischer Partnerstadt in Gefangenschaft

Gütersloh. Ein Stück deutsch-polnischer Geschichte: Im April 1945 war Grete Tomforde aus Langenberg auf der Flucht von Ostpreußen in Graudenz (pol. Grudziadz) in russische Gefangenschaft geraten. Drei Wochen saß sie im dortigen Gefängnis, das ursprünglich ein Kloster war. Über ihre Kriegserlebnisse und diesen Aufenthalt hat die heute 87-Jährige in ihrem Buch "Der Dornenweg" berichtet. Als sie vergangenes Jahr über die Reise des Gütersloher Seniorenbeirats in die polnische Partnerstadt las, wandte sie sich an die Stadt mit der Frage, ob das Gefängnis noch existiere. Karin Delbrügge, bei der städtischen Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich für die Partnerstädte, nahm Kontakt mit Wioletta Pacuszka, Museumsleiterin in Grudziadz, auf. Dort erfuhr sie, dass das ehemalige Kloster auch heute noch als Frauengefängnis mit 1.000 Plätzen, angeschlossener Entbindungsstation und Kita genutzt wird. Und mehr noch: Wioletta Pacuszka übersandte das Exemplar einer kürzlich erschienenen Chronik über das Gebäude. Zusammen mit Dolmetscherin und Grudziadz-Kennerin Ursula Seyfarth übergab Karin Delbrügge jetzt dieses Buch an Grete Tomforde, die es sehr bewegt entgegennahm. Sehr präsent sind nach wie vor die Erinnerungen an eine Zeit, in der Tausende Menschen in beiden Ländern durch Flucht und Vertreibung ihre Heimat verloren. Das Vorwort zu ihrem eigenen Buch verweist darauf: "Es entstand aus der Notwendigkeit heraus, sich mit dem Erlebten auseinanderzusetzen, um so die Erinnerungen erträglicher zu machen", heißt es dort. Und wenn auch die Erinnerungen an die Flucht schmerzlich bleiben, so freute sich Grete Tomforde doch über die Geste aus Grudziadz als Teil einer langen Geschichte, die Deutsche und Polen verbindet.

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