Die Tierschützerin und ihre Hunde-Omis: Miezi (links) und Maxi leben seit ihrer Rettung bei Tanja Meyer. Sie teilen sich die Halterin mit fünf weiteren Hunden, die hinter der Kamera auch mehrfach versucht haben, sich mit auf das Foto zu drängeln. - © Foto: Melanie Wigger
Die Tierschützerin und ihre Hunde-Omis: Miezi (links) und Maxi leben seit ihrer Rettung bei Tanja Meyer. Sie teilen sich die Halterin mit fünf weiteren Hunden, die hinter der Kamera auch mehrfach versucht haben, sich mit auf das Foto zu drängeln. | © Foto: Melanie Wigger

Gütersloh Verwahrlost: Alte Hündin musste eineinhalb Jahren im Garten leben

Hundeelend: Warum eine Tierschützerin zwei Halter überredete, ihre Vierbeiner abzugeben und wie sie den Alltag für eine demente Spitzdame gestaltet

Melanie Wigger

Gütersloh. Maxi hatte lange ein zufriedenes Hundeleben: Mit einer alten Dame bewohnte sie ein Haus mit Garten. Doch das Frauchen starb und die Erben zogen ein. Maxi durfte bleiben. Die Veränderungen waren zu viel für die betagte Jack-Russel-Hündin: Sie wurde unsauber und in den Garten verbannt. „Ein alter Schuppen diente ihr als Unterschlupf. Dort stand nun ihr Körbchen. Einziger Luxus: Eine Rotlichtlampe über dem Korb für kalte Wintertage", berichtet der Tierschutzverein Gütersloh. Anderthalb Jahre verbrachte Maxi Tag und Nacht im Freien. Endlich erbarmte sich ein anonymer Anrufer aus der Nachbarschaft – er hatte das Weinen der Hündin gehört. Er informierte den Tierschutzverein über Maxis Schicksal. Tierschützerin Tanja Meyer überzeugte die Halterin, ihr Maxi zu überlassen: „Als ich mit der Dame in ihrem Wohnzimmer sprach, stand Maxi draußen auf der Terrasse und schaute traurig hinein. Wie die Halter diesen Blick so lange aushalten konnten, ist mir ein Rätsel." Der Abschied ging auch an der Halterin nicht spurlos vorbei. Meyer: „Sie hat sehr geweint, als sie sich von Maxi trennen musste." Die Hündin war eine Art Andenken an ihre Mutter gewesen. „Aber dass es Maxi gutgeht, wäre ja auch im Sinne der Verstorbenen gewesen", argumentierte Meyer. Die Tierschützerin nahm die taube Hündin bei sich auf. Anfangs habe das Tier sehr unsicher gewirkt. Vor ein paar Monaten erkrankte Maxi an einer trockenen Gebärmutterentzündung, die äußerlich nicht zu erkennen war. Der Tierarzt rettete ihr in einer Notoperation das Leben. Mittlerweile geht es ihr wieder gut. Maxis Pflegestelle ist nun ihre „Endstation" – und das im positiven Sinne. Die ungefähr 18-Jährige darf bleiben, weitere Veränderungen würde sie nach Einschätzungen des Tierheims vermutlich nicht überstehen. Und sie liebt die anderen sechs Hunde in der Pflegestelle, fast alle „Rentner" wie sie. Auch die Retterin genieße die Zeit mit der verschmusten Hündin. Neues Zuhause für eine demente Hündin Noch eine weitere Hündin in ihrer Obhut kam im schlechten Zustand bei ihr an: Abgemagert, voller Flöhe und mit völlig maroden Zähnen konnte die 15-jährige Spitzhündin Miezi ihrem ehemaligen Besitzer „abgeschwatzt" werden. Er war mit ihrem Zustand überfordert, denn die Hündin ist dement. Demente Hunde vergessen manchmal, wo sie gerade sind, was sie eigentlich tun wollten und wer das da vor ihnen ist. Sie gehen unsicher, haben Wahrnehmungs- und Schlafstörungen, vergleichbar mit menschlichen Demenzkranken. Meyer: „In den ersten beiden Wochen habe ich Miezi in den Schlaf gestreichelt. Sie fand einfach keine Ruhe. Räumliche Veränderungen sind für demenzkranke Hunde schwierig." Miezi hat deshalb ein festes Körbchen für sich allein. Wenn sie es selbst nicht wiederfindet, wird sie dahin getragen. Vorsichtig und im Zeitlupentempo wird dem Tier die Leine angelegt. „Sie ist sehr schreckhaft", sagt Meyer. Schnelle Bewegung müsse man vermeiden. Ein paar Spazierschritte bis zum nächsten Baum schaffe sie gelegentlich noch. „Dann stehen wir manchmal eine halbe Stunde auf der Stelle und schauen den Baum an. Egal – wenn Miezi damit fertig ist, gehen wir nach Hause und sie macht den beschwingten Eindruck, etwas Tolles erlebt zu haben." Auch Miezi hat bei ihrer Retterin ein Bleiberecht – für immer.

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